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Rohstoffe Der Iran-Konflikt treibt die Ölpreise – doch langfristig droht eine Öl-Schwemme

Der Ölpreis steigt auf ein Sieben-Wochen-Hoch. Für das Ölkartell Opec ist das ein Erfolg. Doch der Preisanstieg ist trügerisch.
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Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstagmorgen gut 65 Dollar. Quelle: Reuters
Ölplattformen des Iran (Archivbild)

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstagmorgen gut 65 Dollar.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es war keineswegs eine ausgemachte Sache, dass das Opec-Treffen Anfang Juli in Wien ein Erfolg werden würde. Nachdem klar wurde, dass das Ölkartell und zehn weitere Staaten ihre Produktion bis mindestens März 2020 künstlich niedrig halten werden, sanken die Ölpreise zunächst sogar. Doch mittlerweile zeichnet sich eine Trendwende ab.

Seit Anfang Juli haben die Preise für den wichtigen Energieträger um mehr als acht Prozent angezogen. Die US-Ölsorte WTI kostete am Donnerstag erstmals seit sieben Wochen wieder mehr als 60 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich auf mehr als 67 Dollar pro Fass.

Ein Preistreiber dürfte das die Verknappung des Ölangebots der Opec-plus-Staaten sein, allen voran durch Saudi-Arabien und Russland. Tatsächlich zeigen am Donnerstag veröffentlichte Daten der Opec-Forschungsabteilung: Das Angebot der 14 Mitgliedsstaaten des Förderkartells ist im Juni weiter leicht gesunken. Allerdings haben vor allem Nigeria und Saudi-Arabien im Vergleich zum Vormonat mehr produziert.

Insbesondere die ausgeweitete Produktion der Saudis ist eine Überraschung: Saudi-Arabien treibt die im Dezember 2018 beschlossenen und bis März 2020 verlängerten Produktionskürzungen eigentlich voran. Geeinigt hatten sich die 24 Staaten der Opec-plus-Allianz darauf, ihre Tagesproduktion um 1,2 Millionen Barrel zu reduzieren.

Doch auch im Juni förderte das Königreich weniger, als es dürfte. Im Juli und August könnte es so weitergehen: Der Branchendienst S&P Global Platts berichtet, dass Saudi-Arabien weniger als zehn Millionen Barrel täglich fördern will. Erlaubt wären nach dem Opec-plus-Deal 10,3 Millionen. Das Königreich könnte jedoch auch ohne Mühe zwölf Millionen Barrel am Tag fördern.

Durch den Verzicht versucht der saudische Ölminister Khalid Al-Falih, auch „Zentralbanker des Ölmarktes“ genannte, die Preise zu stützen. Doch das wird teuer erkauft: Die Opec hat gegenüber Konkurrenten wie den USA zuletzt immer mehr Marktanteile eingebüßt. Im Juli lag der Marktanteil der Opec-Staaten an der weltweiten Ölproduktion erstmals seit Jahrzehnten unter 30 Prozent.

Hinzu kommt: Aus Sicht der Rohstoffexperten der Commerzbank hat Al-Falih aktuell vor allem Glück. Der jüngste Preisanstieg habe nur bedingt etwas mit dem Opec-plus-Deal zu tun, schreibt Commerzbank-Experte Carsten Fritsch in einer Analyse. Im Golf von Mexiko braue sich ein Tropensturm zusammen, der in Richtung US-Küste ziehen soll.

US-Ölfirmen haben daher Offshore-Plattformen im Golf von Mexiko evakuiert, auf denen 17 Prozent des amerikanischen Öls gefördert werden. „Mehr als 600.000 Barrel an täglicher Produktionskapazität sind betroffen“, erläutert Fritsch.

Zudem habe ein überraschend hoher Abbau der US-Lagerbestände den Preisen Auftrieb verliehen. Die US-Rohölbestände waren Zahlen der US-Energiebehörde zufolge um 9,5 Millionen Barrel gesunken. Sinkende Lagerbestände sind ein Zeichen, dass die Nachfrage das Angebot am Ölmarkt kurzzeitig übersteigt. Daher werden diese von Marktteilnehmern als Signal für steigende Preise gewertet.

Aufwärtspotenzial bei Preisen begrenzt

Außerdem werden die Ölpreise weiter durch die Sorge vor einem militärischen Konflikt im Nahen Osten gestützt. Am Morgen hatte die britische Regierung US-Medienberichte bestätigt, dass iranische Militärschiffe versucht haben, in der für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormus die Durchfahrt eines britischen Öltanker zu behindern.

Doch abgesehen von kurzfristigen Preistreibern wie Lagerbeständen, Naturkatastrophen oder auch einer Eskalation am Persischen Golf seien die Möglichkeiten für steigende Preise begrenzt, schreiben die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs.

Das liege am Boom des US-Schieferöls. Die Bank erwartet, dass die US-Produktion 2019 und 2020 um 1,3 und 1,2 Millionen Barrel täglich steigt. Damit gleichen die USA die Produktionskürzungen der Opec vollständig aus. Zudem übersteigt das US-Angebotswachstum den Goldman-Schätzungen zufolge das weltweite Nachfragewachstum.

Auch die Opec selbst geht davon aus, dass das Ölangebot im kommenden Jahr außerhalb des Kartells rasant wachsen dürfte. Neben den USA dürften demnach auch Kanada und Brasilien ihre Produktion ausweiten. 2020 dürfte das Angebotswachstum außerhalb der Opec doppelt so hoch ausfallen, wie das Nachfragewachstum, erwarten die Opec-Researcher.

Für den Zentralbanker des Öls, Al-Falih, bedeutet das: Sein Land Saudi-Arabien wird den schmerzhaften Kurs der Produktionskürzungen noch länger fortführen müssen, um den Ölpreis oben zu halten.

Mehr: Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

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