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Rohstoffe bewegen die Welt Der Kampf um die Bodenschätze

Ohne Rohstoffe entsteht nichts. Keine Straßen, keine Häuser, keine Autos, keine Mobiltelefone. Bodenschätze wie Eisenerz, Kufer, Zink und Nickel sind gefragt und teuer wie nie, weil aufstrebende Mächte wie China sie für ihre Industrialisierung brauchen.
  • Dirk Hinrich Heilmann
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Hohe Machtkonzentration: Kohle-Bergbau-Aktivitäten des Rio-Tinto-Konzerns in Australien. Foto: Reuters

Hohe Machtkonzentration: Kohle-Bergbau-Aktivitäten des Rio-Tinto-Konzerns in Australien. Foto: Reuters

LONDON. Die Welt steht Kopf. Jahrzehntelang war der Bergbau eine vernachlässigte Branche, ein schmutziges Geschäft mit uninteressanten Renditen, kritisiert für die Ausbeutung der sogenannten dritten Welt. Heute sind die Minenkonzerne obenauf. Die Industrialisierung Chinas, Indiens und anderer Schwellenländer hat die Preise für Metalle in ungeahnte Höhen getrieben und den Bergbaukonzernen die Kassen gefüllt.

Der Boom ist so gewaltig, dass die Unternehmen nicht einmal eine Rezession in den USA fürchten. Sie haben eine Fusionswelle in Gang gesetzt, die Giganten einer neuen Dimension schaffen wird. Das weckt in den rohstoffabhängigen Industrieländern Ängste.

Schon jetzt ist die Machtkonzentration im Bergbausektor hoch. Das zeigt sich, wenn man die Mengen betrachtet, die für den Export bereitstehen – sie bilden das Angebot, das einer wachsenden globalen Nachfrage gegenübersteht.

Das augenfälligste Beispiel hier ist Eisenerz: Der brasilianische Konzern Vale hat einen Anteil von mehr als einem Drittel am weltweit verschifften Eisenerz. Gelingt dem britisch-australischen Weltmarktführer BHP Billiton die Übernahme des Konkurrenten Rio Tinto, wären die beiden zusammen die neue Nummer eins. Dann kontrollieren zwei Unternehmen mehr als zwei Drittel des verfügbaren Eisenerzes. Zum Vergleich: In der Öl- und Gasindustrie kontrolliert Weltmarktführer Exxon Mobil gerade knappe fünf Prozent der Weltproduktion.

Die Stahlindustrie läuft deshalb Sturm gegen die Fusion von Rio Tinto und BHP. Schließlich musste sie in den vergangenen Jahren eine Serie enormer Preiserhöhungen hinnehmen. Und für 2008 setzte Vale mit einem Preissprung von 65 Prozent für Eisenerzlieferungen an asiatische und europäische Stahlhersteller den Richtwert für kommende Abschlüsse. Gäbe es nur noch zwei Verkäufer, würden die Preiserhöhungen noch drastischer ausfallen und der Anreiz für die Erschließung neuer Bergwerke würde sinken, klagt der europäische Stahlverband Eurofer. Für den zweiten wichtigen Rohstoff der Stahlindustrie, Kokskohle, käme ein neuer Marktführer aus BHP und Rio sogar auf einen Anteil von fast der Hälfte des weltweit gehandelten Materials.

Während Eurofer die Europäische Kommission nachdrücklich zum Einschreiten auffordert, lässt China bereits mit direkten Eingriffen in den Übernahmekampf die Muskeln spielen. Der Staatskonzern Chinalco hat sich kurzerhand mit neun Prozent bei Rio Tinto eingekauft, um die Megafusion auf diesem Wege zu verhindern. Ob das gelingt, ist offen, aber China hat sich immerhin einen Platz am Verhandlungstisch gesichert. Für die neue Wirtschaftsmacht aus Asien sind die hohen Rohstoffpreise das Wachstumsrisiko Nummer eins.

Andere aufstrebende Staaten profitieren dagegen kräftig vom aktuellen Rohstoffboom. In Südamerika hat der Reichtum an Bodenschätzen in vielen Ländern zu einem neuen wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Brasilien hat mit Vale einen Weltkonzern hervorgebracht; Chile dominiert mit Codelco den Kupfermarkt. Südafrikas relativer Wohlstand beruht schon seit Jahrzehnten auf den Erträgen der Gold- und Platinminen. Unter den etablierten Wirtschaftsmächten profitieren vor allem Australien und Kanada, aber auch die USA von ihren Bodenschätzen. Eine große Rolle spielt auch Russland, wo sich inzwischen nationale Giganten mit internationalen Ambitionen formiert haben.

Der Boom hat eine gewaltige Investitionswelle ausgelöst. Die Rohstoffkonzerne haben bestehende Bergwerke erweitert und neue Projekte in den etablierten Produktionsländern realisiert. Nun treibt es sie in neue Gefilde. Eines davon ist Afrika: Der britisch-südafrikanische Konzern Anglo American hat ein Bündnis mit der China Development Bank für gemeinsame Projekte auf dem Kontinent geschlossen. Länder wie der Kongo erschließen Rohstoffreserven, die bisher mangels Infrastruktur und politischer Stabilität niemand bergen wollte. Schließlich ist ein Bergwerk eine Investition mit einem Zeithorizont von 15 bis 20 Jahren. Auch in Indien könnte es nach Einschätzung von Geologen enorme Erzreserven geben, doch diese sind noch nicht einmal erforscht.

Eine rasche Entspannung der Märkte und sinkende Preise dank höherer Produktion sind allerdings nicht zu erwarten. Es dauert viele Jahre, bis eine neue Mine zu produzieren beginnt, und die Bergbaukonzerne kämpfen mit gewaltigen Kostensteigerungen wegen der allgegenwärtigen Knappheit von Arbeitskräften und Material. Ein Großteil des Investitionswachstums verpufft wegen der Inflation – ähnlich wie in der Öl- und Gasindustrie.

Anders als die Ölmultis haben die Rohstoffriesen allerdings den Vorteil, dass ihnen der Großteil der weltweiten Reserven an Metallen prinzipiell zugänglich ist. Die bedeutendsten Minen der Welt – das zeigt die Grafik – liegen in politisch stabilen Ländern mit freien Märkten, während die Öl- und Gasreserven zu mehr als drei Vierteln in staatlichen Händen sind. Die Minenkonzerne haben es weitgehend selbst in der Hand, die Produktion und damit auch die Preise zu steuern.

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