Ölpreis Russland schockt den Öl-Markt

Während Analysten schon von einer Trendwende beim Ölpreis reden, flutet Russland den Markt. Seit 25 Jahren hat das Land nicht mehr so viel Öl gefördert – und zieht die Preise damit in die Tiefe.
Über die russische Erdölproduktion herrscht die Regierung. Der größte Ölkonzern des Landes, Rosneft, wird zu 69,5 Prozent von der OJSC Rosneftegaz gehalten, einem hundertprozentigem Staatskonzern. Quelle: dpa
Russland dreht den Hahn auf

Über die russische Erdölproduktion herrscht die Regierung. Der größte Ölkonzern des Landes, Rosneft, wird zu 69,5 Prozent von der OJSC Rosneftegaz gehalten, einem hundertprozentigem Staatskonzern.

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DüsseldorfRussland grotesk: Am vergangenen Donnerstag verkündete der russische Energieminister Alexander Nowak noch, dass das Land mit Saudi-Arabien über eine Drosselung der Ölförderung verhandele. Um zwei bis fünf Prozent solle es runtergehen. Am Montag folgte das Dementi Saudi-Arabiens. Nun folgt die – für den Ölpreis harte – russische Realität: Die Ölförderung des Landes steigt auf ein Rekordniveau. Nach vorläufigen Zahlen pumpte das Land im Januar täglich 10,88 Millionen Barrel (159 Liter) aus dem Boden, so viel wie seit dem Ende der Sowjetunion nicht mehr. Im November 2015 waren es im Schnitt noch 10,79 Millionen Barrel. Weltweit summierte sich die Förderung im vierten Quartal 2015 auf 96,88 Millionen Barrel pro Tag.

Noch in der vergangenen Woche beflügelten Nowaks Äußerungen über eine mögliche Reduktion de Ölpreis. Um acht Prozent ging er auf knapp 36 Dollar je Barrel Brent nach oben. An diesem Dienstag jedoch ließ die Rekordmeldung den Ölpreis abstürzen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet am Dienstag 33,62 Dollar, 1,8 Prozent weniger als am Vortag. Abwärts ging es auch beim Leichtöl WTI, das um 2,1 Prozent auf 31,00 Dollar fiel.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

Im Trend der Vorwoche erkannte mancher Analyst schon eine Bodenbildung, träumte gar von einer Trendwende. Dabei scheint vorerst nur eines sicher: Die Volatilität bleibt. Für Schwellenländer sind das miserable Nachrichten, denn sie stehen gehörig unter Druck. Der MSCI Emerging Markets Index fiel erneut stark, auf jede steigende Aktie kamen nahezu zwei fallende.

Nigeria scheint zum Beispiel der Verzweiflung nahe. Die Staatseinnahmen hängen zu 70 Prozent vom Öl ab. Am Montag bat das Land die Weltbank sowie die Afrikanische Entwicklungsbank um einen 3,5 Milliarden Dollar Notkredit, um seine schwächelnde Wirtschaft stützen zu können. Hilfe sucht auch Aserbaidschan, dessen Wirtschaft ebenso stark vom Öl abhängt. Mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank verhandelt das Land über einen vier Milliarden Dollar Kredit.

Am Montag traf sich der russische Energieminister Alexander Nowak mit seinem venezolanischen Amtskollegen Eulogio Del Pino. Es sei vor allem über mögliche Gespräche zwischen Opec-Mitgliedern und Ölförderern außerhalb der Organisation gegangen, erklärte das Ministerium. Venezuela steckt derzeit ebenfalls in massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten, ein Staatsbankrott droht. Das Land kämpft mit einer immer weiter steigenden Inflation. Der Internationale Währungsfond fürchtet, dass sie in diesem Jahr auf 720 Prozent steigen könnte. Das Opec-Mitglied befindet sich daher auf Werbetour für gemeinsame Förderkürzungen, um den Ölpreis wieder in die Höhe zu treiben.

Den Ölpreis belastete zuletzt auch Irans Rückkehr an den Ölmarkt. Bis zu 500.000 Barrel will das Land innerhalb der nächsten Monate wieder auf den Weltmarkt bringen. Dabei sei ein Preisverfall durch diesen Schritt kaum nachvollziehbar, erklärt Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das Ende der Sanktionen habe sich schon lang abgezeichnet. Das zusätzliche Öl sei längst eingepreist.

Mehreinnahmen dank Rubelschwäche
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