Rohstoffe Das Ende der Billig-Bohne

Nach Jahren der Depression erholen sich die Rohstoffmärkte. Das liegt nicht nur am Öl, sondern auch an Agrarrohstoffen. Ist das Comeback der Auftakt eines Bullenmarktes oder nur ein kurzes Zwischenhoch?
Update: 07.06.2016 - 15:39 Uhr 5 Kommentare
Der Agrarrohstoff hat in diesem Jahr seinen Wert um ein Drittel gesteigert. Quelle: Imago
Sojabohnen

Der Agrarrohstoff hat in diesem Jahr seinen Wert um ein Drittel gesteigert.

(Foto: Imago)

Frankfurt am MainNoch bis Ende Januar schienen Rohstoffe die hoffnungsloseste aller Anlageklassen: Hochspekulativ und mit hohen Verlusten verbunden. Und es stimmte ja auch: Nicht nur die Ölpreise waren so niedrig wie seit zwölf Jahren nicht. Die schwächelnde chinesische Wirtschaft ließ auch die Industriemetalle einbrechen. Und auch bei den Agrarrohstoffen wie Sojabohnen, Kaffee oder Zucker schien ein jahrelanger Negativtrend nicht enden zu wollen.

Doch kommt jetzt die Kehrtwende? Seit einigen Wochen boomt der Rohstoffmarkt. Die Preise steigen. Und das lässt Rohstoffindizes in die Höhe schießen. Seit Jahresbeginn ist der Goldman Sachs Commodity Index um 21,5 Prozent gestiegen, der Dow Jones Rohstoffindex um 19 Prozent und der Bloomberg Rohstoffindex immer noch um 11,7 Prozent. Rohstoffe scheinen „endlich wieder in eine Erholungsphase“ einzutreten, schätzt der Citigroup-Analyst Edward Morse.

Ein Grund für die Kehrtwende: Nach den Preisverfällen der vergangenen fünf Jahre wurden etliche Minen geschlossen, etwa von Kupfer und Zink. Die Investitionen der Rohstoffunternehmen sanken laut der Ratingagentur Standard & Poors allein im Jahr 2015 um zehn Prozent. Und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) rechnet mit weiter fallenden Investitionen bei einer stabilen Nachfrage. Der Trend zeige daher nach oben. „Mit den zahlreichen Drosselungen auf der Angebotsseite wird aktuell bereits wieder die Basis für die nächste Rohstoff-Hausse gelegt“, sagte Chefvolkswirt Uwe Burkert bei der Veröffentlichung des „Commodity Yearbook 2016“ des LBBW-Research.

Wie schnell das gehen kann, ist derzeit beim Öl zu erkennen, das seit seinem Jahrestiefpunkt von 27 auf über 50 Dollar einen regelrechten Preissprung hingelegt hat. Der Ölpreis ist in vielen großen Rohstoff-Indizes schwer gewichtet. So stehen die Sorten Brent und WTI im Bloomberg-Index für fast 18 Prozent. Doch die Hausse der Rohstoffe ist längst nicht nur eine Geschichte vom Öl.

Eine (Preis-)Erfolgsgeschichte feiern im Moment auch einige Agrarrohstoffe. Allen voran Sojabohnen, die sich seit Jahresbeginn um ein Drittel verteuert haben. Grund dafür sind Engpässe auf dem Weltmarkt. Das treibt mittlerweile sogar amerikanische Schweinezüchter in die Enge. Die konnten sich zwar bislang über gestiegene Exporte freuen – elf Prozent mehr als im Vorjahr. Doch die Schweine werden zu einem großen Teil mit Sojamehl gefüttert. Die Exportprofite werden von den hohen Sojapreisen quasi aufgefressen.

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5 Kommentare zu "Rohstoffe: Das Ende der Billig-Bohne"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Regularitis ist der Tod eines jeden Marktes. Man muss bei den Ursachen beginnen, und das ist die Produktion virtuellen Spielgelds durch die Notenbanken

  • Die Spekulation ist ein wichtiges Korrektiv, sie verhindert Markt-Übertreibungen und macht einige wohlhabend also mich.

  • Lieber Matthias Streit,

    Sie haben um 14:28 Uhr diesen Artikel online gestellt.

    Sorry, dass ich erst jetzt, eine Stunde später diesen kommentiere.
    Ich schaue sonst alle 20 Minuten hier nach freien Möglichkeiten durch, aber heute habe ich das irgendwie verpasst, ist wohl die Hitze.

    Zum Glück haben aber vor mir schon zwei Kommentier-Kameraden ihre Plicht getan.

  • " Leerverkäufe " garantieren einen funktionierenden und effizienten Markt. So einfach ist das.


  • Solange es der Politik nicht gelingt, "Leerverkäufe" an den Börsen zu unterbinden, solange wird die Spekulation mit Rohstoffen ein schmutziges Geschäft bleiben, das schon zahlreiche Kleinbauern in den Suizid getrieben hat.

    Dabei wäre es so einfach:

    Wer Ware verkauft, sollte sie auch tatsächlich besitzen, und nicht erst am Abend, wenn die Börse schließt, und sich der Kurs in die von ihm gewünschte Richtung bewegt hat, die Ware kaufen dürfen, die er am Morgen bereits verkauft hatte.

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