Ölpreisverfall Her mit dem Geld!

Wolfgang Schäuble und Barack Obama wollen zusätzliche Steuern auf Benzin oder Öl einführen. Auch in anderen Ländern gibt es seit dem Ölpreisverfall Begehrlichkeiten. Manche Staaten haben jedoch ganz andere Probleme.
Die fallenden Ölpreise wecken Begehrlichkeiten. Sowohl Verbraucher als auch die Ölindustrie müssen teils hohe Abgaben zahlen. Quelle: dpa
Begehrtes Öl

Die fallenden Ölpreise wecken Begehrlichkeiten. Sowohl Verbraucher als auch die Ölindustrie müssen teils hohe Abgaben zahlen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfRichtig dicke Freunde werden Barack Obama und die Ölindustrie wohl nicht mehr. Erst legt er sein persönliches Veto gegen den Bau des Keystone XL-Projektes ein, einer riesigen Pipeline, die Öl aus Kanada in die Raffinerien der USA transportieren sollte. Nun hat er mit der Idee einer neuen Steuer für Ölkonzerne für weiteren Unmut gesorgt.

Seine Vorstellung: Je Barrel Öl sollen die Unternehmen zehn Dollar Abgabe zahlen. Mit der Sondersteuer möchte Obama ein „Transportsystem des 21. Jahrhunderts“ finanzieren. Die Ölsteuer soll im Laufe von zehn Jahren immerhin 300 Milliarden Dollar einbringen.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

Für reichlich Furore sorgte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäubles Vorschlag, in der EU eine zusätzliche Benzinsteuer zu erheben. Er wollte damit die Sicherung der EU-Außengrenzen finanzieren. Weil es von vielen Seiten Kritik gab, legte man den Vorschlag entsprechend schnell ad acta.

Die deutsche Diskussion und auch der Vorstoß Obamas zeigen, dass der fallende Ölpreis in viele Ländern mit sinkenden Benzinpreisen Begehrlichkeiten weckt. Andere Länder haben jedoch ganz andere Probleme. Handelsblatt Online hat exemplarisch in einigen G20-Staaten nachgeschaut.

USA
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