Ölkartell Saudi-Arabien prüft mögliche Auswirkung von Opec-Auflösung

Die Opec galt in Saudi-Arabien als eine unerlässliche Institution. Nun prüft ein ranghohes Expertengremium, was wäre, wenn es sie nicht mehr gäbe.
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Die Opec hat in der Vergangenheit an Macht eingebüßt – nicht zuletzt wegen der Konkurrenz aus den USA. Quelle: Reuters
Schild mit Opec-Symbol am Hauptquartier der Organisation in Wien

Die Opec hat in der Vergangenheit an Macht eingebüßt – nicht zuletzt wegen der Konkurrenz aus den USA.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEine ranghohe Expertenkommission Saudi-Arabiens prüft die möglichen Auswirkungen einer Auflösung des Förderkartells Opec auf die Ölmärkte. Das berichtet das Wall Street Journal.

Das Forschungsprojekt spiegele allerdings nicht eine aktive Debatte innerhalb der Regierung wider, ob das Königreich die Organisation kurzfristig verlassen solle, sagen mit den Vorgängen vertraute Insider. Bei der Opec selbst wollte sich niemand dazu äußern.

Saudische Politiker sehen die Studie der Zeitung zufolge als eine Möglichkeit, Marktszenarien durchzuspielen, bei denen die Ölnachfrage so stark sinkt, dass die Opec ihre Marktmacht verliert. Hinzu käme, dass die Studie die Gelegenheit biete, sich näher mit der Kritik aus Washington zu befassen, sagte ein ranghoher Beamter.

Donald Trump hatte das Ölkartell zuletzt im September kritisiert. Die USA würden die Länder des Mittleren Ostens verteidigen, schrieb er auf Twitter, „und sie erhöhen immer weiter die Ölpreise!“. Die Opec müsste einen Weg finden, die Preise wieder zu senken, forderte der US-Präsident.

Seit Jahrzehnten betrachtet Saudi-Arabien die Opec als entscheidend für die eigene Wirtschaft sowie für die globale Weltwirtschaft. Die Organisation existiert seit 1960 und umfasst derzeit 14 Staaten. Ziel der Organisation ist die kontrollierte Preisbildung auf dem Ölmarkt. Die Preise für den Rohstoff sollen weder zu hoch noch zu niedrig werden.

In den vergangenen Jahren hat die Opec allerdings zunehmend an Bedeutung verloren, was zu einem großen Teil an der steigenden Förderung von Schieferöl durch die USA liegt. Um die Preise hoch zu halten, musste das Kartell zuletzt immer wieder auf Förderkürzungen zurückgreifen.

Die Studie passt auch in die ökonomische Strategie Saudi-Arabiens – Vision 2030. Der ehrgeizige Plan des saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman sieht vor, die Wirtschaft des ölreichen Landes unabhängig von dem Rohstoff zu machen. Dazu sollen Jobs in bislang verbotenen Industrien – etwa Unterhaltung – entstehen. Auch sollen bislang benachteiligte Gruppen wie Frauen und Jugendliche stärker in den Arbeitsmarkt eingebunden werden.

Nach dem Bericht zählten Energiewerte an der Wall Street zu den Verlierern. Die Ölpreise bewegten sich unterdessen nur moderat. Die Nordseesorte Brent kostete zuletzt mit 70,88 Dollar pro Barrel 0,3 Prozent mehr als am Vortag. Die Texas-Sorte WTI kostete mit 60,67 Dollar pro Brent genauso viel wie am Vortag.

„Salman hat einen großen Plan mit der Vision 2030“

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