Ölförderung

Saudi-Arabien fragt sich gar, wie der Ölmarkt ohne Opec aussähe.

(Foto: dpa)

Opec Die Sorgen auf dem Ölmarkt wachsen – auch wegen eines gefährlichen Gedankenspiels

Das Treffen des Ölkartells schürt Spekulationen über Produktionskürzungen, um den Preisverfall zu bremsen. Der Opec droht sogar Gefahr von innen: von Saudi-Arabien.
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WienDiese Frage treibt Experten um – und Verbraucher: Wie geht es auf dem Ölmarkt weiter? Die Unsicherheit wächst und parallel fallen die Preise. Am Freitagnachmittag rutschte der Preis für die Nordseesorte Brent unter die psychologische wichtige Grenze von 70 Dollar.

Aufschluss über die weiteren Entwicklungen auf dem Ölmarkt geben kann ein Treffen der Organisation erdölfördernder Staaten (Opec) und einer Reihe von Nicht-Opec-Staaten am Wochenende in Abu Dhabi. Die Konferenz kann zwar keine Beschlüsse fassen. Doch sie gilt als wichtiger Meilenstein für die weitere Strategie der Ölstaaten, die am 6. Dezember bei der regulären Opec-Konferenz in Wien beschlossen wird.

Die unterschiedlichen Signale der 14 Mitglieder des Ölkartell verunsichern die Marktakteure derzeit jedoch. Für die größte Verunsicherung sorgt Saudi-Arabien: Jüngst brachte Riad eine Kehrtwende bei der Ölproduktion ins Spiel, um den Preisverfall zu stoppen. Wie die aussehen soll, ist noch offen.

Auch wenn die Strategie erst im Dezember beschlossen wird, kann das Treffen am Wochenende bereits große Auswirkungen haben. „Rhetorisch kann eine solche Kehrtwende durchaus bereits in Abu Dhabi signalisiert werden“, sagt Hannes Loacker, Ölexperte der österreichischen Raiffeisen, dem Handelsblatt. Erst im Juni beschloss das Ölkartell in Wien zusammen mit Russland eine Erhöhung der Ölförderung.

Neben der Verunsicherung sorgen Gedankenspiele Saudi-Arabiens zusätzlich für Irritation: Was würde ohne die Opec auf dem Ölmarkt passieren? „Wir schauen, was passiert, wenn es keine freie Kapazitäten mehr gibt. Ein Szenario ist, dass die Opec nicht existiert“, erklärte Adam Sieminski, der das Öl-Forschungszentrum von König Abdullah in Riad führt, einer regierungsnahen Denkfabrik.

Sieminski, Ex-Mitarbeiter der US-Energiebehörde und früher Chef-Energieökonom bei der Deutschen Bank in New York, konnte der Nachrichtenagentur Bloomberg aber nicht sagen, ob das auch den Plänen der saudischen Regierung gleicht. US-Präsident Donald Trump attackierte zuletzt das Ölkartell wegen der zu hohen Preise.

Die gefährlichen Gedankenspiele der Saudis kommen zu einer schwierigen Zeit. Denn das Ölkartell hat enorm an Bedeutung verloren. Der 1960 gegründete Klub der Ölförderländer ist mittlerweile nicht mehr in der Lage, quasi im Alleingang den globalen Ölpreis nach oben zu hieven oder nach unten zu drücken. Dazu braucht die Opec den Partner Russland und die Unterstützung weiterer Nicht-Opec-Staaten.

Nicht zuletzt wegen der Gedankenspiele der Saudis ist das Verhältnis der Opec-Staaten von großem Misstrauen geprägt. Die Konferenz Anfang Dezember wird daher keine Routineveranstaltung, sondern eine Nagelprobe für das einst so arrogante Ölkartell.

Viele Marktteilnehmer halten eine 180-Grad-Wende der Opec in der Förderpolitik für einen strategischen Fehler. Nach den neu auferlegten US-Sanktionen rechne man auf der Angebotsseite aus dem Iran mit 500.000 Barrel pro Tag weniger, und das über einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten, sagt Jan Edelmann, Ölexperte der HSH Nordbank, dem Handelsblatt.

Auch aus Venezuela seien Produktionsverluste wahrscheinlich, sagt Edelmann. Angesichts eines soliden Nachfragewachstums nach Öl sei keine weitere Förderkürzung durch die Opec notwendig: „Im Gegenteil, der Bedarf nach mehr Opec-Öl ist da.“

Die USA erließen am Montag neue Sanktionen gegen das Opec-Mitglied Iran. Das von Trump beschlossene Exportverbot nimmt aber einige Ölabnehmer wie China, Indien und Südkorea aus.

Wie groß die Verunsicherung am Markt ist, zeigen die unterschiedlichen Preisprognosen der Experten. Raiffeisen-Mann Loacker schätzt, dass Brent zum Jahresende wieder 80 US-Dollar pro Barrel kosten wird. Auch Edelmann geht von dieser Marke aus. Er erwartet, dass die iranischen Ölexporte von derzeit 1,5 Millionen auf bis zu 1,2 Millionen Barrel pro Tag bis Jahresende und eine Million Barrel bis Ende des ersten Quartals 2019 zurückgehen dürften.

Auf der anderen Seite erwartet der Experte der HSH Nordbank ein weiterhin solides Nachfragewachstum. Damit könnte das weltweite Nachfrageniveau in der zweiten Jahreshälfte die Grenze von 100 Millionen Barrel täglich überspringen. Das ist nach Meinung von Analysten insbesondere für die USA gut. „Das bisherige Wachstum in diesem Jahr hat wieder mal alle überrascht“, sagt David Wech vom einflussreichen Energiemarktinstitut JBC Energy in Wien.

„Die US-Schieferölindustrie steht vor drei oder vier Jahren mit beispiellosen Wachstumsraten“, bestätigt auch Edelmann. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Vereinigten Staaten Russland als größter Ölproduzent überholt. David Wech von JBC Energy merkt an, dass auch andere Länder – beispielsweise Russland – wieder mehr Öl fördern. Das wiederum lastet auf den Preisen.

Der Ausblick für die nächsten Monate sei daher „fundamental düster“, sagt der Ölexperte. Seine Prognose für den Brent-Preis liegt bis Jahresende nur noch bei 65 bis 77 Dollar pro Barrel.

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