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Ölpreis Die Nervosität vor dem Opec-Treffen steigt

Experten erwarten eine Verlängerung der Produktionskürzungen durch das Ölkartell und Russland. Die heikle Lage am Golf bringt große Verunsicherung.
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Investoren schauen derzeit beunruhigt auf die politische Lage am Golf. Quelle: Bloomberg
Ölplattform im Iran

Investoren schauen derzeit beunruhigt auf die politische Lage am Golf.

(Foto: Bloomberg)

Wien, Frankfurt Sicher ist in diesen Tagen nichts – nicht einmal der Termin für das wichtigste Gipfeltreffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Die Konferenz des Ölkartells und einiger verbündeter Staaten wie Russland ist zwar seit Langem für den 25. Juni in Wien geplant. Einen Tag später will das Kartell mit Nicht-Opec-Staaten unter der Führung Russlands über eine Verlängerung des im Dezember 2018 beschlossenen Kürzungsabkommens beraten.

Doch das Timing ist mehr als ungünstig: Denn nur zwei Tage später will sich US-Präsident Donald Trump mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping treffen, um eine Lösung im Handelsstreit zu suchen. Von den Gesprächen hängt wiederum ab, ob sich der Konjunkturausblick für die Weltwirtschaft und damit auch für die globale Ölnachfrage weiter eintrübt.

Ohnehin droht dem Kartell nach den Angriffen auf zwei Tanker in der Straße von Hormus eine Zerreißprobe. Die USA und das Opec-Mitglied Iran machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.  Saudi-Arabiens Ölminister Khalid al-Falih hat bereits eine Verschiebung des Opec-Treffens auf die erste Juliwoche vorgeschlagen. Eine Bestätigung für die Terminverschiebung gibt es noch nicht.

Die Konferenz der Opec-Länder mit Russland und seinen Partnern – in der Branche als Opec+ bekannt – ist von großer Bedeutung für den Ölmarkt. Bei seinem vergangenen Treffen im Dezember hatte das mächtige Bündnis beschlossen, die Ölproduktion ab Jahresbeginn 2019 um 1,2 Millionen Barrel zu drosseln. Diese Vereinbarung läuft Ende Juni aus.

Damals hatte der Deal einen drastischen Verfall der Ölpreise vorerst gestoppt. Doch mittlerweile überwiegen am Markt erneut die Konjunktursorgen. Am Montag verbilligte sich der Ölpreis um rund ein Prozent auf rund 61 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) – und das, obwohl der Iran ankündigte, sich weiter aus dem Atomabkommen mit dem Westen zurückziehen und Uran höher anzureichern als vereinbart.

Die begrenzte Urananreicherung war der Kern des Deals, um ein iranisches Atomwaffenprogramm zu verhindern. Der Schritt könnte die Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiter verschärfen.

Kampf um Vorherrschaft

Die Investoren preisen am Ölmarkt bislang noch keinen Konflikt am Golf ein. Doch wie groß die Unsicherheit ist, zeigte sich vergangene Woche: Nach der Tanker-Attacke kletterte der Ölpreis innerhalb weniger Stunden um mehr als vier Prozent. Aus Sicht von Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank, zeigt die Reaktion, wie spannungsgeladen die geopolitische Situation im Nahen Osten ist: „Im Zentrum der Auseinandersetzungen liegt letztlich der Kampf um die Hegemonialstellung in der Region zwischen Saudi-Arabien und dem Iran.“

Gehen die Attacken auf Tanker in der Straße von Hormus weiter, könnten die Ölpreise sprunghaft steigen. Durch die Meerenge wird rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs verschifft. Sie war bereits Schauplatz des iranisch-irakischen Krieges von 1980 bis 1988. Damals wurden rund 450 Schiffe angegriffen.

In dieser Zeit notierte der Ölpreis auf dem Niveau von 35 bis 50 US-Dollar pro Barrel. Vor Beginn des Krieges hatte er bei etwa 15 Dollar gelegen. Daher sagt de la Rubia: „Es ist denkbar, dass bei anhaltenden Angriffen auf Tanker der Ölpreis signifikant steigen würde. In einem solchen Szenario sind 100 Dollar pro Barrel gut vorstellbar.“

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Trotz der Gefahr eines plötzlichen Preissprungs gehen die meisten Beobachter davon aus, dass sich die Opec+-Allianz zu einem Abkommen durchringt. So sagt etwa Hannes Loacker, Energieanalyst der österreichischen Raiffeisen Centro Bank: „Wir gehen davon aus, dass sich die Opec+-Staaten auf eine Verlängerung der Förderkürzung einigen.“

Die jüngsten Kommentare der jeweiligen Energieminister Saudi-Arabiens, des Iraks und der Vereinigten Arabischen Emirate, aber auch von russischer oder kasachischer Seite würden darauf hindeuten, dass auch die bereits beteiligten Nicht-Opec-Staaten im Boot bleiben. „Am einfachsten ist es, das bestehende Abkommen einfach zu verlängern, aber es kann auch zu Variationen kommen“, prognostiziert David Wech, Chef der Energiemarktfirma JBC Energy. So könnten die Kürzungen beispielsweise geringer ausfallen.

Hält die jüngste Ölpreisschwäche an, dürften einige Länder zudem darauf drängen, die preisbedingten Einnahmenverluste durch eine höhere Produktion zu kompensieren, glaubt Ölexperte de la Rubia. Als Wackelkandidaten gelten etwa der Irak oder einige afrikanische Länder. Saudi-Arabien wiederum fürchtet angesichts der Schwäche der globalen Wirtschaft, dass der Ölpreis bei einem Überangebot abstürzen würde. 

Konkurrenz droht zudem aus den Vereinigten Staaten. Die USA sind innerhalb weniger Jahre vom weltgrößten Ölimporteur zu einem der größten Exportländer aufgestiegen. Bjørnar Tonhaugen, Chefanalyst der unabhängigen Energiemarktforschungsfirma Rystad Energy, geht davon aus, dass die Opec-Produktion im zweiten Halbjahr um 1,5 Millionen Barrel auf nur noch 29 Millionen Barrel pro Tag fallen wird.

Niedriger Ölpreis erwartet

Dagegen erwartet er eine weitere Zunahme des US-Schieferöls: „Wir prognostizieren, dass die amerikanische Ölproduktion um 1,6 Millionen Barrel auf 13,4 Millionen Barrel pro Tag im Dezember 2019 wachsen wird.“ Die meisten Experten rechnen vor diesem Hintergrund mit einem weiter niedrigen Ölpreis.

„Wir erwarten für Brent eine Preisspanne zwischen 50 und 70 Dollar pro Barrel über die meiste Zeit des Jahres“, sagte Agnes Horvath, Chefökonomin des Ölkonzerns Mol, dem Handelsblatt. „55 Dollar pro Barrel Brent dürften ein Niveau sein, das mit der Aussicht auf eine milde Rezession in den USA und einer etwas weniger disziplinierten Opec+ kompatibel ist“, sagt de la Rubia. Wech von JBC Energy gibt 60 Dollar für die Nordseeölsorte Brent als Preisziel aus. „Fundamental spricht einiges für niedrigere Preise, geopolitisch aber auch einiges für höhere Preise.“

Zumindest die Hedgefonds-Manager haben sich entschieden. Aktuelle Daten der US-Rohstoffbörse CFTC zeigen, dass spekulative Anleger mit Finanzinstrumenten wie Terminkontrakten und Optionsscheinen derzeit verstärkt auf weiter fallende Preise wetten. Die Zahl solcher sogenannter Short-Wetten, mit denen Anleger von sinkenden Preisen profitieren, sind zuletzt auf den höchsten Stand seit Anfang Januar gestiegen.

Die Strategie ist riskant, denn auch die seit Monaten schwelenden politischen Risiken sind keineswegs ausgeräumt. So warnt Rohstoffanalyst Loacker: „Angesichts der konsequenten Umsetzung der Förderkürzung durch die Opec+-Staaten könnten unerwartete Förderausfälle zum Beispiel in Libyen, Venezuela, Nigeria und anderen Ländern den Ölpreis wieder in Richtung 70 Dollar pro Fass steigen lassen.“

Die Spekulanten, die derzeit auf fallende Preise wetten, wären dann gezwungen, ihre Positionen aufzulösen und sich mit Öl einzudecken, um ihre Verluste zu begrenzen. Solche, im Finanzjargon als „Short Squeeze“ bezeichnete Notkäufe könnten den Ölpreis im Krisenfall noch weiter in die Höhe treiben.

Mehr: Seit Anfang des Jahres hat sich der Ölpreis um 40 Prozent verteuert. Damit legt sich die Opec auch mit den USA an.

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