Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Rohstoffe Ölpreis steigt über 70 Dollar und nähert sich dem Jahreshoch

Die starke Konjunktur in den USA treibt den Ölpreis – und beflügelt auch die Investorennachfrage. Experten sehen vorerst kein Ende der Rally.
18.05.2021 Update: 18.05.2021 - 13:39 Uhr Kommentieren
Der Preisanstieg von Rohöl ist derzeit kaum zu stoppen. Quelle: Bloomberg
Ölplattform

Der Preisanstieg von Rohöl ist derzeit kaum zu stoppen.

(Foto: Bloomberg)

Zürich Erstmals seit März hat der Preis für Brentöl die Marke von 70 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) durchbrochen. Der wichtigste Referenzpreis für den europäischen Markt verteuerte sich am Dienstag in der Spitze um mehr als ein Prozent.

Auch der Preis für US-Öl stieg um etwa ein Prozent auf rund 67 Dollar pro Fass. Damit rückt auch das bisherige Jahreshoch von 71,38 Dollar in den Fokus.

Sollte diese Marke überschritten werden, spricht die Markttechnik aus Sicht von Hans van Cleef, Energie-Ökonom bei der niederländischen Bank ABN Amro, für eine Fortsetzung der Rally: „Technisch ist der Weg dann frei für eine Preisspanne von 78 bis 80 Dollar.“

Fundamentaler Preistreiber ist vor allem die hohe Ölnachfrage in den USA: Erstmals seit März vergangenen Jahres stieg die Zahl der Flugpassagiere an einem Tag über 1,8 Millionen. Noch ist das Niveau vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht erreicht – doch zumindest in den USA scheinen sich der Flugverkehr und damit auch die Nachfrage nach Flugzeug-Treibstoff zu erholen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zudem steht in den USA die sogenannte „Driving Season“ bevor: In den Sommermonaten sind traditionell viele Amerikaner im eigenen Land unterwegs und befeuern damit die Benzinnachfrage weiter.

    Auch nehmen die Anleger angesichts steigender Impfquoten in Europa vorweg, dass sich die Rohölnachfrage aus dem Verkehrssektor auch in Europa wieder normalisiert, sagt Giovanni Staunovo, Rohstoffexperte der Schweizer Großbank UBS.

    Grafik

    Gleichzeitig schürten die steigenden Ölpreise die Sorge vor einem Anstieg der Inflation – und erhöhen daher die Investorennachfrage nach Ölinvestments. „Öl ist ein wichtiger Bestandteil des Verbraucherwarenkorbs“, sagt Staunovo. „Daher bieten Ölinvestments einen gewissen Schutz vor Inflation.“

    Daraus entsteht ein sich selbst verstärkender Effekt, der – zumindest zu einem gewissen Grad – die Rally weitertreiben kann: „Wenn durch die höhere Investorennachfrage der Preis steigt, kann das auch wieder Auswirkungen auf Inflationszahlen haben“, erläutert Staunovo.

    Beide Effekte sind nur schwer voneinander zu trennen – doch aus Sicht des UBS-Experten dominiert die Investorennachfrage derzeit die Preisentwicklung. „Auf dem physischen Markt ist keine Knappheit zu beobachten“, sagt er. Die Rally sei derzeit eher Sentiment-getrieben. „Das kann eine Korrektur auslösen“, warnt Staunovo.

    Opec-Kartell in komfortabler Situation

    Eugen Weinberg, Chefrohstoffstratege der Commerzbank, beobachtet jedoch noch keine spekulativen Übertreibungen. Die Finanzanleger seien zwar optimistisch gestimmt, wie etwa die Zahl der Wetten auf steigende Ölpreise an der US-Rohstoffterminbörse nahelege. Doch „das spekulative Engagement am Ölmarkt ist nicht besorgniserregend“.

    Vielmehr werde die Rally auch durch die disziplinierte Förderpolitik der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sowie einen zuletzt etwas schwächeren Dollar gestützt. Die Opec hat sich zusammen mit zehn weiteren in der Opec-plus-Allianz zusammengeschlossenen Exportstaaten auf eine schrittweise Anhebung der Ölfördermenge zwischen Mai und Juli verständigt. Innerhalb dieses Zeitraums soll das Ölangebot um rund zwei Millionen Barrel pro Tag – rund zwei Prozent der weltweiten Ölnachfrage – angehoben werden.

    Zudem steigt Saudi-Arabien schrittweise aus Produktionskürzungen aus, mit denen das Land zu Jahresbeginn die Märkte überrascht und damit zur Stabilisierung der Preise beigetragen hatte. Das dürfte das zusätzlich verfügbare Ölangebot auf über drei Prozent der globalen Ölnachfrage steigen lassen.

    Die Opec kann auch deshalb ihre Ölproduktion ausweiten, weil die von der Krise geschwächte US-Schieferölindustrie nur langsam in die Gänge kommt. „Noch bleibt eine starke Reaktion außerhalb der Opec plus auf den deutlich gestiegenen Ölpreis aus“, beobachtet Commerzbank-Experte Weinberg. Es sei zu erwarten, dass die US-Ölproduktion im Juni nur minimal zulege.

    Auch UBS-Experte Staunovo erwartet: „Das Angebotswachstum in den USA dürfte beschränkt sein.“ Viele US-Schieferölindustrien seien auf Kapitalerhalt statt auf exzessives Wachstum fokussiert.

    Die Opec-plus-Staaten um Saudi-Arabien und Russland bringt das in eine komfortable Situation: Sie können in einem Umfeld steigender Preise ihre Marktanteile ausbauen.

    Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

    Startseite
    Mehr zu: Rohstoffe - Ölpreis steigt über 70 Dollar und nähert sich dem Jahreshoch
    0 Kommentare zu "Rohstoffe: Ölpreis steigt über 70 Dollar und nähert sich dem Jahreshoch"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%