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Rohstoffe Hurrikan „Florence“ bedroht Öl-Lager und Pipelines – Märkte sind beunruhigt

Der Tropensturm nimmt Kurs auf die US-Ostküste. Dort wird wenig Öl produziert, aber viel gelagert – das könnte den Ölpreis in die Höhe schnellen lassen.
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Sinkende Lagerbestände, steigende Preise. Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
Öltanks in den USA

Sinkende Lagerbestände, steigende Preise.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

FrankfurtDie Bewohner der US-Ostküste wappnen sich für einen der schwersten Wirbelstürme der vergangenen Jahrzehnte. Am Freitagmorgen Ortszeit trifft Hurrikan „Florence“ mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde auf die Küste von North und South Carolina.

Bilder des Fernsehsenders CNN zeigen, wie sich die Menschen mit Wasser und Batterien eindecken. Insgesamt 1,5 Millionen waren aufgerufen, die Küstenstädte zu verlassen. Der US-Flugzeugbauer Boeing hat seine Produktion in South Carolina gestoppt, mehrere unfertige, aber flugfähige Maschinen vom Typ 787 wurden nach Seattle verlegt. Ein regionaler Airbus-Zulieferer prüft US-Medienberichten zufolge die Schließung seines Werks.

Auch am Ölmarkt wirft der Hurrikan seine Schatten voraus: Die Sorgen über eine Beeinträchtigung der Ölindustrie treiben den ohnehin stark gestiegenen Rohölpreis weiter nach oben. Am Mittwoch legte die Nordseesorte Brent leicht auf 79,30 Dollar pro Barrel (159 Liter) zu und verpasste damit nur knapp den Sprung über die 80-Dollar-Marke. Und mit 69,86 Dollar notierte die US-Sorte WTI nur knapp unter 70 Dollar.

Wie die Menschen vor Ort bereitet sich auch die Öl- und Gasbranche auf „Florence“ vor. Zwar gibt es in diesem Teil des Atlantiks keine Offshore-Ölplattformen. Doch zwischen Wilmington in North Carolina, Charleston in South Carolina und Savannah in Georgia befindet sich eine Reihe von Lagerstätten für Öl, Benzin und Diesel.

Mit Savannah könnte auch eine Raffinerie sowie ein Hafenterminal für Flüssiggas von Ausläufern des Hurrikans betroffen sein. Im Landesinneren der drei Bundesstaaten verlaufen zudem große Pipelines, die ebenfalls auf der prognostizierten Route von „Florence“ liegen.

Preis nahe Jahreshoch

Die Sorgen über die Auswirkungen des Hurrikans verbänden sich zusammen mit fallenden US-Lagerdaten und den bevorstehenden Iran-Sanktionen zu einem „perfekten Sturm“ auf dem Ölmarkt, sagt Jasper Lawler vom Brokerhaus LCG.

In den vergangenen Wochen sei Öl im Vergleich zu anderen Rohstoffen ohnehin schon besonders stark gestiegen, sagt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der LBBW: „Der Trend ist extrem bullish.“ Während der Bloomberg-Rohstoffindex, der die wichtigsten Rohstoffe zusammenfasst, nahe seinem Jahrestief liege, notiere Rohöl nahe den Jahreshöchstständen vom Mai.

Einem Bericht des American Petroleum Institute (API) zufolge waren die Rohöllagerbestände in den USA in der vergangenen Woche um 8,64 Millionen Barrel gefallen. Ein Rückgang der Lagerbestände kann auf eine höhere Nachfrage oder ein geringeres Angebot hindeuten und stützt in der Regel die Preise.

Immer deutlicher zeichnet sich zudem ab, wie hart die US-Sanktionen den Iran treffen werden. Laut einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Ölförderkartells Opec sank die Produktion des Iran im Vergleich zum Vormonat um 150 000 Barrel täglich. Damit ist der Iran das Land mit dem stärksten Produktionsrückgang unter allen Opec-Mitgliedern.

Auch bei den Ölexporten wird der Iran zunehmend vom Weltmarkt abgeschnitten. Daten der US-Energiebehörde EIA zeigen, dass die iranischen Ölexporte nach Asien drastisch zurückgegangen sind. Der US-Verbündete Südkorea verzichtet seit August vollständig auf den Import von iranischem Öl.

Auch Japan sowie die für den Iran besonders wichtigen Abnehmerländer China und Indien haben ihre Einfuhren im August deutlich reduziert. So kappte China die Importe von 45 Millionen Barrel im Juli auf rund 25 Millionen Barrel. Die Exporte iranischen Öls nach Indien gingen um fast die Hälfte zurück.

Schwimmende Öllager

Für Rohstoffexperte Schallenberger sind diese Zahlen ein wichtiges Signal. Der Iran habe gehofft, die Exporteinbußen in Europa mit verstärkten Verkäufen nach Asien auszugleichen. „Wenn mit Südkorea ein Käufer gar nicht mehr infrage kommt, ist die Wahrscheinlichkeit noch höher, dass die Sanktionen den Iran hart treffen“, sagt Schallenberger.

Wie schwer es dem Iran derzeit fällt, sein Öl loszuwerden, zeigen auch Daten der Ölschifffahrt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, ankern ein halbes Dutzend Öltanker vor der iranischen Insel Charg im Persischen Golf. Sie haben rund zehn Prozent der iranischen Tagesproduktion an Bord. Die schwimmenden Öllager sind ein Indiz dafür, dass der Iran Schwierigkeiten hat, Abnehmer für sein Rohöl zu finden.

Angesichts dieser Nachrichtenlage konnte selbst ein pessimistischer Ausblick der Opec für die weltweite Ölnachfrage den Preisanstieg nicht stoppen. Die Organisation korrigierte ihre Jahresprognose für das globale Nachfragewachstum am Mittwoch leicht um 20.000 Barrel auf 1,41 Millionen Barrel täglich nach unten.

Als Grund nannte die Opec unter anderem ein schwächeres Wirtschaftswachstum in den krisengeplagten Schwellenländern. Zudem dämpfe der aktuell starke Dollar die Ölnachfrage in Ländern mit schwachen Währungen. Auch der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt sowie die striktere Geldpolitik der Notenbanken seien „Herausforderungen für das globale Wirtschaftswachstum“, heißt es in dem Bericht weiter.

Möglicherweise ist der Höhenflug des Ölpreises angesichts dieses Gegenwinds nur von kurzer Dauer.

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