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Raffinerie in Leuna

Rohöl der Sorten Brent und WTI haben an Wert verloren.

(Foto: dpa)

Rohstoffe Der Ölpreisrutsch schürt neuen Streit in der Opec

Innerhalb von wenigen Wochen hat sich der Ölpreis um 20 Prozent verbilligt. Der Einbruch verschärft die Differenzen zwischen Saudis und Russen.
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FrankfurtAm Ölmarkt herrscht Ausverkaufsstimmung: Die US-Sorte WTI hat sich seit ihrem Jahreshoch im April um über 20 Prozent verbilligt. Beobachter sprechen bei einem Kurseinbruch in diesem Ausmaß von einem Eintritt in einen Bärenmarkt, der weitere technische Verkäufe auslösen könnte. Auch die Nordseesorte Brent steht mit knapp 17 Prozent kurz vor einem Bärenmarkt.

Für Verkaufsdruck hatten zuletzt Daten der US-Energiebehörde EIA gesorgt. Demnach sind die Lagerbestände in den USA für Rohöl, Diesel, Benzin und andere Ölprodukte mit insgesamt 22 Millionen Barrel (rund 159 Liter) überraschend stark gestiegen.

Das war der größte Anstieg seit 1990. Zunehmende Lagerbestände werden an den Märkten üblicherweise als Signal für eine schwächere Ölnachfrage in der Zukunft gesehen und wirken daher als Preisdämpfer.

Ein Mix aus geringerer Ölnachfrage, steigenden Importen und einer US-Ölproduktion auf Rekordniveau habe zu dem starken Lageraufbau geführt, sagte Julian Lee, Ölmarktstratege beim Finanzdienst Bloomberg. Aus Sicht von Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank, schüren die Zahlen Sorgen wegen eines Überangebots auf dem Weltmarkt. „Ein so kräftiger Lageraufbau in den USA passt nicht so recht zusammen mit einem ansonsten unterversorgten Ölmarkt.“

Denn das Angebot aus dem krisengeplagten Venezuela sowie aus dem durch US-Sanktionen blockierten Iran sinkt weiter. Dafür steigt die Ölproduktion in den USA weiter an. Allerdings haben Pipeline-Engpässe zuletzt dazu geführt, dass die Ölexporte der USA nicht im gleichen Ausmaß gestiegen sind.

Diese zwei gegenläufigen Bewegungen spiegeln sich auch an den Rohstoff-Terminbörsen wider. Bei der Nordseesorte Brent ist Öl zur Lieferung im August rund einen Dollar teurer als der September-Kontrakt. Das spricht dafür, dass das Angebot für Brent knapp ist. Bei der US-Sorte WTI ist die Lieferung zum August dagegen etwas günstiger als die September-Lieferung. Das ist ein Zeichen dafür, dass US-Öl am Weltmarkt derzeit reichlich vorhanden ist.

Der Preissturz am Ölmarkt sowie die steigenden Lagerbestände dürften auch den Streit innerhalb der Förderallianz Opec+ über eine Verlängerung der Förderkürzungen anheizen. Der Verbund um die wichtigsten Exporteure Saudi-Arabien und Russland hatte sich im vergangenen Dezember dazu verpflichtet, seine Produktion um insgesamt 1,2 Millionen Barrel täglich zu drosseln. Der Deal läuft Ende Juni aus.

Der Streit nimmt kein Ende

Die Saudis hatten zuletzt auf eine Verlängerung bis Jahresende gedrängt. Der jüngste Ölpreiseinbruch dürfte dieses Drängen noch verstärken, sagt Helima Croft, Opec-Expertin der Investmentbank RBC Capital Markets. „Ölminister Khalid Al-Falih dürfte signalisieren, dass das Königreich zurück im ‚Koste es, was es wolle‘-Modus ist und seine Produktion sogar zurückfahren könnte.“

Ein Streit mit Russland scheint dann unausweichlich. Präsident Putin hob am Donnerstag in Sankt Petersburg die Differenzen mit Saudi-Arabien hervor. „Wir sind unterschiedlicher Meinung, was einen fairen Ölpreis angeht“, sagte Putin. „60 bis 65 Dollar passt uns gut.“

Der russische Staatshaushalt sei bereits bei einem Ölpreis von 40 Dollar ausgeglichen, erklärte Putin. Die Förderkosten des saudischen Staatskonzerns Aramco sind zwar deutlich geringer. Doch das Land benötigt Schätzungen von Experten zufolge einen Ölpreis von über 80 Dollar für einen ausgeglichenen Haushalt. Der Streit könnte bei einem Treffen der Opec+-Allianz Ende Juni in Wien erneut aufflammen.

Mehr: Zyklische Rohstoffe wie Öl oder Kupfer erlebten den bislang stärksten Ausverkauf des Jahres. Weltweit stehen die Zeichen auf Abschwung.

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