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Rohstoffe Der Ölpreis steigt – daran ändert auch Trumps Gepolter nichts

US-Präsident Trump kann poltern, wie er will – der Ölpreis steigt weiter. Ein hochrangiger Öl-Manager sieht gar die Marke von 100 Dollar in Reichweite.
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Vor der Uno hatte der US-Präsident die Opec-Staaten scharf attackiert. Quelle: dpa
Donald Trump

Vor der Uno hatte der US-Präsident die Opec-Staaten scharf attackiert.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Verschnaufpause währte nur kurz: Nach einem leichten Preisrückgang am Vortag hat der Ölpreis am Donnerstag seine Rally fortgesetzt. Der Preis für die Nordseesorte Brent notierte am Nachmittag knapp unter der Marke von 82 Dollar pro Barrel (159 Liter). Auch die US-Sorte WTI verteuerte sich um 0,8 Prozent auf über 72 Dollar pro Barrel.

Grund für den jüngsten Preisanstieg waren Aussagen des US-Energieministers Rick Perry vom Mittwochabend: Er lehnte es ab, die strategischen Ölreserven weiter anzuzapfen. Erst im August hatten die USA Millionen von Barrel aus den Notbeständen zum Abverkauf im Oktober und November freigegeben, um den Ölpreis einzudämmen.

Experten interpretierten dieses Vorgehen als einen Versuch, höhere Benzinpreise kurz vor den Kongresswahlen im November zu verhindern, die als wichtiger Stimmungstest für Präsident Donald Trump gelten.

Doch Perry hält davon offenbar wenig: Die Auflösung der strategischen Ölreserven hätte nur „einen recht kleinen und kurzfristigen Einfluss“ auf den Ölpreis, sagte Perry. Vielmehr setzten die USA darauf, dass andere Ölförderer die wegen der Iran-Sanktionen wegfallenden Barrel ausgleichen können.

Die US-Sanktionen gegen den Iran sollen ab November vollständig in Kraft treten – nur zwei Tage vor den wichtigen Kongresswahlen in den USA. „Es ist daher durchaus möglich, dass die Ölpreise und damit auch die Benzinpreise bis zum Wahltag weiter steigen“, erwarten die Rohstoffanalysten der Commerzbank. Das will der US-Präsident unbedingt verhindern.

Denn die US-Wähler gelten als sensibel, wenn Effekte wie ein hoher Benzinpreis ihr verfügbares Einkommen schmälert – sie könnten das zum Anlass nehmen, Trump bei der Midterm-Wahl einen Denkzettel zu verpassen.

Um die Ölpreise zu kontrollieren, ist Trump auf das Wohlwollen des Ölförderkartells Opec angewiesen – doch die Opec-Staaten machten bei ihrem informellen Treffen in der vergangenen Woche keine Anstalten, ihre Produktion auszuweiten.

Trump ließ sich daher zu Beginn der Woche zu einer Verbal-Attacke auf das Kartell hinreißen. „Die Opec und die Opec-Staaten zocken wieder mal den Rest der Welt ab“, sagte er vor der Uno-Vollversammlung. „Wir werden uns diese furchtbaren Preise nicht länger gefallen lassen.“ Zudem drohte er den mit den USA verbündeten Opec-Staaten wie Saudi-Arabien, für militärischen Schutz in Zukunft Geld sehen zu wollen.

Ob Donald Trump durch solche Drohgebärden bei seinen Verbündeten auf Gehör stößt, ist unklar. Doch selbst, wenn die Opec helfen wollte – sie könnte den Wegfall des iranischen Öls gar nicht vollständig kompensieren, sagt Spencer Welch, Rohstoffanalyst bei IHS Markit. „Trump verlangt von der Opec, den Ölpreis zu kontrollieren, indem sie die Produktion ausweitet. Aber sie hat gar nicht die Fähigkeiten, das zu tun, zumindest nicht kurzfristig.“

Der Chef des französischen Ölkonzerns Total, Patrick Pouyanné, glaubt angesichts dieser Gemengelage, dass der Brent-Preis auf 100 Dollar pro Barrel steigen könnte. „Ich bin nicht sicher, ob das eine gute Nachricht ist“, sagte er. Ein Ölpreis auf diesem Niveau könnte die globale Wirtschaft abwürgen – und damit die Nachfrage mittelfristig sogar drücken.

Viele Analysten erwarten, dass die derzeitige Rally am Ölmarkt nicht von langer Dauer ist. Ab Mitte 2019 sollte sich der Preis wieder in Richtung 70 Dollar pro Barrel entwickeln, erwartet etwa Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

Doch für die Wahl im November hilft das Trump nicht. Erschwerend kommt für den US-Präsidenten hinzu, dass auch die Märkte immer seltener auf seine Opec-Attacken reagieren. Noch im Juli gingen die Preise nach den ersten Anti-Opec-Tweets des US-Präsidenten leicht zurück. Von der jüngsten Uno-Rede zeigten sich die Händler jedoch unbeeindruckt. Trumps Einfluss auf den Ölpreis schwindet mit jeder Attacke.

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

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1 Kommentar zu "Rohstoffe: Der Ölpreis steigt – daran ändert auch Trumps Gepolter nichts"

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  • Der Markt ist der Markt. 100 Dollar haben wir gehabt, und das nicht nur fuer einige Wochen.
    Kann wiederkommen - waere keine Katastrophe, denn die Foerderlaender kaufen dann auch wieder mehr. Und es waere ein guter Anreiz Energie zu sparen und energiesparende
    Technik schneller zu entwickeln.