Ölpreis fällt wieder Saudi-Arabien bleibt optimistisch

In dieser Woche sind die Ölpreise erneut deutlich gefallen. Aus Saudi-Arabien kommen jedoch optimistische Stimmen, dass sich die Preise bald wieder stabilisieren könnten. Auch Produktionskürzungen sind im Gespräch.
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Wegen des Überangebots ist der Ölpreis stark gefallen. Quelle: dpa

Wegen des Überangebots ist der Ölpreis stark gefallen.

(Foto: dpa)

DohaSaudi-Arabien rechnet mit einer weiteren Stabilisierung des Ölpreises. Nachdem sich der Preis in den letzten Wochen bei rund 60 Dollar eingependelt habe, sei er optimistisch, sagte ein Berater von Saudi-Arabiens Ölminister am Sonntag auf einer Energiekonferenz in Doha.

„Ich bin zuversichtlich, dass die Nachfrage anzieht, das Angebot in einem gesunden Verhältnis steht und die Preise sich festigen“, sagte Ibrahim al-Muhanna. Seine Äußerungen deuten darauf hin, dass das ölreiche Land an seiner Politik festhält, nach der der Markt sich auch ohne Produktionskürzung korrigiert.

Ob die Opec bei ihrem nächsten Treffen im Juni an der Fördermenge festhalte, könne er noch nicht sagen, erläuterte Al-Muhanna. Dazu sei es zu früh. Saudi-Arabien war bei der letzten Sitzung die treibende Kraft hinter der Entscheidung, die Produktion nicht zu kürzen.

Der Ölpreis hatte von Juni 2014 bis Januar 2015 eine rasante Talfahrt hingelegt, als er von rund 115 Dollar pro Fass (159 Liter) auf unter 50 Dollar eingebrochen war. Grund war ein Überangebot des Rohstoffs durch die zögerliche Erholung der Weltwirtschaft, die Beibehaltung der Fördermenge der Opec-Mitglieder sowie der US-Schiefergas-Boom.

Die Gewinner und Verlierer des billigen Öls
An employee stands in front of lines of oil barrels at Royal Dutch Shell Plc's lubricants blending plant in the town of Torzhok
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Das weltweite Überangebot und die schwächelnde Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. In den vergangenen sechs Monaten verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um fast die Hälfte. Mit 49,95 Dollar fiel der Preis für ein Barrel (Fass zu 159 Liter) das erste Mal seit Mai 2009 unter die wichtige psychologische Marke von 50 Dollar. Die US-Sorte WTI ist sogar bereits auf circa 47 Dollar pro Barrel gefallen. Ein Ende dieser Talfahrt ist der Internationalen Energieagentur zufolge nicht in Sicht. Sie geht davon aus, dass sich das Überangebot in der ersten Jahreshälfte 2015 auf zwei Millionen Barrel täglich vergrößern wird. Gleichzeitig senkten die Experten ihre Prognose für das Nachfragewachstum um 230.000 auf 900.000 Barrel pro Tag. Wegen des Ölpreis-Verfalls schraubten die Förderfirmen zwar ihre Investitionen bereits zurück, fügt die IEA hinzu. Eine baldige deutliche Kürzung der Fördermengen sei dennoch nicht zu erwarten. Nachfolgend finden Sie die Gewinner und Verlierer des niedrigen Ölpreises.

File photo of an employee walking up the stairs at the Gazprom Neft oil refinery in Moscow
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Zu den Leidtragenden des fallenden Ölpreises zählen die Förderländer, deren Haupteinnahme-Quelle der Export des Rohstoffs ist. Besonders hart trifft es Russland, dessen Wirtschaft zusätzlich unter den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise leidet. Der Moskauer Aktienindex RTS brach aus diesem Grund binnen weniger Monate um rund ein Drittel ein. Gleichzeitig taumelt der Rubel zum Dollar und Euro von Rekordtief zu Rekordtief.

NIGERIA-OIL-FEATURE
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Das Gleiche wie für Russland und den Rubel gilt für die Währung Nigerias. Obwohl die Notenbank des Landes binnen Jahresfrist etwa 20 Prozent ihrer Devisenreserven für Stützungskäufe aufgewendet hat, fallen die Naira-Kurse. Öl und Erdgas machen nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) fast die kompletten Exporte des Landes aus und 80 Prozent der Staatseinnahmen. Sogar eine Staatspleite ist nicht mehr auszuschließen.

To match Special Report VENEZUELA/PDVSA
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Finanzielle Schlagseite hat auch Venezuela, dessen Deviseneinnahmen zu 96 Prozent aus dem Ölexport stammen. Daher werfen Anleger die Staatsanleihen des südamerikanischen Landes in hohem Bogen aus ihren Depots. Dies treibt die Rendite der Papiere mit einer Laufzeit bis 2027 auf 23,4 Prozent - im Sommer lag sie nur halb so hoch. Gleichzeitig stürzt die venezolanische Währung ab. Auf dem Schwarzmarkt müssen für einen Dollar 175 Bolivar gezahlt werden. Der offizielle Kurs liegt dagegen bei 6,30 Bolivar.

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Die Aktienbörsen der Opec-Staaten Saudi-Arabien und Kuwait stehen zwar ebenfalls unter Druck. Da diese beiden Staaten Rohöl aber relativ günstig fördern und immer noch Gewinn machen, halten sich die Kursverluste hier in Grenzen. Außerdem können die Regierungen in Riad und Kuwait City Einnahme-Ausfälle mit ihren dicken Finanzpolstern abfedern, betonen die Experten der DekaBank. Die Studie von Oxford Economics sieht Saudi-Arabien als größten Verlierer sollte der Preis 40 Dollar pro Barrel erreichen. Das BIP des Landes würde 3.5 Prozentpunkte einbüßen.

Exxon gas station is pictured in Arlington in this file photo
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Auf Unternehmensseite macht die Talfahrt des Ölpreises vor allem Förderfirmen wie Exxon, BP & Co. zu schaffen. Die im europäischen Branchenindex gelisteten Firmen haben seit Jahresmitte zusammengerechnet etwa 300 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Das entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung Dänemarks.

The logo of Russia's top crude producer Rosneft is seen on a gasoline station near a church in Stavropol
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Bei den russischen Konzernen Gazprom und Rosneft seien sogar die Dividenden für das laufende Jahr in Gefahr, warnt Analyst Pawel Sorokin vom Bankhaus Morgan Stanley. Außerdem müsse für 2015 mit deutlichen Gewinneinbußen gerechnet werden.

In dieser Woche hatte der Ölpreis wieder nachgegeben. Aktuell kostet ein Barrel der Sorte Brent etwa 53,80 Dollar, auf Wochensicht steht damit ein Minus von acht Prozent. Die Rohölvorräte in den USA könnten beginnen an die Grenze der Lagerkapazitäten zu kommen, erklärte die Internationale Energieagentur am Freitag in einem Bericht. Die Lager in Cushing, dem Lieferpunkt für WTI-Futures, könnte nächsten Monat an die Kapazität stoßen, sagte der frühere US-Notenbankchef Alan Greenspan.

„Die Leute sind nervös angesichts der riesigen US- Ölvorräte”, sagt Michael Lynch, Präsident von Strategic Energy & Economic Research in Winchester, Massachusetts.

  • rtr
  • Bloomberg
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