Ölpreisverfall drückt auf die Währung Tief, tiefer, Rubel

Der Ölpreis rutscht unter die 30-Dollar-Marke und reißt damit auch die Währungen der Ölexporteure nach unten. Besonders den Rubel hat es erwischt. Die russische Währung verzeichnet ein Rekordtief gegenüber dem Dollar.
Die russische Währung verzeichnete heute ein Rekordtief. Quelle: IMAGO
Rubel rutscht
(Foto: IMAGO)

DüsseldorfFür Ölexporteure ist der Jahresbeginn ein Albtraum, so auch für Russland. Am Freitag ist der Preis für den – eigentlich wertvollen – Energieträger Öl erneut unter die 30-Dollar-Marke gerutscht. Sowohl die texanische Sorte WTI als auch die Nordseesorte Brent kosteten weniger. Und im Sog ging es auch für die russische Währung, den Rubel, kräftig nach unten.

Gegen Mittag war ein Dollar 77,6 Rubel wert und damit so viel wie noch nie. Weder die Finanzkrise 2009 noch nach der die Annexion der Krim 2014 durch Russland und die anschließenden Sanktionen seitens Europa und der USA hatten dermaßen verheerende Auswirkungen auf die russische Währung.

Der Rubel steht mit seinem Fall nicht allein da. Eine Reihe weiterer, rohstoffabhängiger Währungen, begab sich ebenfalls auf Talfahrt: Der Australische Dollar zum Beispiel verlor in der Spitze 1,7 Prozent auf 0,68 US-Dollar, den tiefsten Stand seit knapp sieben Jahren. Für einen kanadischen Dollar erhält man derzeit gerade einmal 69 US-Cent. Für die kanadische Währung bedeutet das ein 13-Jahres-Tief.

Im Zuge des Rubel-Verfalls sind am Freitag auch die Aktienmärkte Russlands eingebrochen. Der Leitindex Micex verlor im Tagesverlauf rund 4,3 Prozent. Daten der Finanznachrichten-Agentur Bloomberg zufolge büßte der Index auf Wochensicht rund 7,7 Prozent ein – und damit so viel wie seit 2012 nicht mehr innerhalb einer Handelswoche.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

„Als der Ölpreis unter die psychologisch wichtige Marke von 30 Dollar gerutscht ist, waren viele Investoren verunsichert”, erzählt Oleg Popov, Portfolio-Manager von April Capital in Moskau. „Einige von ihnen mussten die Nerven verloren und in ihrer Panik den Verkaufsknopf gedrückt haben.”

Unter den größten Verlierern im Index ist zum Beispiel der Ölkonzern Lukoil mit einem Minus von rund sechs Prozent. Der Gas-Riese Gazprom verlor 3,8 Prozent. Auch die Aktie der russischen Sberbank, einer der größten Kreditgeber der russischen Unternehmen, rutschte mehr als sechs Prozent tiefer. Zwar glauben viele Analysten, dass es für eine Russland-Panik noch zu früh sei. Doch das gilt vor allem für die russischen Ölkonzerne. Diese führen dank eines staatsfreundlichen Steuersystems einen großen Teil ihrer Gewinne an den Staat ab, bürden ihm aber zugleich auch die größten Risiken auf.

Zinsen auf russische Staatsanleihen ziehen an
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