Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Opec Der Kampf um die Preishoheit am Ölmarkt wird immer härter

In Aserbaidschan bereiten die Öl-Exporteure der Opec+-Allianz die nächste Förderkürzung vor. Doch die USA erhöhen den Druck auf das Kartell.
1 Kommentar
Die USA erhöhen den Druck auf die Opec. Quelle: Reuters
Ölförderturm in Texas

Die USA erhöhen den Druck auf die Opec.

(Foto: Reuters)

Als Saudi-Arabiens Energieminister Khalid al-Falih am Montagmorgen in Aserbaidschan vor die Öffentlichkeit trat, waren die Spekulanten bereits einen Schritt weiter. Al-Falih sagte am Rande des Treffens der Opec-Staaten mit verbündeten Ölförderländern, dem sogenannten Opec+-Bündnis, die Allianz sei sich einig, dass die Ölproduktion weiter gekürzt werden müsse.

Darauf hatten die Ölspekulanten gesetzt: Derzeit wetten Hedgefonds und andere Vermögensverwalter so stark auf steigende Ölpreise wie zuletzt im Oktober 2018. Das geht aus Daten des Finanznachrichtendienstes Bloomberg hervor, die der Rohstoffstratege des dänischen Brokerhauses Saxobank, Ole Hansen, ausgewertet hat.

Die Daten zeigen: An den Märkten kehrt der Glaube an die Macht des Ölförderkartells Opec zurück. Angeheizt werden die Wetten auf weiter steigende Preise durch die jüngste Erholungs-Rally am Ölmarkt. Innerhalb von drei Monaten haben sich die US-Sorte WTI und das europäische Brent-Öl um gut 30 Prozent verteuert.

Hauptgrund für den Preisanstieg waren die Produktionskürzungen der Opec+-Allianz um die beiden wichtigsten Ölexporteure Saudi-Arabien und Russland. Das Bündnis hatte sich im vergangenen Jahr darauf verständigt, dem Weltmarkt 1,2 Millionen Barrel (159 Liter) täglich zu entziehen.

Zudem haben Produktionsausfälle in Libyen und Venezuela sowie die US-Sanktionen gegen das lateinamerikanische Land weiter verknappt. „Unter dem Strich kann die Opec die bisherige Preisentwicklung als Erfolg verbuchen“, urteilt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank.

Erste Risse in der Opec+-Allianz

Doch den kurzfristigen Anstieg der Ölpreise hat sich insbesondere Saudi-Arabien teuer erkauft. Das Land musste seine Produktion noch stärker drosseln als vereinbart und damit Marktanteile etwa an die USA und Kanada abgeben.

Zwar konnte das Land den Preisverfall Ende vergangenen Jahres stoppen. Doch es wäre verfrüht, die Opec+-Allianz zum Sieger im Ringen um die Preishoheit am Ölmarkt zu erklären. Der Wettbewerb der großen Fördernationen dürfte in diesem Jahr einen neuen Höhepunkt erreichen.

So tun sich in der Opec+-Allianz erste Risse auf. Zwar sagte der russische Energieminster Alexander Novak am Sonntag in Baku, die Produktionskürzungen seien das richtige Mittel gegen den Ölpreisverfall gewesen. Ob er jedoch dem Drängen der Saudis nachgeben wird, den auslaufenden Deal über die Förderkürzungen zu verlängern, ist unklar.

Zuletzt hatten die Chefs russischer Ölkonzerne signalisiert, dass sie den Deal nicht länger mittragen wollen. So hatte etwa Igor Setschin, Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, in einem Brief an Präsident Wladimir Putin das Abkommen als strategische Bedrohung für die russische Ölindustrie kritisiert.

Unsicherheitsfaktor Geopolitik

Auch die US-Sanktionspolitik gegenüber dem Iran hält Überraschungen bereit. Bei der Einführung des Öl-Embargos war die Rhetorik der US-Regierung noch aggressiv. Als der Ölpreis dann im vergangenen Oktober in Richtung der 100-Dollar-Marke zu klettern schien, räumte Washington einigen Abnehmerländern des iranischen Öls großzügige Ausnahmeregelungen ein. In der Folge brach der Ölpreis kräftig ein.

Ähnliches lässt sich nun wieder beobachten: Der Markt könne einen kompletten Wegfall der iranischen Ölexporte verkraften, hieß es am Sonntag von US-Offiziellen. Doch diese Meinung könnte US-Donald Trump, der dem Ölpreis viel Aufmerksamkeit schenkt, auch schnell wieder ändern.

Unklar ist auch, wie es in Venezuela weitergeht. So lange Nicolas Maduro an der Macht bleibt, dürfte die ohnehin drastisch geschrumpfte Förderung des Landes weiter sinken. Doch sollte sich der von den USA gestützte Oppositionsführer Juan Guaidó durchsetzen, könnte das Land mit den weltweit größten Ölreserven an den Weltmarkt zurückkehren. „Sollte der Machtkampf zugunsten von Guaido ausgehen, dürften die Ölpreise fallen, da dann die US-Sanktionen aufgehoben werden“, erwartet Volkswirt de la Rubia.

Doch selbst wenn Maduro bleibt: Die USA könnten es sich mit Blick auf den Ölpreis kaum erlauben, die iranischen Exporte auf null zu drücken und venezolanisches Öl weiter zu sanktionieren, schreiben die Rohstoffexperten der Investmentbank RBC Capital in einer Analyse. „Das könnte das Weiße Haus bei den Ausnahmeregeln für Importeure von iranischem Öl zum Umdenken zwingen.“

Doch die USA erhöhen den Druck auf die Opec auch direkt: Derzeit wird im Land darüber debattiert, einen „NOPEC“-Gesetz zu verabschieden. Damit sollen Mitglieder des Ölkartells auch außerhalb der USA juristisch belangt werden.

Ruinöser Preiskampf

Die Reaktion der Opec war ungewohnt scharf: So drohte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohammed Al Mazrouei, die US-Schieferölindustrie in einen ruinösen Preiskampf zu treiben. Und auch Opec-Chef Mohammed Barkindo sagte kürzlich: „Ein NOPEC-Gesetz wäre nicht im Interesse der USA.“

Allerdings sei es fragwürdig, wie glaubhaft die Drohung sei, sagt de la Rubio: „Natürlich würde ein Preisrückgang auch den Opec-Volkswirtschaften schaden.“ Hinzu kommt: Die US-Schieferölproduzenten werden immer wettbewerbsfähiger. So vermeldete Exxon kürzlich, künftig für Produktionskosten von 15 Dollar pro Fass in Texas Öl fördern zu können.

Solche Förderkosten sind sonst nur auf der Arabischen Halbinsel üblich. Die Internationale Energieagentur prognostizierte kürzlich, die USA könnten in den kommenden fünf Jahren den bei den Ausfuhren den weltgrößten Ölexporteur Saudi-Arabien einholen.

Der Kampf um die Preishoheit wird also weitergehen. Der Konkurrenzkampf dürfte die Entwicklung des Ölpreises nach oben begrenzen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Opec - Der Kampf um die Preishoheit am Ölmarkt wird immer härter

1 Kommentar zu "Opec: Der Kampf um die Preishoheit am Ölmarkt wird immer härter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Reaktion der der Vereinigten Arabischen Emirate wird verständlicher, wenn man bedenkt, dass Nachbarländer Angebote von Seiten Chinas und Russlands angenommen haben. Das dürfte in der geostrategischen Runde zwischen China und USA Bedeutung von Einfluss sein.