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Ölmarkt USA sind Öl-Exporteur – zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren

Die USA galten lange Zeit als Ölimporteur. Das hat sich nun geändert, zeigen Daten der US-Energieagentur. Für die Opec bedeutet das mehr Konkurrenz.
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Der Schieferöl-Boom verhilft den USA zu mehr Macht am Ölmarkt. Quelle: Reuters
Eine Bohranlage für Schieferöl in Kalifornien

Der Schieferöl-Boom verhilft den USA zu mehr Macht am Ölmarkt.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Die Erdölindustrie in den USA erlebt gerade einen historischen Moment: Erstmals seit den 1940er-Jahren exportiert das Land mehr Öl- und Ölerzeugnisse in andere Länder, als es einführt.

Daten der US-Energieministeriums (EIA) zeigen, dass in der Woche zum 30. November die US-Nettoimporte für Rohöl auf durchschnittlich minus 211 Barrel an Rohöl- und Mineralölerzeugnissen am Tag fielen – die Ausfuhren waren also größer als die Einfuhren

Eine Auswertung der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigt unter Hinzunahme von Daten des US-Öl-Interessensverband American Petroleum Institute, dass die USA zuletzt im Jahr 1948 ein positives Öl-Handelssaldo verzeichneten. Offiziellen Daten der US-Energieagentur EIA zufolge waren die USA seit dem Start der monatlichen Datenerhebung im Jahr 1973 ein Erdölimporteur.

Für die USA bedeutet diese Situation, dass sie unabhängiger von Rohölimporten werden und mehr Energiesicherheit gewinnen. Damit wäre das politische Ziel der energiewirtschaftliche Unabhängigkeit erreicht, die schon von Präsidenten wie Jimmy Carter und George W. Bush postuliert wurde – und unter Donald Trump ist es eingetreten.

Produktion von Schieferöl zieht weiter an

Dass es dazu gekommen ist, liegt vor allem am Schieferöl-Boom des vergangenen Jahrzehnts. Das Öl, welches mittels Bohrungen aus Schiefergestein gewonnen wird („Fracking“), macht inzwischen deutlich mehr als die Hälfte der Ölproduktion der USA aus. So erwartet die US-Regierung, dass die tägliche Produktion von Schieferöl auf 7,94 Millionen Barrel im Dezember – und damit auf ein Rekordhoch – steigen dürfte. Derzeit beträgt die gesamte Ölproduktion der USA 11,7 Millionen Barrel am Tag.

Dass die USA nun in der Lage sind, insgesamt mehr Öl zu exportieren als zu importieren, ist für die traditionellen Erdölexporteure ein bedrohliches Szenario. So beraten die Mitgliedsstaaten des Ölkartells Opec am Freitag zusammen mit anderen Förderländern wie etwa Russland über Produktionskürzungen. Sie wollen so den zuletzt stark unter Druck geratenen Ölpreis stabilisieren.

Öl ist in den vergangenen drei Monaten fast ein Viertel billiger geworden, nachdem er ein Zwischenhoch von mehr als 80 Dollar erreicht hatte. Am Freitag kostet ein Barrel (159 Liter) der Marke WTI 51,01 Dollar und damit rund 25 Prozent weniger als im September; die Nordseesorte Brent kostete 59,91 Dollar je Barrel und verlor im gleichen Zeitraum damit gut ein Fünftel.

Opec-Problem: Das Kartell kann sich nicht einigen

Das Problem der Erdölexporteure wie so häufig: Sie tun sich mit einer Einigung schwer. So haben sich die Opec-Staaten zwar am Donnerstag grundsätzlich auf Förderkürzungen verständigt. Doch das Vorhaben steht und fällt mit der Beteiligung Russlands. Am Freitag sind die Beratungen in eine neue Runde gegangen.

Russland ist selbst nicht Opec-Mitglied, gehört aber dem Verbund „Opec+“ an, der die Opec-Länder und mit ihm verbündete Staaten umfasst. Das Land scheint grundsätzlich nichts gegen eine geringere Rohölförderung zu haben. Allerdings ist es offenbar nicht bereit, seine Produktion in dem von der Opec gewünschten Ausmaß herunterzufahren.

Die Uneinigkeit demonstriert, dass sich die Machtverhältnisse am Ölmarkt zu Ungunsten der Opec verändern: So befindet sich Russland in einer stärkeren Position als die Opec. Denn Moskau kann auch mit niedrigen Ölpreisen leben – so sagte Präsident Wladimir Putin in der vergangenen Woche, dass ein Ölpreis von 60 Dollar je Barrel für Russland in Ordnung sei.

Die neue Ölexporteur-Rolle der USA passt ebenfalls gut in das Szenario des Opec-Machtverlusts – wenn auch mit Einschränkungen. Denn obwohl die USA nun insgesamt netto mehr ausführen, spielen Rohöl-Importe weiterhin eine große Rolle. So importiert das Land weiterhin mehr als sieben Millionen Barrel an Rohöl täglich, das in US-Raffinerien weiterverarbeitet wird.

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