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PIM vs. Bonus.Gold Ein Streit verfeindeter Goldhändler schreckt Anleger auf

PIM Gold und Bonus.Gold werben für Edelmetall-Sparpläne. Während Verbraucherschützer am Geschäftsmodell zweifeln, bekämpfen sich die Konkurrenten.
2 Kommentare
PIM vs. Bonus.Gold: Verfeindete Goldhändler Quelle: imago stock&people
Goldbarren im Tresor

Experten sind skeptisch beim Geschäftsmodell von PIM und Bonus.Gold.

(Foto: imago stock&people)

Frankfurt, BerlinAn einem Sommertag im August 2013 feierten der Goldhändler und sein Programmierer einen Vertragsabschluss. Oskar B. (60) hatte eine Software entwickelt, die wie gemacht schien für die PIM Gold GmbH. Deren Geschäftsführer Mesut P. (48) war beeindruckt. Schnell waren sie sich einig: Für 65 Euro in der Stunde würde Oskar B. die IT der PIM fit machen. Beide ahnten nicht, dass sie sich bald schon erbittert bekämpfen würden.

Heute liefern sich die Männer einen Krieg, in dem viel auf dem Spiel steht. Es könnte um ihre wirtschaftliche Existenz gehen. Sie haben sich Staatsanwälte auf den Hals gehetzt und sich mit Klagen überzogen.

Gegen Mesut P. ermitteln Staatsanwälte in Darmstadt, gegen Oskar B., der nach seinem Ausscheiden im Umfeld des Konkurrenten Bonus.Gold GmbH tätig war, die Strafverfolger aus Gießen. Zu den Details äußern sich die Behörden nicht. Beide Seiten bestreiten die Vorwürfe des jeweils anderen. Und bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Das Schweigen der Behörden ist für viele Privatanleger misslich. Sie sind betroffen vom Streit der Goldhändler. Recherchen des Handelsblatts zeigen, dass die Kunden ein hohes Risiko tragen. Denn viele haben ihr Gold bei PIM und Bonus.Gold nicht nur gekauft, sondern auch eingelagert. Beide Unternehmen setzen viel daran, das Gold in den Tresoren zu halten.

Bei der PIM stellt Mesut P. für gleich drei Produkte (Bonusgoldkauf Plus, Bonusgoldspot Plus und Kindergold) eine Art Zins in Gold, ausgezahlt zwischen drei und sechs Prozent, in Aussicht, wenn die Kunden ihr Gold ganz oder teilweise für ein Jahr im Tresor lassen. Bonus.Gold verspricht ihren Kunden sogar, pro Monat 1,5 Prozent der Anlagesumme in Gold zu zahlen, wenn sie das Edelmetall einlagern. In zwei Jahren erziele der Kunde eine Rendite von 22 Prozent, rechnet der Goldhändler vor.

Fachleute sehen in solchen Angeboten ein höchst fragwürdiges Geschäftsmodell. So sagt Martin Siegel, Manager des auf Edelmetalle und Minenaktien spezialisierten Fondshauses Stabilitas: „Gold wirft keine Zinsen ab. Es ist schwer vorstellbar, im Edelmetallhandel solche Renditen an Anleger zahlen zu können.“

Genau das aber versprechen PIM und Bonus.Gold ihren Kunden. Die Goldhändler sagen, sie setzen eingenommenes Kapital im Altgold-Handel ein und beteiligen ihre Kunden an den Erträgen eines Gold-Recyclingkreislaufs.

Schmerzhafte Trennung

Bevor der Streit eskalierte, lief es bei Oskar B. gut. Er stieg bei der PIM auf, wurde 2014 fest angestellt. Bald kümmerte er sich auch um Buchhaltung und Jahresabschlüsse. „Es gab in den Firmen keine andere Person neben Herrn B., welche auch nur über Grundlagenkenntnisse des Finanzcontrollings, des Bilanzrechts und über die Funktionsweise der von ihm selbst programmierten und eingesetzten Software verfügte“, versicherte Mesut P. später.

Offenbar machte sich seine Firma, die Millionen von Anlegerkapital in Gold verwaltete, stark von einer einzelnen Person abhängig. Die Trennung sollte schmerzhaft werden.

Je nachdem, wem man glaubt, verließ Oskar B. im August 2016 oder Anfang 2017 die PIM. Zwei junge Kollegen aus seiner Abteilung gingen ebenfalls in dieser Zeit. Sie wollten ein eigenes „Goldanlageprodukt im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge“ entwickeln, wie Oskar B. sagt.

Dafür gründeten die beiden Kollegen und sein Sohn im Januar 2017 zwei neue Firmen: die Bonus.Gold GmbH und als Vertriebsarm die BAV.Gold GmbH. Der Vater übernahm bis Ende 2018 die Rolle des Prokuristen bei der BAV.Gold.

Firmennamen, Struktur, Vertrieb und Produktportfolio wiesen deutliche Ähnlichkeiten zur PIM Gold auf. Auch wenn die Bonus.Gold GmbH im März 2017 an einen türkischen Unternehmer aus Wuppertal verkauft wurde, argwöhnten sie bei der PIM, dass Oskar B. der Strippenzieher hinter den neuen Konkurrenten ist. Er bestreitet das.

Im Reich der Goldhändler dreht sich viel um den Vertrieb. PIM-Produkte werden über die Premium Gold Deutschland GmbH (PGD) verkauft, die mit freiberuflichen Vermittlern arbeitet und für einzelne Verträge mehrere Hundert bis weit über 1000 Euro Provision zahlt, wie aus PGD-Dokumenten hervorgeht. PIM spricht von „marktgerechten und seriösen Provisionen“.

Verbraucherschützer haben Bedenken. Wolf Brandes vom Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentralen sagt: „Es ist für uns schwer nachzuvollziehen, wie diese Goldgeschäfte neben den Renditen auch noch die Provisionen einspielen.“

Um in den Genuss von Bonusgold zu kommen, müssen die Anleger zunächst tief in die Tasche greifen: PIM verkauft das Gold je nach Tarif und Barrengröße mit einem Aufschlag von bis zu 30 Prozent auf den Materialpreis. Von der PIM heißt es dazu: „Je größer der Barren, desto geringer der prozentuale Aufschlag. Unsere Preise sind marktüblich.“

Vom Vertrieb hängt der Erfolg ab, das wusste sicherlich auch Oskar B., als er nach seinem Ausscheiden versuchte, Vertriebler der PIM-Produkte anzuwerben. Es liegen entsprechende E-Mails von ihm vor.

Ein PIM-Vertriebler berichtete von einem Treffen mit Oskar B. und Verantwortlichen der Bonus.Gold: „Ich sollte für ihn als Vertriebspartner tätig werden.“ Oskar B. sagt, er hätte lediglich zwölf Vertriebler der PIM kontaktiert, und das auch erfolglos. Die Goldanlageverträge der Bonus.Gold GmbH habe er als „externer Berater“ konzipiert.

Parallel zu den Abwerbungsversuchen im Frühjahr 2017 schaltete B. auf Angriff: Er warf seinem Ex-Chef Mesut P. strafbares Verhalten vor. In persönlichen Gesprächen und Schreiben, die dem Handelsblatt vorliegen, rechnete er der PIM einen Fehlbestand von mehr als einer Tonne Kundengold vor.

Obwohl B. vortrug, dass 37 bis 64 Millionen Euro veruntreut worden sein könnten, schloss er mit der Bemerkung, er würde seine „begründeten Vermutungen“ nicht den Strafverfolgungsbehörden übermitteln. Kunden und Vertriebspartner würde er jedoch warnen, „da dies nicht mehr als Zivilcourage ist“.

Opfer einer Schmutzkampagne?

Für Mesut P. dürfte das wie eine Frontalattacke gewirkt haben. Am 17. Mai ließ er Strafanzeige wegen Erpressung und Verleumdung gegen Oskar B. stellen. Drei Tage später zeigte Oskar B. seinen Ex-Chef, einen weiteren Manager, Anwälte und Wirtschaftsprüfer der PIM Gold an. Sein Vorwurf: Veruntreuung von mehr als 1,5 Tonnen Kundengold im Wert von rund 60 Millionen Euro.

Die PIM Gold sieht sich nun als Opfer einer „Schmutzkampagne“ des Ex-Mitarbeiters. In einer eidesstattlichen Versicherung sagt Mesut P., die Vorwürfe des Oskar B. seien „falsch und verleumderisch“. Seine Schätzungen zum Goldbestand beruhten auf falschen oder manipulierten Zahlen. „Etwaige Fehlbestände konnten nach einer kritischen, manuellen Überprüfung der Daten in der EDV bislang nicht festgestellt werden.“

Das Unternehmen teilt mit: „Wir sind sehr sicher, dass dieses Verfahren bald eingestellt wird und sämtliche Anwürfe gegen uns im Sande verlaufen werden.“

Der Anwalt der PIM sagt noch, die „Verleumdungskampagne“ habe einen Kundenansturm ausgelöst, der einem „Bankrun“ gleichgekommen sei. Innerhalb weniger Monate habe man 1,1 Tonnen Gold ausgeliefert. Kein Kunde könne behaupten, sein Gold oder sein Geld nicht erhalten zu haben.

Oskar B. gibt sich davon unbeeindruckt: Er schreibt weiter lange E-Mails an große Verteiler und spricht darin von „Massenbetrug“. Er muss seine Worte mit Bedacht wählen. Es gibt einen Strafbefehl des Amtsgerichts Hanau über 1500 Euro, in dem es auch um die Verbreitung nicht beweisbarer Aussagen geht. Oskar B. hat Einspruch erhoben, die Hauptverhandlung steht noch aus. Der Ex-Mitarbeiter hat nun die Generaldirektoren der PIM und zahlreiche Vertriebsleute angezeigt.

Auch vor Arbeits- und Zivilgerichten zoffen sich die Goldhändler. Den Zusatz „Scheideanstalt“ strich PIM Gold nach einem Rechtsstreit aus dem Namen – ein Erfolg der Bonus.Gold. Die PIM verweist darauf, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig sei.

Die Geschäftszahlen der Streitparteien werfen jedenfalls Fragen auf. Seit 2015 hat PIM Gold keinen Jahresabschluss mehr vorgelegt. Schuld daran sei der „Rachefeldzug“, heißt es aus der Zentrale in Heusenstamm, was Oskar B. bestreitet. Die PIM verspricht Besserung: „Wir gehen davon aus, dass die Bilanz 2018 fristgerecht vorliegen wird.“

Der Wirtschaftsprüfer der Bonus.Gold hatte wiederum sein Testat für 2017 nur eingeschränkt erteilt, weil er Vorräte in Höhe von 13,7 Millionen Euro nicht hinreichend nachweisen konnte. Das ist heikel, denn dieser Posten „beinhaltet das von den Anlegern finanzierte Gold inklusive den Kunden gutgeschriebenes Bonusgold“, wie der Anwalt von Bonus.Gold mitteilt. Den eingeschränkten Vermerk begründet er mit einem „Formfehler“ bei der Prüfung, der sich nicht wiederholen werde.

Konkurrent PIM nutzte das auf seine Art und erstattete Ende Mai erneut Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt, will sich aber nicht weiter äußern. Bonus.Gold ließ mitteilen, dass man von dem Verfahren nichts wisse. Der ebenfalls angezeigte Oskar B. reagierte entrüstet und sprach von „falschen Beschuldigungen“. Staatsanwaltschaften müssen grundsätzlich Strafanzeigen nachgehen.

Zuletzt war Bonus.Gold rasant gewachsen. Im April 2019 belief sich das von Kunden eingelagerte Gold auf über 760 Kilogramm im Wert von rund 28 Millionen Euro. Wirtschaftsprüfer konnten bei einer Inventur an den Unternehmensstandorten in Köln und Istanbul jedoch nur rund 155 Kilogramm vorfinden.

Der Firmenanwalt schickte auf Anfrage einen Auszug aus dem Warenwirtschaftssystem, unterschrieben von einem Bonus.Gold-Mitarbeiter in der Türkei. Demnach liegen 590 Kilogramm – also über 70 Prozent des Kundengoldes – außerhalb des Unternehmens, etwa bei Mitarbeitern, Werkstätten oder Kommissionären.

Die Warenwirtschaft sei „absolut detailliert“, versichert der Anwalt. Jede interne und externe Warenbewegung könne „zu jeder Zeit nachvollzogen werden“. Eine Fehlmenge zwischen Kundenverpflichtungen und tatsächlichen Goldbeständen habe es nie gegeben. Das Handelsblatt konnte sich in Istanbul überzeugen, dass es die türkische Tochterfirma namens „Bonus Gold“ tatsächlich gibt und in ihrem Schaufenster große Mengen Goldschmuck ausliegen.

Goldexperte Siegel warnt Anleger trotzdem: „Ich rate von Firmen grundsätzlich ab, die Gold selbst einlagern. Wenn diese Unternehmen das Anlegergold wie Eigenkapital behandeln, können sie lange überleben. Doch irgendwann kann das Geld weg sein.“ Bonus.Gold vermerkt im Kleingedruckten der AGB: Bei Edelmetallen gebe es eine „hohe Volatilität“. Der Kunde müsse mit Verlust rechnen. Das Risiko besteht auch für PIM-Anleger.

Strafanzeigen, fehlende oder fehlerhafte Geschäftszahlen, ein Bankrun: Die Goldkäufer erfahren von alldem nichts. Im Internet werben die beiden Goldhäuser mit besonderer „Transparenz“. Hinweise auf das Chaos sucht man vergebens.

Mitte Januar trafen sich die Mitarbeiter von PIM Gold zu einem Galaabend in Frankfurt. Frauen in Abendkleidern und Männer in Anzügen klopften sich auf die Schultern und tanzten in die Nacht. Es gab ein Video, unterlegt mit pompöser Musik. Die Botschaft: „Wir freuen uns alle auf eine gemeinsame goldene Zukunft.“ Von Krise keine Spur.

Mehr: Edelmetallsparpläne sind bei Anlegern gefragt. Lesen Sie hier, warum sich die Produkte nicht für alle lohnen und die Gefahr groß ist, gelinkt zu werden.

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2 Kommentare zu "PIM vs. Bonus.Gold: Ein Streit verfeindeter Goldhändler schreckt Anleger auf"

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  • Werte Herren,
    ich war selbst Kunde bei der PIM und bin Kunde bei der Bonus.Gold. Insofern kenne ich beide Welten.
    Was Sie Herr Nagel hier vermischen und redlich recherchiert haben wollen wundert mich sehr.
    Sie scheinen das Modell von BONUS,GOLD überhaupt nicht verstanden zu haben: Hier wird nichts „eingelagert“ wie Sie oben schreiben. Weiter unten schreiben Sie erneut vom „eingelagertem“ Gold in Höhe von 760 kg. Damit legen Sie die Quelle Ihrer seriösen Recherche offen, denn nur jemand, der selbst Gold in Tresoren lagert, kann derartige Mutmaßungen in die Welt setzen.
    Mit Ihrem famosen Artikel verwirren Sie Kunden, indem Sie beide Unternehmen gleich setzen, obwohl hier ein himmelweiter Unterschied besteht. Bei Bonus.Gold gibt es übrigens auch keine Sparpläne, wie Sie bereits in der Headline irreführend anklingen lassen. Durch Ihren Artikel habe ich nun berechtigten Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Handeslblattes bekommen, denn Sie schaden mir als Anleger genauso wie dem Unternehmen selbst. Sie treten hier als einer auf, der offensichtlich „salomonische Weisheit“ besitzt, nur mit dem Unterschied, dass Sie beide Kinder gerne tot sehen möchten. Bravo!

  • klingt nicht sehr seriös ... Investment in Barren, Lagerung in Schmuck ... da fehlen Schmelzkosten in der Bewertung ... und 590 Kilogramm Goldschmuck ... diese Auslage würde mich interessieren zu sehen.
    Und 760kg - 155kg = 605kg ... da fehlen satte 15kg auf die 590kg; d.s. derzeit auch rund T€600 ... ist doch immerhin ein beachtenswerter Betrag.

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