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Preise klettern zum Ferienbeginn Benzin: normal, Preise: super

ADAC und auch Experten aus der Mineralölwirtschaft rechnen nicht damit, dass die Kraftstoffpreise bald wieder nachgeben. Die großen Spieler auf dem deutschen Tankstellenmarkt wie Shell, die zu BP gehörende Aral, Total oder die Exxon-Mobil-Tochter Esso geben zwar aus Angst vor dem Bundeskartellamt keine Preisprognosen mehr ab, aber hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Branche: „Auf dem Mineralölmarkt ist keine Entspannung in Sicht.“
  • Thomas Wiede

DÜSSELDORF. Dabei gibt es durchaus genug Rohöl im Angebot, wie Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst (EID) feststellt. Zahlen aus der Studie „Oeldorado 2005“ von Exxon-Mobil belegen dies: Die weltweite Ölindustrie ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen und erhöhte die Ölförderung um 3,3 Prozent. Raffineriekapazitäten wuchsen um 0,4 Prozent und der Ölverbrauch um 3,2 Prozent. Das Plus bei den Raffinerien reicht aber bei weitem nicht aus. Wie schon in den vergangenen Monaten fehlt es weiter vor allem in den USA an Anlagen, die Rohöl verfeinern können, und bei steigender Nachfrage treibt das den Benzinpreis.

Für die Mineralölkonzerne in Europa führt dies zu einer zwiespältigen Situation: Einerseits können sie sich wegen des Exportsogs in die USA über anhaltend hohe Margen im Raffineriegeschäft freuen – obwohl es auf dem Kontinent eigentlich Überkapazitäten gibt. Andererseits leiden sie am Tankstellengeschäft. „Das erste Quartal war in verschiedenen Schattierungen rot“, heißt es bei einem der großen Konzerne. Bundesweit hat der Absatz von Benzin und Diesel im gleichen Zeitraum gar um vier Prozent nachgelassen.

Im Geschäft an der Zapfsäule zählt eine Bruttomarge von sechs Cent pro verkauften Liter Benzin als die Grenze zur Profitabilität: Laut EID kratzten die Tankstellenunternehmer zum ersten Mal im April an der Marke. Nach drei viel versprechenden Wochen im Mai folgte dann aber wieder die Ernüchterung.

Der für den europäischen Markt maßgebliche Rotterdamer Preis für eine Tonne Normalbenzin hatte am 1. Juni schon bei 499 Dollar gelegen, am 20. des Monats kletterte er bereits auf 547 Dollar. Zur gleichen Zeit gab auch der Euro gegenüber dem Dollar nach, so dass sich die Preissteigerungen auf dem in der US-Währung handelnden Mineralölmarkt ohne den Wechselkurspuffer auch stärker an den Zapfsäulen bemerkbar machten. Dennoch: Die Branche hat es nach eigenem Bekunden noch nicht geschafft, den Preissprung bei den fertigen Kraftstoffprodukten ab Raffinerie an die Kunden weiterzugeben.

Während der ADAC die Preiserhöhungen an den Tankstellen auf den Beginn der Sommerreisewelle zurückführt, sieht Rainer Wiek vom EID den Handlungsspielraum der Betreiber eher begrenzt: „Der Wettbewerb ist in Deutschland sehr stark.“ Das zeige sich an den Spritpreisen, wenn man die Steuern abziehe. „Dann nämlich liegt Deutschland bei Benzin und Diesel unter den 25 EU-Ländern meist im unteren Drittel.“ Nach wie vor gebe es Überkapazitäten bei den Tankstellen, so Wiek. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern: „Viele Mittelständler sind so durch Kreditverpflichtungen gebunden, dass sie gar nicht dichtmachen können“, weiß der EID-Experte.

Die meisten Mineralölkonzerne in Deutschland mag das Tankstellengeschäft zwar nicht zufrieden stimmen. Aber „das Raffineriegeschäft überkompensiert die Probleme an den Zapfsäulen“, sagt Wiek. Schon 2004 war dank des Profits in der Verarbeitung ein gutes Jahr. Im April habe es nun seit Frühjahr 2003 die besten Margen gegeben, hat der EID errechnet.

Wenn da nicht die Öl-Spekulanten wären. Ihr Einfluss lässt sich zwar nicht genau bemessen, „sie machen das Geschäft aber unkalkulierbar“, sagt ein Exxon-Sprecher. Beispiel Heizöl: Die Preise in Deutschland haben ein neues Hoch erklommen – im Sommer. Weil viele darauf wetten, dass es im Herbst zu einem Engpass kommt.

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