Rial-Dollar-Kopplung Fallender Ölpreis erhöht Druck auf saudische Währung

Der fallende Ölpreis setzt Produzenten unter Druck. Vor allem Saudi-Arabien kämpft mit sinkenden Exporteinnahmen. Langsam schmilzen die Devisenreserven des Königshauses. Fällt bald die Rial-Kopplung an den US-Dollar?
Zum Jahreswechsel verfügte Saudi-Arabien über Devisenreserven in Höhe von 628 Milliarden Dollar. Doch immer öfter wird das Geld benötigt, um Haushaltslöcher zu stopfen. Quelle: dpa
Saudi-Arabische Rial

Zum Jahreswechsel verfügte Saudi-Arabien über Devisenreserven in Höhe von 628 Milliarden Dollar. Doch immer öfter wird das Geld benötigt, um Haushaltslöcher zu stopfen.

(Foto: dpa)

FrankfurtWegen des fallenden Preises für das wichtige Exportgut Rohöl wetten immer mehr Anleger gegen die saudi-arabische Währung. Der sogenannte Rial-Forward, ein Terminkontrakt, mit dem sich Investoren einen bestimmten Wechselkurs in einem Jahr sichern, stieg um knapp 30 Prozent auf ein Rekordhoch von 1020 Punkten.

„Die Forwards ziehen an, weil Anleger darauf spekulieren, dass Saudi-Arabien bald die Koppelung des Rial an den Dollar aufgeben oder zumindest lockern muss“, sagte ein Devisenhändler einer großen Bank aus der Golf-Region. Die wegbrechenden Einnahmen aus dem Erdöl-Verkauf ließen die Devisenreserven des Königreichs immer schneller schrumpfen.

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
AT0000743059
Börse
FSE

+1,52 +3,48%
+44,35€
Chart von OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.
OMV
1 von 12

Als einer der wenigen Konzerne hat es der österreichische Öl- und Gaskonzern OMW bisher erfolgreich geschafft, dem Preisverfall an den Ölmärkten die Stirn zu bieten. Die Aktien konnten seit Jahresanfang über 15 Prozent zulegen. Zwar brach der bereinigte Gewinn im dritten Quartal um 25 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Experten hatten jedoch mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung von einem starken Raffineriegeschäft.

Kursentwicklung: + 15,2 Prozent

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
FSE

+0,45 +0,87%
+52,23€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 12

Der französische Öl-Konzern Total sieht angesichts der jüngsten Opec-Konferenz nicht unter Druck. Das läge vor allem daran, dass der derzeitige Ölpreis vieles davon schon eingepreist habe. Allerdings ist der Blick in die Zukunft alles andere als zuversichtlich. 2016 erwartet Total keine Erholung beim Ölpreis. Im kommenden Jahr werde die Fördermenge weiterhin über der Nachfrage liegen. „Ich bin nicht sehr optimistisch für 2016“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanne. Die Aktien haben sich im laufenden Jahr bislang wacker geschlagen. Seit Jahresanfang liegen die Papiere leicht im Plus.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): + 0,8 Prozent

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
FSE

+0,21 +1,35%
+15,91€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
3 von 12

Effizienzsteigerung ist beim italienischen Ölförderer Eni derzeit oberstes Gebot. Zuletzt hatte sich der Konzern daher von der portugiesischen Galp Energia getrennt. Eni verkaufte seinen Vier-Prozent-Anteil für 325 Millionen Euro. Das Geld soll in Investitionen ins Kerngeschäft von Randgesellschaften fließen. Die Aktien haben den Preisverfall an den Rohölmärkten bisher recht gut verkraftet. Analysten der UBS und von Goldman Sachs halten ihre Kaufempfehlungen für die Eni-Aktien daher bei.

Kursentwicklung: - 1,8 Prozent

HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US4062161017
Börse
FSE

-0,16 -0,46%
+35,21€
Chart von HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50
Halliburton
4 von 12

Der zweitgrößte US-Öldienstleister Halliburton muss neben der Flaute in der Energiebranche auch zunächst die Übernahmekosten des Rivalen Baker Hughes verdauen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern daher einen Verlust von 54 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte Halliburton noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der US-Konzern beliefert Ölförderer mit Ausrüstung. Der Investitionsrückgang der großen Ölkonzerne macht Halliburton daher stark zu schaffen.

Kursentwicklung: - 7,0 Prozent

EQUINOR ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50

WKN
ISIN
NO0010096985
Börse
FSE

+0,39 +1,80%
+21,80€
Chart von EQUINOR ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50
Statoil
5 von 12

Der norwegische Ölkonzern sucht fieberhaft nach Möglichkeiten seine Kosten zu drücken, um trotz des Ölpreisverfalls eine Dividende auszahlen zu können. Daher will Statoil im kommenden Jahr seine Ausgaben zur Erforschung neuer Ölquellen und Produktionsmethoden senken. „Unsere Aktivitäten werden im nächsten Jahr abnehmen“, erklärte der Chef der Statoil-Forschungsabteilung Tim Dodson.

Kursentwicklung: - 9,8 Prozent

BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
GB0007980591
Börse
FSE

+0,01 +0,23%
+6,14€
Chart von BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25
BP
6 von 12

Unter dem Öl-Überangebot leidet auch die britische BP. Seit dem 1. Januar haben die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Im kommenden Jahr rechnen die Experten mit einem KGV von 15,3. Doch angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten muss mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen. Ein KGV von 15,3 könnte daher als gewagte Prognose verstanden werden. Bei BP überwiegen derzeit die Abwärtsrisiken die Aufwärtschancen.

Kursentwicklung: - 15,4 Prozent

EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30231G1022
Börse
FSE

+0,46 +0,68%
+68,41€
Chart von EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exxon Mobil
7 von 12

Auch der größte Ölkonzern der Welt kann dem Preisverfall kaum etwas entgegensetzen. Im laufenden Jahr haben die Aktien von Exxon Mobil fast 17 Prozent verloren. Der Gewinn fiel im dritten Quartal um satte 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen die Produktion zum Vorjahr leicht steigerte, blieb wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld in der Kasse. Exxon hält mit kräftigen Ausgabenkürzungen dagegen. „Wir legen den Fokus schonungslos auf die Fundamentaldaten, dazu zählt das Kostenmanagement“, erklärte Vorstandschef Rex Tillerson.

Kursentwicklung: - 16,9 Prozent

Volkswirt Jean-Michel Saliba von der Bank of America Merrill Lynch zufolge sei dies unwahrscheinlich, wenn sich der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau stabilisiere. Die Sicherheitspuffer der Notenbanken Saudi-Arabiens und anderer Golf-Staaten, die ihre Währungen ebenfalls an den Dollar gekoppelt haben, seien ausreichend groß. Sein Kollege Jason Tuvey vom Research-Haus Capital Economics betonte, die Staaten würden voraussichtlich eher ihre Ausgaben kürzen als die Währungen abzuwerten.

Zum Jahreswechsel saß Saudi-Arabien auf einem Guthaben im Volumen von 628 Milliarden Dollar. Das entspricht in etwa dem Dreieinhalbfachen der Bundesbank-Reserven. 2015 musste die saudische Notenbank allerdings ein etwa 100 Milliarden Dollar großes Haushaltsloch stopfen. Der Etat für das laufende Jahr sieht ein Minus von 87 Milliarden Dollar vor. Die Defizite nähren allerdings die Furcht von einem Zahlungsausfall Saudi-Arabiens. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets saudischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich am Dienstag um 7000 auf 196.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Damit lag der Kurs wieder auf dem in der Vorwoche markierten Sechseinhalb-Jahres-Hochs.

Diese Männer wollen den Ölpreis bestimmen
Treffen der Opec
1 von 14

Treffen der Opec in Istanbul. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) würden die Fördermenge gerne begrenzen. Im September 2016 hatte das Ölkartell auch einen entsprechenden Plan verkündet. Passiert ist seitdem aber wenig. Die Skepsis wächst, dass es überhaupt zu einem Abkommen kommt. Diese Männer ringen um eine Einigung.

Saudi-Arabien
2 von 14

Khalid al-Falih ist seit Mai 2016 Ölminister von Saudi-Arabien – und damit ein mächtiger Mann. Sein Land ist der wichtigste Akteur im Ölgeschäft. Doch auch den Scheichs macht der niedrige Ölpreis zu schaffen.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 158 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 266 Milliarden Barrel

Venezuela
3 von 14

Der venezolanische Öl- und Bergbauminiser Eulogio del Pino. Vor einigen Jahren überholte Venezuela Saudi-Arabien, was die größten Öl-Reserven der Welt angeht.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 36 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 301 Milliarden Barrel

Die folgenden Teilnehmer des OPEC-Treffens sind nach den Öl-Reserven ihrer Heimatländer sortiert. Quelle: OPEC

Iran
4 von 14

Der iranische Öl-Minister Bijan Namdar Zanganeh. Im Handelsblatt-Interview hatte er schon früh die Position seines Landes deutlich gemacht, sobald die Sanktionen gegen das Land aufgehoben sind: „Wir wollen schrankenlos Öl und Gas exportieren“

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 27 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 158 Milliarden Barrel

Irak
5 von 14

Adil Abd Al-Mahdi war bis 2016 irakische Ölminister. Auf ihn folgte Jabbar Ali Hussein Al-Luiebi.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 54 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 143 Milliarden Barrel

Kuwait
6 von 14

Der Finanz- und Ölminister Kuwaits: Anas Khaled Al-Saleh.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 49 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 101 Milliarden Barrel

Vereinige Arabische Emirate
7 von 14

Der Energie- und Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Mohamed Al-Mazrouei.

Jährliche Öl-Exporte (Wert): 52 Milliarden Dollar

Öl-Reserven: 98 Milliarden Barrel

Ein Koppelung der Währung an den Dollar hält die Inflation in Golf-Staaten niedrig. Außerdem vereinfacht sie den Handel mit dem in Dollar abgerechneten Rohöl. Der offizielle Wechselkurs des Dollar liegt derzeit bei 3,75 Rial. Mit Termingeschäften können sich Investoren gegen eine Abwertung absichern.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Rial-Dollar-Kopplung - Fallender Ölpreis erhöht Druck auf saudische Währung

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%