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Ölmarkt Die Opec plant das Super-Kartell

Die Opec will ihre Allianz mit Russland und neun weiteren Staaten besiegeln. Die neue Organisation würde fast die Hälfte des globalen Ölangebots kontrollieren.
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Die Opec möchte aus einer losen Partnerschaft mit Russland eine enge Bindung eingehen. Quelle: AFP
Neuer Ölgigant

Die Opec möchte aus einer losen Partnerschaft mit Russland eine enge Bindung eingehen.

(Foto: AFP)

FrankfurtEs wäre ein Schritt mit großen Folgen für den Ölmarkt. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) könnte einem Medienbericht zufolge künftig eine formelle Allianz mit Russland und neun weiteren Staaten bilden. Die amerikanische Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ verweist dabei auf offizielle Opec-Vertreter. Mit dem Schritt würde eine seit Ende 2016 bestehende lose Partnerschaft aufgewertet.

Eine Anfrage zu den Überlegungen ließ die Opec bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Laut dem Medienbericht soll es bereits einen Entwurf geben, der die Eckpunkte des Abkommens umfasst. Demzufolge könnte die Dauer des Paktes bis zu drei Jahre betragen, in denen Russland und die neun weiteren Staaten, darunter Kasachstan, Mexiko und Oman, an den regulären Treffen der Opec teilnähmen. Rechtlich bindend sei das Abkommen aber nicht.

Das weitere Vorgehen soll bereits im Laufe des Februars besprochen werden. Ein Beschluss könnte aber frühestens im April gefasst werden, wenn die „Opec+“ in Wien zu einem außerordentlichen Treffen zusammenkommt.

Als Opec+ wird der Verbund aus den 14 Opec-Staaten und den zehn Ländern, die sich den Förderkürzungen angeschlossen haben, bezeichnet. Seit Januar 2017 regulieren sie gemeinsam ihre Ölproduktion.

Gelänge es der Opec, die Zusammenarbeit in einem Pakt zu institutionalisieren, würde das Ölkartell deutlich an Bedeutung gewinnen. Aktuell fördern die Opec-Mitglieder mit 32 Millionen Barrel (à 159 Liter) pro Tag rund ein Drittel des weltweiten Angebots.

Die Opec möchte aus einer losen Partnerschaft eine enge Bindung eingehen. Quelle: dpa
Fass auf Fass

Die Opec möchte aus einer losen Partnerschaft eine enge Bindung eingehen.

(Foto: dpa)

Allein Russland könnte das Volumen um mehr als elf Millionen Barrel erhöhen. Das Kartell könnte mit dem Abkommen fast die Hälfte des weltweiten Angebots kontrollieren.

Eugen Weinberg zufolge, Chefrohstoffstratege der Commerzbank, könnte eine derartige Konstellation den Ölpreis tatsächlich kurz- bis mittelfristig stützen. Am Mittwoch reagierte der Ölpreis aber noch nicht auf die Marktgerüchte. Ein Fass der Nordseesorte Brent verlor sogar leicht im Wert und kostet knapp 62 Dollar.

Ein Problem: Absprachentreue

Die Marktteilnehmer müssen noch überzeugt werden, dass den Gerüchten auch Taten folgen werden, heißt es aus Branchenkreisen. Weinberg zum Beispiel schätzt die Chancen für ein formelles Abkommen gering ein. „Im Vergleich zu den heutigen informellen Absprachen stellt ein formeller Pakt eine ziemlich große Hürde dar“, so der Stratege.

Die Probleme ließen sich heute schon an der mangelnden Absprachentreue erkennen. Nachdem sich die Opec mit Russland und neun weiteren Staaten Ende 2016 auf eine gemeinsame Förderkürzung einigte, scherten immer wieder Staaten aus. Der Großteil der Kürzungen wurde von Saudi-Arabien und Russland getragen.

Kasachstan, einer der Nicht-Opec-Staaten, hat sich zum Beispiel nur zweimal in 25 Monaten an die Absprachen gehalten. Unter der neuen, im Dezember beschlossenen Förderkürzung soll Kasachstan 40.000 Barrel Öl pro Tag weniger fördern.

Laut Angaben der Internationalen Energieagentur hat das Land seine Produktion zuvor aber um mehr als 200.000 Barrel erhöht. Eine Annäherung über die informellen Absprachen hinaus könnte für die Länder zur Folge haben, dass sie sich möglicherweise bei ihren Abnehmern enger mit der Opec abstimmen müssten, erklärt Weinberg. „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass sich die Staaten freiwillig so einschränken“.

Der Opec käme ein derartiges Zeichen der Stärke hingegen gerade recht. Erst im Dezember hat das Emirat Katar nach knapp sechs Jahrzehnten Mitgliedschaft seinen Austritt aus dem Kartell verkündet. Zwar gehörte das Land mit einer Förderung von 600.000 Barrel zu den kleineren Opec-Staaten. Dem Austritt wird jedoch eine große symbolische Bedeutung beigemessen: Katar war eines der ältesten Mitglieder und das erste Land, das dem Kartell nach seiner Gründung beigetreten ist.

Zudem hat es seit Jahren keine nennenswerten Neumitglieder mehr gegeben. Mit Äquatorialguinea und Gabun schlossen sich der Opec in den vergangenen Jahren nur kleine Länder an, die zusammen nicht einmal eine halbe Million Barrel fördern.

Es geht um Machterhalt

Für die Opec geht es um die Macht im Ölmarkt. Konnte das Kartell in den 1970er-Jahren die Preise noch nahezu im Alleingang bestimmen, ist es heute einer Vielzahl von Konkurrenten ausgesetzt. Allen voran die flexiblen Schieferölproduzenten in den USA haben mit ihrem Produktionsboom den Preis in den vergangenen Jahren mehrfach einbrechen lassen.

Wenn die Opec heute Förderkürzungen vereinbart und nach strategischen Partnern sucht, dann geht es ihr in erster Linie darum, den Preis vor neuen Einbrüchen zu bewahren. Im vergangenen Jahr kletterte die Ölproduktion in den USA erstmals über zwölf Millionen Barrel pro Tag. Das Land stieg damit zum größten Ölproduzenten der Welt auf.

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Bereits im vergangenen Jahr wurde über eine Art Superkartell diskutiert. Damals sorgte der russische Energieminister Alexander Nowak für Aufsehen, als er laut darüber nachdachte, die Zusammenarbeit mit der Opec in einer neuen Art Institution zu bündeln. Opec-Mitglieder hegten Bedenken, dass eine saudisch-russische Übermacht entstünde. Gemeinsam fördern Saudi-Arabien und Russland rund ein Fünftel des weltweiten Öls.

Die Gedankenspiele scheinen jedoch verworfen. Ende Dezember hatte Nowak einer institutionalisierten Partnerschaft mit der Opec eine Absage erteilt. Auf die jüngsten Gerüchte gibt es in Russland bislang keine Reaktion.

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