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Opec-Treffen Der Öl-Frieden ist fragil wie nie

Die Allianz zwischen Saudi-Arabien und Russland dominiert das Opec-Treffen. Doch der iranische Ölminister zeigt, wie brüchig das Ölkartell ist.
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Saudi-Arabien sucht den Schulterschluss mit Russland – zum Nachteil vom Iran. Quelle: Reuters
Saudischer Ölminister Khalid Al-Falih

Saudi-Arabien sucht den Schulterschluss mit Russland – zum Nachteil vom Iran.

(Foto: Reuters)

Wien Der Zeitpunkt ist gut gewählt: Gerade als der saudische Ölminister Khalid Al-Falih seine Rede vor den Delegierten der Opec-plus-Allianz beendet hat, springt sein iranischer Amtskollege Bijan Namdar Zangeneh auf. Begleitet von einem Tross von Journalisten, verlässt er den Verhandlungssaal, stürmt aus der Opec-Zentrale in Wien und verschwindet in einer schwarzen Mercedes-Limousine.

Der Ölminister müsse einen Flug erwischen, heißt es. Doch das Signal ist eindeutig: Der Iran wird nicht an der gemeinsamen Verhandlung der 14 Staaten des Ölkartells Opec mit zehn weiteren verbündeten Ölexporteuren teilnehmen. Auf dem gemeinsamen Foto der Ölminister der Opec-plus-Allianz wird Zangeneh fehlen.

Zwar haben sich die 24 Opec-plus-Staaten am Dienstag in Wien darauf verständigt, ihre Förderung weitere neun Monate zu kürzen und ihre Zusammenarbeit langfristig auszubauen. Dafür haben die Staaten unter der Federführung des Irans für die Opec und Russlands für die übrigen Staaten eine Charta ausgehandelt.

Doch der plötzliche Abschied des iranischen Ölministers zeigt: Das erweiterte Bündnis der ölexportierenden Länder ist brüchig. Auch wenn alle Staaten der Wunsch nach einem hohen und stabilen Ölpreis eint: Die geopolitischen Konflikte zwischen den beiden Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran können die Ölminister nicht so einfach weglächeln.

Der Konflikt war bereits beim Treffen der 14 Opec-Staaten am Montag absehbar. Zwar trafen sich Al-Falih und Zangeneh am Rande der Konferenz zum demonstrativen Handschlag. Doch dass es intern brodelte, zeichnete sich bereits ab. Eigentlich war sich das Ölkartell längst darüber einig, dass es die Ölproduktion bis März 2020 um 1,2 Millionen Barrel (159 Liter) auf knapp unter 30 Millionen Barrel pro Tag kürzen will.

Doch auf Betreiben Saudi-Arabiens sollte noch ein Passus in den Opec-Vertrag aufgenommen werden, der eine intensivere Zusammenarbeit mit den Nicht-Opec-Staaten unter der Führung Russlands verankert. Eigentlich eine Formalie – doch der Iran wehrte sich lange gegen diese „Kooperations-Charta“. Al-Falih konnte erst mit stundenlanger Verspätung am Montagabend einen Durchbruch bei den Verhandlungen verkünden.

Bereits im Vorfeld des Treffens hatte der Iran kritisiert, dass Saudi-Arabien und Russland das Ergebnis der Opec-Konferenz zwei Tage zuvor auf dem G20-Gipfel in Osaka ausgekungelt und die übrigen Opec-Mitglieder vor vollendete Tatsachen gestellt hatten. Dieser „Unilateralismus“ werde dazu führen, dass „die Opec stirbt“, hatte Zangeneh gewarnt.

Opec-Treffen: „Das Ölkartell versucht sich hier als Familie zu präsentieren“

Giovanni Staunovo, Rohstoffexperte der UBS, bestätigt: „Kleinere Länder sind sehr unglücklich, dass die Saudis mit den Russen die Kürzungen vordiskutieren.“ Doch sie könnten es sich nicht leisten, von Bord zu gehen. Die beiden starken Männer des erweiterten Ölkartells, Al-Falih und der russische Energieminister Alexander Nowak, zeigten sich am Dienstag zufrieden.

Die am Montag innerhalb der Opec ausgehandelte Charta sei ein „starkes Fundament für unsere zukünftige Zusammenarbeit“, sagte Nowak. Das sei nötig, um angesichts wachsender globaler Unsicherheit die Stabilität des Ölmarkts zu gewährleisten. Al-Falih ergänzte: „Marktstabilität ist entscheidend für den Erhalt der Gesundheit der Weltwirtschaft, die Sicherung von Investitionen in unserer (Öl-)Industrie und die Gewährleistung einer sicheren Energieversorgung.“

Beobachter werten die am Dienstag getroffene Einigung als Zeichen an die Ölmärkte. So findet Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, es überraschend, dass das Bündnis seine Förderkürzungen für neun Monate festgeschrieben hat. Er sagte dem Handelsblatt: „Das ist für sich gesehen durchaus ein starkes Signal an die Märkte: ‚Seht her, wir fürchten uns nicht vor einem längeren Commitment‘“.

David Wech, Chef des Energiemarktunternehmens JBC Energy, ergänzt, das Abkommen zeige, „dass man sich auch 2020 um den Markt kümmern wird“. Doch im Markt sind die Zweifel groß, ob die 14 Opec-Staaten wirklich die Förderkürzung über neun Monate diszipliniert praktizieren. „Die Realität könnte hier einen Strich durch die Rechnung machen. Wenn die Konjunktursorgen, die derzeit wieder etwas in den Hintergrund geraten sind, wieder aufleben, dürfte die Disziplin bröckeln“, prognostiziert Ölexperte de la Rubia.

Bei hohen Ölpreisen könne sich die Opec plus entspannter auf Kürzungen einigen als bei niedrigen Preisen, bei denen Sorgen um die Staatshaushalte die Förderdisziplin untergraben würden. Der Markt sei viel zu volatil, um Entwarnung zu geben, glaubt Ölexperte Wech: „Je nach Szenario ist es denkbar, dass deutlich weniger oder mehr Öl von der Opec plus gefragt ist, um den Markt nahe dem jetzigen Preisniveau zu halten.“ Der Anstieg der Preise seit Mitte Juni hat auch damit zu tun, dass Saudi-Arabien rund 600.000 Fass pro Tag unter seinem Produktionsziel produziert.

Appell an den Zusammenhalt

Falih verwies am Dienstag in Wien darauf, dass sein Land freiwillig mehr kürze als verabredet und damit zum Erfolg des Kürzungsabkommens entscheidend beitrage. Den übrigen Opec-Mitgliedern schärfte er ein, dass es „eine größere Einheit“ bei der Einhaltung der Förderkürzungen geben müsse.

Insbesondere der Irak hatte zuletzt deutlich mehr Öl produziert als vereinbart. Zudem erteilte er Hoffnungen einiger afrikanischer Länder, mehr produzieren zu dürfen, eine Absage: Die Verteilung der Förderquoten werde sich nicht ändern. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Iran, der traditionelle Gegenspieler zum Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien.

Das Land hat dem Abkommen zwar zugestimmt, doch ist es abermals von Förderverpflichtungen befreit. Sollte es zu einem Ende der US-Sanktionen kommen, könnte Iran den Ölmarkt fluten. Derzeit produziert Teheran lediglich knapp eine Million Barrel pro Tag. Eine Aussetzung der Sanktionen durch US-Präsident Donald Trump gilt aber nach der Eskalation des „Kriegs der Worte“ zwischen Washington und Teheran derzeit als unwahrscheinlich.

Experten gehen davon aus, dass der Iran auch in Zukunft den Störenfried spielen wird. Teheran stößt der dominante Einfluss von Saudi-Arabien und dem Nicht-Opec-Mitglied Russland sauer auf. „Implizit hat der Iran damit gedroht, die Opec zu verlassen, wenn man auf lange Sicht an der Partnerschaft mit Russland festhält. Ich vermute, dass das Thema bei der kommenden Opec-Sitzung intensiver diskutiert wird“, sagt de la Rubia.

Doch es sei auch nicht ausgemacht, dass Russland dem Bündnis die Treue hält, sagt UBS-Experte Staunovo. „Die Vereinbarung ist nicht bindend. Es wird auch in Zukunft davon abhängen, was Saudi-Arabien bieten kann, damit die Vereinbarung glaubwürdig bleibt.“

Kein Wunder also, dass es am Markt Zweifel am Ölfrieden gibt. „Gerade der Widerstand des Irans gegen die Fortsetzung dieses Bündnisses zeigt, dass sich die Investoren nicht darauf verlassen können, dass dieses Bündnis ewig fortbesteht“, sagt Chefökonom de la Rubia.

Da die Bedeutung der Opec ohnehin nachlasse, wäre ein Zerbrechen von Opec plus ein negatives Signal an die Märkte, das die Ölpreise unter Druck bringen würde, fürchtet er. Weil die US-Sanktionen den Iran hart treffen, erwartet auch Staunovo: „Die Spannungen dürften steigen.“

Mehr: Die derzeitige Beziehung zwischen dem Ölkartell und Russland ist fatal – denn die Opec manövriert sich in eine gefährliche Abhängigkeit. Ein Kommentar.

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