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Opec-Sitzung Die Opec wird immer mehr zum Kartell von Putins Gnaden

Russland und Saudi-Arabien einigen sich auf eine Öl-Förderquote – und nehmen damit das Ergebnis des Opec-Treffens vorweg. Der Einfluss Moskaus wächst.
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Opec: Immer mehr ein Kartell von Wladimir Putins Gnaden Quelle: Bloomberg/Getty Images
Öl-Plattform im Persischen Golf

Ein militärischer Konflikt in der Region ist ein Risiko für den Ölmarkt.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Wien Als Wladimir Putin im japanischen Osaka vor die Kameras trat, ließ er keine Zweifel daran, wer der starke Mann im globalen Ölgeschäft ist. Er habe bei Gesprächen mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman vereinbart, dass beide Länder weiterhin ihre Ölproduktion auf das bisherige Niveau begrenzen werden, sagte er am Samstag. „Für welchen Zeitraum – darüber denken wir noch nach, sechs oder neun Monate. Womöglich neun Monate“, kündigte der russische Präsident an.

Putin und MBS, wie der saudische Kronprinz abgekürzt wird, haben damit im Alleingang jene Entscheidung vorweggenommen, die die Organisation der Erdöl exportierenden Staaten (Opec) und die Nicht-Opec-Staaten unter Führung Russlands – bekannt als Opec+ – bei ihrem Treffen am Montag und Dienstag in Wien fällen wollten. Zwar sagte Putins Vertrauter, der russische Energieminister Alexander Nowak, dass sich bei den Opec-Beratungen erst noch entscheiden werde, ob das Ölkartell und weitere Staaten mitzögen. Doch dass sich andere Mitgliedstaaten gegen die zwei wichtigsten Ölexporteure Saudi-Arabien und Russland stellen, gilt als unwahrscheinlich. Lediglich bei der Dauer der Förderkürzungen gibt es noch etwas Spielraum – doch auch bei diesem Thema hat der russische Präsident bereits enge Grenzen gesetzt.

Der beim G20-Gipfel ausgehandelte Deal zeigt: Das einstmals mächtige Ölkartell droht zum Schatten seiner selbst zu werden. Wichtige Entscheidungen treffen die beiden mächtigsten Mitglieder der Opec+, Saudi-Arabien und Russland, mittlerweile in bilateralen Gesprächen. Die Opec wacht nur noch darüber, dass sich auch alle Mitglieder an die ausgehandelten Produktionsmengen halten.

Zudem steht das Kartell wegen schwindender Marktanteile extrem unter Druck. Erstmals seit 1991 sank der Anteil der Opec an der weltweiten Ölproduktion unter 30 Prozent. Hauptgrund dafür ist der Boom in der US-Schieferölindustrie. Zusammen mit Russland, Mexiko und acht weiteren Staaten, die sich in der Förderallianz Opec+ zusammengeschlossen haben, kommt das Kartell immerhin auf einen Marktanteil von knapp 50 Prozent.

Bereits im Dezember 2018 hatte sich gezeigt, wie dringend die Opec Russland braucht. Damals hatten sich die Opec+-Staaten darauf verständigt, ihre Ölproduktion zu begrenzen. Gekürzt wurde die Fördermenge um 1,2 Millionen Barrel Öl pro Tag (ein Barrel sind rund 159 Liter). Auf die Opec entfielen zwei Drittel, auf die Nicht-Opec-Länder ein Drittel der Produktionskürzungen. Die größten Einschnitte stemmten schon damals Saudi-Arabien und Russland. Nur so konnte die Opec+-Allianz den Ölpreis stabilisieren, der zu dieser Zeit massiv in Rutschen geraten war.

Ende Juni ist der Deal ausgelaufen. Die Mehrheit der Marktbeobachter hatte bereits im Vorfeld erwartet, dass die bisherige Förderkürzung verlängert würde. Doch viele Experten hatten auch damit gerechnet, dass die Förderlimits vorerst nur bis Jahresende gelten sollen. Dass sie nun, wie von Russlands Energieminister Nowak gefordert, auch über den Winter hinaus bestehen dürften, könnte dem Ölpreis weiter Auftrieb verleihen.

Seit Jahresbeginn hat der Ölpreis stark geschwankt. Er legte zunächst zwischen Januar und Ende April von rund 55 Dollar auf mehr als 75 Dollar zu. Danach folgte ein Absturz auf fast 60 Dollar. Seit dem Tankervorfall in der Straße von Hormus Mitte Juni zog er wieder an. Ende vergangener Woche notierte ein Barrel Brent bei 66,55 Dollar.

USA-Iran-Konflikt bleibt Risikofaktor

Weitere Unterstützung dürfte der Ölpreis durch die Annäherung zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jingping im Handelsstreit der beiden Länder erhalten. Nach einem Treffen der beiden Führer am Rande des G20-Gipfels kündigte Trump an, die angedrohten Zölle auf chinesische Waren mit einem Volumen von 300 Milliarden Dollar vorerst nicht zu erheben. Das Risiko, dass eine Eskalation des Handelskonflikts die Weltwirtschaft an den Rand einer Rezession bringt und damit auch die Ölnachfrage schwächt, hat sich dadurch verringert.

Das größte Risiko für den Ölmarkt bleibt aus Sicht vieler Experten ein militärischer Konflikt am Persischen Golf. Zwar geht Hannes Loacker, Rohstoffanalyst bei der österreichischen Raiffeisen Capital Management, nicht davon aus, dass sich bei einem „Krieg der Worte“ die derzeitige Risikoprämie auf den Ölpreis deutlich erhöhen wird. Doch das Szenario kann sich schnell verändern. „Käme es zu einer militärischen Auseinandersetzung oder zu einer nennenswerten Beeinträchtigung der Schiffstransporte durch die Straße von Hormus, würde die Sache natürlich gänzlich anders aussehen. Dann müsste man mit einem Ölpreis von zumindest 80 Dollar pro Fass Brent rechnen“, sagte Loacker dem Handelsblatt. Durch die Meerenge wird knapp ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion verschifft.

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Anfang Juni waren in der Nähe der strategisch wichtigen Schifffahrtsstraße zwei Öltanker angegriffen worden. Die USA hatten den Iran für die Attacken verantwortlich gemacht, der Iran streitet das jedoch ab. Verstärkt wurde das Risiko einer militärischen Eskalation zuletzt durch den Abschuss einer amerikanischen Drohne durch den Iran. Ein Bombardement zur Vergeltung sagte US-Präsident Trump in letzter Minute ab. Die Spannungen am Persischen Golf sind auch für die Opec heikel, spiegeln sie doch die Rivalität zweier wichtiger Mitgliedstaaten wider: Saudi-Arabien und Iran. Die Saudis stehen traditionell auf der Seite der USA und beschuldigen den Iran auch, für die Sabotage wichtiger Ölinfrastruktur verantwortlich zu sein.

Allerdings erwartet Jon Andersson, Leiter Rohstoffe bei Vontobel Asset Management, dass das Thema bei der Opec+-Konferenz in Wien keine Rolle spielen wird. „Das wird die Opec um jeden Preis vermeiden wollen.“ Das Kartell werde alles daransetzen, nach außen hin geschlossen aufzutreten. Denn auch wenn die Opec intern zerstritten ist, haben die Mitglieder nach Meinung von Helima Croft, der Rohstoffexpertin von RBC Capital Markets, handfeste Gründe, die Produktion zu kürzen, um den Ölpreis zu stützen. „Das Band, das die meisten Opec-Produzenten verbindet, ist die Notwendigkeit, zusätzliche Einnahmen zu genieren, um den Lebensstandard ihrer Bürger nicht zu gefährden“, sagte die erfahrene Ölexpertin. So braucht etwa Saudi-Arabien einen Ölpreis von 80 bis 85 Dollar pro Barrel für einen ausgeglichenen Staatshaushalt und die Finanzierung massiver Subventionen. Ähnlich ist die Lage etwa in Nigeria.

Bis zuletzt war unsicher, ob Russland die Produktionskürzungen weiter unterstützt. Putin hatte in der Vergangenheit betont, er sei mit einem Ölpreis von rund 60 Dollar pro Barrel zufrieden. Doch aus Sicht von Paul Sheldon, geopolitischer Chefanalyst beim Analysehaus S&P Global Platts, überwiegen die Vorteile einer Kooperation. „Russland achtet darauf, dass der Ölpreis nicht unter 60 Dollar fällt.“ Das Land befürchte, dass der Preis auf 40 Dollar zurückgehen könnte, falls der Opec+-Deal nicht erneuert wird. Daher dürfte ein Fokus des Opec-Treffens darauf liegen, Druck auf Mitglieder zu erhöhen, die sich nicht an die Produktionskürzungen halten, sagt Vontobel-Analyst Andersson.

Nicht jedes Opec-Mitglied zieht mit

Zwar wurde das bisherige Kürzungsziel laut den Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) eingehalten. Doch das lag vor allem daran, dass Saudi-Arabien die eigene Quote übererfüllt hat. Im Mai und Juni produzierte das Königreich weniger als 9,7 Millionen Barrel pro Tag. Das ist das niedrigste Niveau seit vier Jahren. Auch andere wichtige Opec-Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Angola haben im vergangenen Jahr durchschnittlich weniger gefördert.

Unter anderem der Irak hat allerdings systematisch mehr produziert als vereinbart. Das Land riskiert damit den Zorn jener Mitglieder, die ihre Förderung drosseln und sich damit Umsatz und Marktanteile entgehen lassen, um die Preise zu stabilisieren. Das Beispiel Irak könnte Schule machen, sagt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank. „Unsere Erwartung ist, dass die Disziplin in den kommenden Monaten deutlich schwächer ausfallen wird, als das zuletzt der Fall war. Das liegt auch einfach daran, dass Kartelle per se instabil sind“, sagte der Ölexperte auf Anfrage.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der US-Präsident selbst. Trumps Sprunghaftigkeit und seine protektionistische Wirtschaftspolitik machen Marktprognosen sehr viel weniger berechenbar als in der Vergangenheit. Die in Osaka inszenierte Annäherung zwischen Trump und Xi kann ein einzelner Tweet des US-Präsidenten wieder einreißen. Dann könnte die Angst vor einer schwachen Weltwirtschaft aufflammen und auf den Ölpreis drücken. Bei rückläufigen Einnahmen aus dem Ölgeschäft aufgrund eines Preisverfalls dürften die Opec-Mitglieder wieder zu einer eigenmächtigen Förderpolitik zurückkehren. Dann wäre die Opec+-Allianz womöglich am Ende nur noch ein Papiertiger.

Mehr: Die Saudis stellen sich gegen den Opec-Partner an die Seite Trumps. Warum der Konflikt das Kartell zu spalten droht.

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