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Ölkartell-Treffen Opec-Streit eskaliert: Verhandlungen abgebrochen – Ölpreise steigen

Abu Dhabi blockiert weiter Beschlüsse des Ölkartells, die Produktion anzuheben. Analysten befürchten, dass Rohöl am Markt knapp wird.
05.07.2021 Update: 06.07.2021 - 01:12 Uhr Kommentieren
Der Ölpreis reagierte mit Abschlägen auf die Verschiebung des Treffens. Quelle: Reuters
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Der Ölpreis reagierte mit Abschlägen auf die Verschiebung des Treffens.

(Foto: Reuters)

Zürich Im seit Tagen währenden Streit zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten über eine Ausweitung der Ölproduktion zeichnet sich weiter keine Lösung ab. Daher hat die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die Verhandlungen abgebrochen und ein für Montag angesetztes Treffen auf unbestimmte Zeit verschoben, wie mehrere Medien berichten.

Die Ölpreise stiegen daraufhin deutlich: Der Preis für die Nordseesorte Brent kletterte um ein Prozent auf knapp 77 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Die US-Ölsorte WTI legte um 1,2 Prozent auf über 76 Dollar pro Barrel zu.

Ein Deal war ursprünglich für vergangenen Donnerstag geplant. Er sah vor, die Ölproduktion der erweiterten Opec-plus-Allianz schrittweise um rund zwei Millionen Barrel pro Tag auszuweiten, schrittweise über die kommenden fünf Monate. Im August wollten die 23 Opec-plus-Mitglieder rund 0,4 Millionen Barrel pro Tag mehr auf den Markt bringen.

Doch Abu Dhabi pocht weiter auf eine Anpassung der individuellen Förderquoten. Sie werden auf der Grundlage der Ölproduktion von Oktober 2018 berechnet. Die Emirate wollen erreichen, dass die Quoten auf Basis von April 2020 kalkuliert werden. Das hätte dem Land erlaubt, deutlich mehr zu fördern, andere Länder wären jedoch benachteiligt worden.

Zudem wehrten sich die Vereinigten Arabischen Emirate dagegen, die Ölproduktion noch bis Ende 2022 künstlich zu begrenzen – eine Kernforderung des saudischen Ölminister Prinz Abdulaziz bin Salman. Die Folge des Opec-Streits: Je länger er dauert, desto wahrscheinlich wird es, dass die für Juli gültigen Förderquoten auch im August Bestand haben.

In diesem Fall befürchten viele Analysten eine Unterversorgung der Ölmärkte und einen Preisanstieg in Richtung 80 Dollar pro Barrel. Dieses Szenario hatte der japanische Vermögensverwalter MUFG im Vorfeld mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent beziffert: „Theoretisch bedeutet das weiteres Aufwärtspotenzial für den Ölpreis, was wiederum weiteren Inflationsdruck weltweit schüren dürfte.“

Mittelfristig droht eine Ölschwemme

Die US-Regierung bemüht sich darum, die festgefahrenen Verhandlungen wieder in Schwung zu bringen. "Wir sind nicht an diesen Gesprächen beteiligt, aber Regierungsbeamte haben sich mit relevanten Hauptstädten ausgetauscht, um auf eine Kompromisslösung zu dringen, die es ermöglicht, die vorgeschlagenen Produktionssteigerungen voranzubringen", teilte ein Präsidialamtssprecher in Washington am Montag mit.

"Die Vereinigten Staaten beobachten die Verhandlungen der Opec+ und ihre Auswirkungen auf die globale wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie genau." Stabile Ölmarkt-Bedingungen seien nötig, um die wirtschaftliche Erholung von der Pandemie anzuschieben, sagten Berater von US-Präsident Joe Biden, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Mittelfristig könnte eine Dauerblockade der Opec-plus-Allianz auch einen Zusammenbruch des Kartells auslösen. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios beziffert MUFG mit fünf Prozent. „In diesem unwahrscheinlichen Fall droht eine ungeordnete Abwicklung der Förderbegrenzung.“ Dem Markt stünde eine Ölschwemme bevor – und der Preis dürfte in den Keller gehen.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Opec-Gespräche platzen und ein Chaos an den Märkten auslösen. Im März 2020 scheiterten die Gespräche an einem Streit zwischen Russland und Saudi-Arabien – das löste einen historischen Preiscrash aus.

Doch der Schock aus dieser Zeit sitzt noch tief. Daher erwarten die MUFG-Analysten: „Das typische Muster aus Streit und Kompromiss hat die Opec plus über die Jahre zusammengehalten.“ Eine Lösung sei weiterhin wahrscheinlich.

Doch der Streit offenbart, dass die Opec in der Krise zusammensteht, bei hohen Ölpreisen sich die unterschiedlichen Interessen oft Bahn brechen. So sagt Eugen Weinberg, Chefanalyst für Rohstoffe bei der Commerzbank: „Kaum steigen die Preise, nehmen die Differenzen zwischen den Mitgliedern zu und die Förderdisziplin nimmt ab.“ Anleger müssen sich in jedem Fall auf volatilere Ölmärkte vorbereiten.

Mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs

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