Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Rohstoffe Die Opec kämpft mit Mühe gegen den Ölpreisverfall

Das Kartell reagiert mit neuen Förderkürzungen auf die Ölpreisschwäche. Hinter den Kulissen laufen längst Sondierungen für weitere Maßnahmen. Mittendrin: das Schwergewicht Saudi-Arabien.
Kommentieren
Der Schieferölboom in den USA ändert das Machtgefüge in der Branche. Quelle: Moment/Getty Images
Blick auf eine Ölraffinerie

Der Schieferölboom in den USA ändert das Machtgefüge in der Branche.

(Foto: Moment/Getty Images)

Frankfurt Den Aufstieg der US-amerikanischen Schieferölindustrie hat Thomas Gutschlag aus nächster Nähe miterlebt. Der Chef des Mannheimer Explorationsunternehmens Deutsche Rohstoff AG entwickelt seit 2011 Ölprojekte in den USA, vor allem in den Bundesstaaten Colorado, Utah und North Dakota. Was sich dort und vor allem im Hotspot der US-Ölförderung, dem Permian-Becken im Südwesten des Landes abspielt, hat kaum jemand vorhergesehen.

Zwischen 2016 und 2018 haben die USA ihre Ölproduktion der US-Energiebehörde EIA zufolge von 8,8 auf knapp elf Millionen Barrel (rund 159 Liter) täglich gesteigert. 2019 könnten es Schätzungen des Branchendienstes Rystad Energy bereits zwölf Millionen Barrel sein. Damit sind die USA innerhalb weniger Jahre vom wichtigsten Ölimporteur zum weltgrößten Produzenten aufgestiegen.

„Die Amerikaner haben die Schieferölförderung perfektioniert“, erklärt Gutschlag die Entwicklung. „Sie werden jedes Jahr sieben bis acht Prozent günstiger bei gleichzeitig höherer Ausbringung.“ Der Manager ist daher überzeugt: „Diese Entwicklung ist noch nicht am Ende. Es gibt in Zukunft noch viel Potenzial.“

Und Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, prognostizierte bereits Anfang des Jahres: „Wer denkt, wir haben bereits die volle Wirkung der Schieferölrevolution gesehen, begeht einen großen Fehler.“

Der Boom in den USA hat das Machtgefüge am Ölmarkt grundlegend verschoben. Die im Ölförderkartell Opec zusammengeschlossenen Exportstaaten müssen hinnehmen, dass ihr Marktanteil immer weiter sinkt. Welche Anstrengungen das Kartell unternimmt, um den Preis zu stabilisieren, unterstreicht der am Freitag veröffentlichte Monatsbericht der Opec-Forschungsabteilung.

Grafik

Demnach ist die Ölproduktion der Opec-Mitglieder im Juli um 246.000 auf 29,6 Millionen Barrel gesunken. Den Löwenanteil der Produktionskürzungen hat einmal mehr Saudi-Arabien gestemmt, das mächtigste Mitglied. Das Königreich hat seine Produktion im Vergleich zum Monat Juni um 134.000 Barrel reduziert. Derzeit fördern die Saudis 9,6 Millionen Barrel täglich. 2018 waren es im Schnitt noch 10,3 Millionen.

Das bedeutet: Beim derzeitigen Ölpreis lässt sich das Königreich Einnahmen von rund 40 Millionen Euro pro Tag entgehen. Seit Wochen notiert der Preis für die wichtigste Referenzsorte Brent unter der Schwelle von 60 Dollar pro Barrel – zu wenig für Saudi-Arabien, das nach Branchenschätzungen einen Ölpreis von über 80 Dollar braucht, um einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorweisen zu können.

Die Aussichten, dass die Preise durch freundlichere Fundamentaldaten anziehen, sind zudem gering, wie die Opec-Researcher selbst feststellen. Der Ausblick für den Rest des Jahres sei „bearish“, angesichts des schwächeren ökonomischen Wachstums, des Handelskonflikts und des langsameren Anstiegs der Ölnachfrage.

Sondierungen haben begonnen

Bislang geht die Opec davon aus, dass die Produktion nicht weiter gekürzt werden muss, um eine Überversorgung des Ölmarktes zu verhindern. Doch hinter den Kulissen sind die Saudis wegen der anhaltenden Ölpreisschwäche längst aktiv geworden. Anfang August berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf einen Insider, dass Ölminister Khalid Al-Falih bereits bei Bündnispartnern innerhalb und außerhalb der Opec sondiert hat, ob sie bereit wären, weitere Förderkürzungen mitzutragen.

Saudi-Arabien, Russland und weitere Mitglieder der Opec+-Allianz treffen sich Mitte September in Abu Dhabi, um über mögliche Strategien zu beraten. Aus Sicht von Helima Croft, Opec-Expertin bei der Investmentbank RBC Capital Markets, ist jedoch unklar, wie lange die Saudis überhaupt noch die Speerspitze der Produktionskürzungen sein wollen. „Eine zentrale Frage ist, ob der Anreiz der saudischen Führung, die Ölpreise weiter zu stützen, mit dem Börsengang von Saudi Aramco nachlässt“, schreibt sie in einer aktuellen Studie.

Unlängst hat das Königreich seine Pläne forciert, einen Minderheitsanteil des staatlichen Ölunternehmens an der Börse zu platzieren. Allerdings lasten die Produktionskürzungen auf dem Umsatz des Konzerns und könnten die angestrebte Rekordbewertung von einer Billion Dollar mindern.

Grafik

Hinzu kommt: Obwohl die Opec die Produktion drastisch drosselt, kriegen die Kartellmitglieder die Ölpreise nur schwer in den Griff. Die verschärften Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump haben die Furcht vor einer Abkühlung der Weltkonjunktur verstärkt und lasten auf den Ölpreisen.

Zum Leidwesen der großen Ölproduzenten war der Preis zudem in den vergangenen zwei Wochen großen Schwankungen ausgesetzt. Als Reaktion auf die Zolldrohungen erlebte der Ölpreis Anfang August mit rund acht Prozent den größten Tagesverlust seit vier Jahren.

Auch in der vergangenen Woche bewegte sich der Preis mitunter deutlich nach oben und unten: „Das Jo-Jo am Ölmarkt schwingt weiter“, kommentierten die Rohstoffanalysten der Commerzbank.

„Der Ölmarkt bleibt anfällig für Preiskorrekturen.“ Die Analysten der Bank ING ergänzen: „Die Angebotsseite wird derzeit großzügig ignoriert.“ Sorgen, dass etwa eine verschärfte Krise am Persichen Golf das Ölangebot verknappen könnte, spielten derzeit keine Rolle.

Schritt mit Signalwirkung

Immerhin: Der Druck auf die Opec-Staaten, ihre Produktion zu drosseln, wurde zuletzt durch die gering entwickelte Ölinfrastruktur in den USA gedämpft. Exportterminals und Pipelinekapazitäten sind in den vergangenen Jahren längst nicht so rasant gewachsen wie die Produktion.

Öl wird zu hohen Kosten per Zug oder Lastwagen abtransportiert. Ein Teil des Rohstoffs landet im Lager, statt in den Export zu gehen. „Die USA waren auf einen solchen Ölboom gar nicht vorbereitet“, bestätigt Rohstoffmanager Gutschlag. „Das hat das Wachstum limitiert.“ Es werde noch Jahre dauern, bis die Engpässe in der Infrastruktur beseitigt seien.

Ohnehin empfiehlt Gutschlag, die Macht der Opec nicht zu unterschätzen. Er glaubt, dass das Kartell auch weiterhin entscheidenden Einfluss auf den Ölmarkt nehmen kann. Zwar beträgt die globale Ölnachfrage rund 99 Millionen Barrel pro Tag. Doch Gutschlag erklärt: „Der Preis wird von den letzten 100.000 Barrel bestimmt.“ Sie seien das Zünglein an der Waage, das entscheidet, ob die Preise am Markt steigen oder fallen.

„Wenn die Opec sagt, dass sie ihre Produktion um eine Millionen Barrel kürzt, hat das eine starke Signalwirkung. Niemand sonst auf der Welt könnte eine derart konzertierte Aktion durchführen“, so Gutschlag.

Saudi-Arabien dürfte daher zumindest kurzfristig für weitere Förderkürzungen werben, um den Ölpreis zu stabilisieren. Auch wenn das Königreich einen neuen Konflikt mit dem lautesten Opec-Kritiker auf der Weltbühne riskiert: US-Präsident Donald Trump.

Mehr: An den Märkten steigt das Unbehagen: Der Ölpreis ist seit Juli um 13 Prozent gesunken – auch andere Rohstoffe erreichen neue Tiefpunkte.

Startseite

Mehr zu: Rohstoffe - Die Opec kämpft mit Mühe gegen den Ölpreisverfall

0 Kommentare zu "Rohstoffe: Die Opec kämpft mit Mühe gegen den Ölpreisverfall"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote