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Opec gegen USA Der Ölpreisrally geht die Energie aus

Öl hat sich seit Januar um 40 Prozent verteuert. Mit Preistreiberei legt sich die Opec mit den USA an – nun wird der Kursanstieg vom Druck aus Washington und der schwachen Konjunktur gebremst.
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Ölpreis: Der Rally geht die Energie aus
Ölraffinerie in Saudi-Arabien

Für Preisanstiege sehen Ölexperten nur noch wenig Spielraum.

Frankfurt, Berlin, WienSaudi-Arabiens Energieminister Khalid al-Falih hat im Kampf für höhere Ölpreise einen unerwarteten und unfreiwilligen Verbündeten: US-Präsident Donald Trump. So sieht es zumindest Helima Croft, Rohstoffstrategin der Investmentbank RBC Capital Markets.

Trump sei das „effektivste“ Mitglied des Ölkartells, spottete die Opec-Expertin kürzlich. Denn die Sanktionspolitik der USA gegen den Iran und Venezuela trage dazu bei, dass die Opec ihr wichtigstes Ziel erreiche: Die Produktion zu kürzen und den Ölpreis nach oben zu treiben.

Seit der Entscheidung der Förderallianz um Saudi-Arabien und Russland aus dem Dezember 2018, die Produktion zu drosseln haben die Ölpreise um rund 40 Prozent zugelegt. Die Nordseesorte Brent kostet aktuell knapp 71 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) – so viel wie seit fünf Monaten nicht.

Kurzfristig könnten Produktionsausfälle in den Krisenländern Libyen und Venezuela das Angebot am Ölmarkt weiter verknappen. Doch mit dem ungebremsten Anstieg der Ölpreise dürfte es dennoch schon bald vorbei sein.

Denn die schwächere Weltkonjunktur lässt Experten einen Rückgang der Ölnachfrage erwarten. Was die Angebotsseite angeht, so gehen die Fachleute davon aus, dass die USA und Trump in Zukunft ihren Einfluss ganz bewusst gegen die Opec richten werden.

Vor allem Saudi-Arabien das wichtigste Mitglied des Kartells könnte so gezwungen werden, einen weiteren Anstieg der Rohölpreise zu verhindern. Aber auch der Opec-Alliierte Russland scheint ein Interesse an einem Ende der Rally zu haben.

Der am Mittwoch veröffentlichte Opec-Bericht gibt der Rivalität zwischen den USA und Saudi-Arabien neue Nahrung. Demnach ist die durchschnittliche Tagesproduktion der Opec-Staaten im März um mehr als 500.000 Barrel gefallen. Damit produziert das Kartell nur noch knapp über 30 Millionen Barrel täglich.

Insgesamt ist die Opec-Produktion seit Oktober 2018 um knapp zwei Millionen Barrel gesunken - deutlich mehr als die 800.000 Barrel, die sich das Kartell selbst auferlegt hatte. Weil die Produktion der Nicht-Opec-Länder im ersten Quartal stagnierte, hat sich das Angebot weiter verknappt.

Warren Patterson, Rohstoffexperte der ING Bank sieht für den Ölpreis jedoch nur noch begrenzten Spielraum nach oben. „Jeder weitere Anstieg vom aktuellen Niveau dürfte weiteren ungewollten politischen Druck erzeugen, in Form von Präsident Trump, der Saudi-Arabien dazu aufruft, mehr Öl zu produzieren.“

Bereits Ende März hatte Trump via Twitter eine für seine Verhältnisse freundliche Erinnerung an die Opec geschickt: Es sei sehr wichtig, dass die Opec den Ölfluss erhöht. „ Die Weltmärkte sind fragil, der Ölpreis wird zu hoch. Danke!“, schrieb er. Zudem hat Trump mit dem sogenannten „Nopec“-Gesetz ein weiteres Druckmittel in der Hinterhand. Das Vorhaben würde das US-Wettbewerbsrecht so ändern, dass die 14 Mitgliedsstaaten der Opec künftig wegen dann illegaler Kartellabsprachen beim Öl- und Gaspreis verklagt werden könnten.

Zwar sind unter Experten die Zweifel groß, dass der zwanzig Jahre alte Gesetzentwurf jemals realisiert wird. „Es gibt eine ganze Reihe von politischen und rechtlichen Unwägbarkeiten, die eine schnelle Umsetzung nicht gerade wahrscheinlich machen“, sagt Cyru de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg-Commercial-Bank.

Doch letztlich sehen Experten Nopec als glaubwürdigere Drohung als Andeutungen aus Saudi-Arabien, Ölgeschäfte künftig nicht mehr in Dollar abzuwickeln, sollten die USA das Antikartell-Gesetz wirklich verabschieden.

Drohung gegen den Dollar

„Bestrebungen, verstärkt andere Währungen als den Dollar für Handelsgeschäfte einzusetzen, wird es angesichts der Sanktionspolitik der USA immer wieder geben“, sagt Paul Sheldon, geopolitischer Chefstratege beim Analysehaus S&P Global Platts. „Doch die Verbreitung des Dollars im Welthandel und der Mangel an geeigneten Alternativen bedeuten, dass eine Abkehr von der US-Währung in ferner Zukunft liegt.“

Auch Agnes Horvath, Chefökonomin des ungarischen Ölkonzerns Mol sieht noch kein Ende der Dollar-Hegemonie: „Ich denke nicht, dass der teilweise Wechsel der Opec in eigene Währung eine wirkliche Bedrohung für die Stellung des Dollars oder der Trump-Administration sein wird.“

Am Mittwoch ruderte Saudi-Arabien zudem zurück: „Jüngste Berichte, in denen behauptet wird, dass Saudi-Arabien damit droht, sein Öl in anderen Währungen als dem Dollar zu verkaufen, sind ungenau und spiegeln nicht die Position Saudi-Arabiens in dieser Angelegenheit wider“, erklärte ein Sprecher des saudischen Energieministeriums.

Allerdings lehnt das Königreich Nopec ab: Saudi-Arabien sei „nach wie vor entschlossen, eine stabilisierende Kraft für die Energiemärkte zu sein.“ Ein Bekenntnis des weltgrößten Ölexporteurs, dass es an der Opec-Praxis der Steuerung des Ölpreises durch Angebotsausweitung und -reduzierung festhält.

Dafür jedoch brauchen die Saudis Verbündete außerhalb der Opec. Energieminister al-Falih und sein russischer Amtskollege Alexander Nowak kennen sich zwar seit Jahren und vertrauen einander. Doch Russlands Präsident Wladimir Putin hatte zuletzt ein klares Bekenntnis zu weiteren Förderkürzungen vermieden. Sein Land wolle weiter mit der Opec kooperieren, sagte er am Dienstag in Sankt Petersburg. Doch er sei gegen einen „unkontrollierten“ Anstieg der Ölpreise. Wie es weitergeht, will die sogenannte Opec-Plus-Allianz um Saudi-Arabien und Russland Ende Juni entscheiden.

Neben der Geopolitik dürften auch fundamentale Gründe die Ölpreis-Rally bremsen. Dem Analysehaus Rystad Energy zufolge haben die Ölkonzerne im ersten Quartal Vorkommen in einem Umfang von 3,2 Million Barrel entdeckt. Das ist die größte Menge seit seit vier Jahren.

„Wenn der Rest des Jahres sich in einem ähnlichen Tempo fortsetzt, werden die im vergangenen Jahr entdeckten Reserven um 30 Prozent übertroffen werden“, sagt Taiyab Zain Shariff, Ölförderexperte bei Rystad Energy. Besonders erfolgreich bei der Entdeckung neuer Ölquellen war der US-amerikanische Konzern Exxon Mobil. Auf die unfreiwillige Hilfe der USA im Kampf für höhere Ölpreise kann Saudi-Arabien daher künftig nicht mehr zählen.

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