Ölpreise Opec beschließt erste Förderkürzung seit 2008

Das Öl-Kartell Opec hat sich bei seinem Treffen in Wien überraschend auf eine Förderkürzung geeinigt. Entscheidend dafür war vor allem, dass Indonesien seine Mitgliedschaft aussetzt. Der Ölpreis steigt über 50 Dollar.
Update: 30.11.2016 - 17:36 Uhr 5 Kommentare

Opec beschließt historische Öl-Förderkürzung

Opec beschließt historische Öl-Förderkürzung

WienDie Opec kürzt erstmals seit dem Jahr 2008 wieder ihre Ölproduktion. Die Organisation beschloss am Mittwoch in Wien, eine im Grundsatz bereits getroffene Einigung über geringere Fördermengen nun konkret umzusetzen. Damit könnten auch höhere Preise für Benzin und Heizöl kommen – das Ausmaß ist aber noch nicht klar.

Das Ölkartell will in den kommenden sechs Monaten 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren. Das neue Limit soll bei 32,5 Millionen Barrel täglich liegen. „Wir haben heute einen großen Erfolg beschlossen“, sagte der Ölminister aus Katar, Mohammed Bin Saleh Al-Sada.

Wenn der Ölpreis explodiert
1973
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Weil Israel im Jom-Kippur-Krieg arabische Gebiete besetzt, dreht die Opec den Ölhahn zu – der Ölpreis zieht an und stürzt die Welt in eine Energiekrise und in die Rezession. In Deutschland ist Autofahren sonntags zeitweise verboten. Der bis dahin jahrelang konstant gehaltene Ölpreis klettert in wenigen Jahren und in großen Sprüngen von etwa 3 auf mehr als 10 Dollar pro Barrel.

1979/80
2 von 10

Im Iran ergreifen die Mullahs um Revolutionsführer Khomeini die Macht; die Ölproduktion des Landes bricht ein. Der Ölpreis marschiert in Richtung 20 Dollar.

1990/91
3 von 10

Der Irak überfällt Kuwait, kurz darauf marschieren die USA im Irak ein. Kuwait besitzt nach Saudi-Arabien, Irak und Iran die größten Reserven. Der Ölpreis überspringt die Marke von 40 Dollar.

2003
4 von 10

Diktator Saddam Hussein wird gestürzt. Die irakische Ölindustrie ist weitgehend zerstört. Der Ölpreis liegt im Bereich von 35 Dollar.

2008
5 von 10

Gute Weltkonjunktur und Spekulation treiben den Ölpreis vor dem Lehman-Crash auf ein Hoch bis in den Bereich von 150 Dollar.

2011
6 von 10

Fast in der gesamten arabischen Welt brechen Unruhen aus. In den Industrieländern wächst die Angst vor einem Versorgungsengpass. Von Januar 2011 bis zum 11. März 2011 steigt der Ölpreis von 92 auf zeitweise 116 Dollar.

2012
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Ende Juni 2012 sinkt der Brent Rohölpreis unter 90 Dollar pro Barrel und der WTI Ölpreis unter 80 Dollar. Im Juli erholen sich die Preise schließlich wieder, angesichts der Erwartung, dass die politischen Entscheidungsträger in den USA, Europa und China, Maßnahmen ergreifen, um das Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

Die Umsetzung des Deals soll am 1. Januar 2017 beginnen. Als wesentliche Maßnahme zur Erreichung des Ziels setzte Indonesien, das rund 700.000 Barrel Öl am Tag fördert, seine Mitgliedschaft aus. Das Land war nach einer sieben Jahre langen Pause erst Anfang 2016 wieder zu dem Kartell gestoßen.

Noch vor der offiziellen Verkündung waren die Ölpreise stark angestiegen. Ob der Effekt der Maßnahme mittelfristig anhält, ist jedoch noch nicht entschieden. Ein positives Signal sei, dass auch andere wichtige Förderländer unter den Nicht-Opec-Staaten mitziehen werden. Russland habe bereits zugesichert, 300.000 Barrel am Tag weniger zu fördern.

Im September hatte die Opec in Algerien schon eine prinzipielle Förderkürzung beschlossen. Das tägliche Produktionsvolumen sollte auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel nach zuletzt geschätzten 33,6 Millionen Barrel gesenkt werden. Doch besonders der Iran hatte sich gegen eine Drosselung gestellt. Das Land wollte nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen sogar mehr Öl fördern.

Diese Männer wollen den Ölpreis bestimmen
Treffen der Opec
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Treffen der Opec in Istanbul. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) würden die Fördermenge gerne begrenzen. Im September 2016 hatte das Ölkartell auch einen entsprechenden Plan verkündet. Passiert ist seitdem aber wenig. Die Skepsis wächst, dass es überhaupt zu einem Abkommen kommt. Diese Männer ringen um eine Einigung.

Saudi-Arabien
2 von 14

Khalid al-Falih ist seit Mai 2016 Ölminister von Saudi-Arabien – und damit ein mächtiger Mann. Sein Land ist der wichtigste Akteur im Ölgeschäft. Doch auch den Scheichs macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 158 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 266 Milliarden Barrel

Venezuela
3 von 14

Der venezolanische Öl- und Bergbauminiser Eulogio del Pino. Vor einigen Jahren überholte Venezuela Saudi-Arabien, was die größten Öl-Reserven der Welt angeht.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 36 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 301 Milliarden Barrel

Die folgenden Teilnehmer des OPEC-Treffens sind nach den Öl-Reserven ihrer Heimatländer sortiert. Quelle: OPEC

Iran
4 von 14

Der iranische Öl-Minister Bijan Namdar Zanganeh. Im Handelsblatt-Interview hatte er schon früh die Position seines Landes deutlich gemacht, sobald die Sanktionen gegen das Land aufgehoben sind: „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 27 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 158 Milliarden Barrel

Irak
5 von 14

Adil Abd Al-Mahdi war bis 2016 irakische Ölminister. Auf ihn folgte Jabbar Ali Hussein Al-Luiebi.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 54 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 143 Milliarden Barrel

Kuwait
6 von 14

Der Finanz- und Ölminister Kuwaits: Anas Khaled Al-Saleh.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 49 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 101 Milliarden Barrel

Vereinige Arabische Emirate
7 von 14

Der Energie- und Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed Al-Mazrouei.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 52 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 98 Milliarden Barrel

Durch ein Überangebot am Markt haben sich die Preise seit 2014 fast halbiert. Vor der Einigung war ein Fass um rund 47 US-Dollar zu haben. Der Anstieg betrug am Mittwoch bereits zeitweise fast neun Prozent.

Bis kurz vor der Sitzung schien eine Einigung auf wackligen Füßen zu stehen. Mehrere vorbereitende Treffen waren ohne Durchbruch verlaufen. Dennoch stand die Opec unter hohem Erwartungsdruck.

Das Kartell, das als zerstritten gilt, hatte den Verfall der Ölpreise bisher ohne Gegenmaßnahmen hingenommen. Im Hintergrund spielten auch geostrategische Überlegungen der verfeindeten Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien eine Rolle. Beide Staaten sind auf unterschiedlichen Seiten im Syrien-Krieg engagiert.

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5 Kommentare zu "Ölpreise: Opec beschließt erste Förderkürzung seit 2008"

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  • Kommentieren, bis der Irrenarzt kommt. Der Irrsinn in diesem Lande hat ganz eindeutig jetzt auch die Kommentatoren hier erreicht. Ich schaue hier immer mal wieder nach ca. 1 Woche MSM-Abstinez vorbei, um nachzuschauen, ob immer noch mit mindestens einem dieser drei Themen täglich versucht wird, die Leser zu verscheißern:
    - Trump-Bashing
    - Russland-Bashing
    - "gute" syrische Rebellen
    Jetzt finde ich dieselben zwei durchgeknallten Kommentare hier wie vor einigen Tagen. Psychiatrisch sind die Typen hier ja hochinteressant, aber was soll das hier im HB??
    Jetzt zum Thema: ökonomisches Neuland wird offenbar nicht nur von den Geisterbahnfahrern und Makroklempnern bei den ZB´s betreten, sondern auch von den Ölförderstaaten: anstatt weiterem deflationärem Preiskampf aufgrund des weltweiten Nachfrageeinbruchs nun Förderkürzung. Na, wenn das mal gut geht...

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