Prognose von Goldman Sachs Der Euro rutscht bis 2017 auf 95 US-Cent ab

Vor weniger als zwei Monaten hat Goldman Sachs die Europrognose zum Jahresende 2016 auf einen Dollar geändert. Nun legt die US-Bank eine Wende hin. Auslöser war die Sitzung der Europäischen Zentralbank.
Goldman Sachs erwartet, dass der Euro in drei Monaten auf 1,04 Dollar, in sechs Monaten auf einen Dollar und in zwölf Monaten auf 95 Cent fallen wird. Quelle: dpa
Euro und Dollar

Goldman Sachs erwartet, dass der Euro in drei Monaten auf 1,04 Dollar, in sechs Monaten auf einen Dollar und in zwölf Monaten auf 95 Cent fallen wird.

(Foto: dpa)

New YorkDie US-Bank Goldman Sachs rechnet jetzt wieder damit, dass die Gemeinschaftswährung innerhalb der nächsten zwölf Monate auf 95 US-Cent abrutscht, schrieben die Analysten um Chef- Devisenstrategen Robin Brooksin einer Mitteilung an Kunden am Donnerstag. Vor weniger als zwei Monaten hatten sie ihre Prognose zum Jahresende 2016 für den Euro auf 1 Dollar geändert. Damals erklärte Brooks, er habe die Dezember-Sitzung der Europäischen Zentralbank sehr fehlgedeutet.

Die neu revidierte Prognose „signalisiert veränderte Umstände und eine erneuerte Chance“, schrieb Brooks in einer E- Mail am Donnerstag. „Nach der heutigen EZB-Sitzung halten wir den Abwärtstrend wieder für zwingend, vor allem da die EZB die Möglichkeit einer erneuerten Lockerung so schnell signalisiert hat.“

Was Sie über den Devisenhandel wissen müssen
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Weltweiter Riese

Der Devisenmarkt ist der liquideste Markt der Welt. Währungen werden an diesem Foreign Exchange (FX) direkt oder indirekt zwischen den einzelnen Marktteilnehmern gehandelt.

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Wer handelt da?

Dominiert wird der Devisenmarkt von großen, institutionellen Investoren wie Banken, Hedge- oder Investmentfonds. Wichtig sind insbesondere die Zentralbanken, die über Devisenkäufen oder –verkäufe ihre Währungen zu stützen. Vor allem bei asiatischen Zentralbanken sind diese sogenannten Devisenmarktinterventionen üblich. Privatanleger können allerdings auch am Währungsmarkt aktiv werden, wie etwa die Causa Uli Hoeneß gezeigt hat.

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Wie Privatanleger in den Handel einsteigen

Für den direkten Handel am Devisenmarkt wird ein Depot bei einem entsprechenden Broker benötigt. Immer mehr Online-Broker bieten solche Depots an, Anleger müssen genau hinschauen, um seriöse Angebote herauszufiltern. Verbreiteter ist der indirekte Handel über Derivate. Hier bestehen verschiedene Möglichkeiten.

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Mit welchen Derivaten gehandelt werden kann

Wer die einzelnen Währungspaare nicht direkt kaufen oder verkaufen will, muss auf Derivate ausweichen. Das geht beispielsweise mit Hilfe von Devisenoptionen, also strukturierten Produkten. Mit ihnen erwirbt der Anleger das Recht, eine bestimmte Währung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Wert zu kaufen oder zu verkaufen. Er ist allerdings nicht dazu gezwungen. Eine Kaufoption wird als Call bezeichnet, bei einer Verkaufsoption handelt es sich um einen Put. Grundsätzlich handelt es sich dabei um Wetten auf eine bestimmte Kursentwicklung.

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Was sind Margins?

Eine Margin fordern Banken von ihren Kunden, wenn diese Devisen handeln wollen. Es handelt sich dabei also um Geld, welches zur Absicherung der Geschäfte bei der Bank hinterlegt werden muss. Privatkunden müssen mit Margins von etwa 0,5 bis 2,5 Prozent rechnen. Wer also mit 100.000 Euro Währungen handeln will, muss bei einem Satz von einem Prozent 1000 Euro bei der Depotbank hinterlegen.

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Welche Risiken bestehen?

Wie der Fall Hoeneß gezeigt hat, lassen sich mit Währungsgeschäften zwar sehr schnell viele Millionen erwirtschaften, die Gewinne können sich aber auch genauso schnell wieder in Luft auflösen. Denn oft reichen kleine Kursbewegungen aus, um das Verhältnis zwischen Gewinnen und Verlusten im eigenen Depot zu kippen. Und gerade der Devisenmarkt ist ständig in Bewegung.

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Warum ist der Markt so volatil?

Die starken Schwankungen am Devisenmarkt resultieren aus den zahlreichen Einflussfaktoren, die darauf einwirken. Nicht nur die Zinsen und geldpolitische Entscheidungen können den Wechselkurs beeinflussen, auch politische Ereignisse wie Kriege, die Inflationsrate oder Naturkatastrophen können Währungskurse bewegen.

Die Bank erwartet, dass der Euro in drei Monaten auf 1,04 Dollar, in sechs Monaten auf einen Dollar und in zwölf Monaten auf 95 Cent fallen wird. Am 7. Dezember prognostizierte Goldman noch einen Eurostand von 1,07 Dollar, 1,05 Dollar und einem Dollar für diese Zeiträume. Die neue Projektion ähnelt der vor dem 7. Dezember geltenden Prognose.

Die Median-Schätzung von über 60 Analysten in einer Bloomberg-Umfrage für den Euro lag bei 1,05 Dollar zum 31.12. 2016. Am Freitag notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0837 Dollar.

Die Europäische Zentralbank erwägt weitere Konjunkturmaßnahmen um Inflation und Wachstum anzukurbeln. Die Zinsentscheider würden ihre geldpolitische Haltung im März überprüfen und gegebenenfalls überdenken, erklärte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag. Zuvor hatte die Notenbank ihre Leitzinsen unverändert belassen.

Im Dezember hatte ein Maßnahmenpaket, das weniger aggressiv war als von einigen Investoren erwartet, dem Euro zu einem Höhenflug verholfen. Daraufhin revidierte Goldman Sachs die Euro-Prognose.

Jetzt schätzen die Analysten die Situation anders ein. „Präsident Draghi lässt sich nicht davon abbringen, eine weitere Lockerung zu verfolgen“, schrieb Brooks in der Studie vom Donnerstag. „Vor allem dies dämpft unsere Sorgen hinsichtlich der EZB-Reaktionsfunktion.“

  • Bloomberg
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