Rohstoffe Ölpreise gehen zurück

Die Ölpreise befinden sich derzeit auf einer Berg- und Talfahrt. Nach den starken Gewinnen am Vortag, sind die Preise am Donnerstag wieder gesunken. Am Morgen kostete ein Barrel Brent zur Lieferung im Mai 56,72 Dollar.
Update: 02.04.2015 - 12:13 Uhr Kommentieren
Die Ölpreise gehen zurück. Quelle: dpa
Rohstoffe

Die Ölpreise gehen zurück.

(Foto: dpa)

SingapurDie Ölpreise sind am Donnerstag nach den starken Gewinnen des Vortages zunächst etwas gesunken. Am Morgen kostete ein Barrel (etwa 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Mai 56,72 US-Dollar und damit 38 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 40 Cent auf 49,69 Dollar.

Die Ölpreise waren am Mittwoch stark gestiegen, nachdem die US-Regierung neueste Daten zur Ölproduktion vorgelegt hatte. Die Raffinerien in den USA haben ihren Anteil nordamerikanischen Rohöls zur Weiterverarbeitung auf den höchsten Stand seit nahezu 30 Jahren gesteigert. Das lokal erzeugte Öl erwies sich als günstiger als die Importware. Das geht aus Daten des US-Energieministeriums hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden.

Die Gewinner und Verlierer des billigen Öls
An employee stands in front of lines of oil barrels at Royal Dutch Shell Plc's lubricants blending plant in the town of Torzhok
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Das weltweite Überangebot und die schwächelnde Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. In den vergangenen sechs Monaten verbilligte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um fast die Hälfte. Mit 49,95 Dollar fiel der Preis für ein Barrel (Fass zu 159 Liter) das erste Mal seit Mai 2009 unter die wichtige psychologische Marke von 50 Dollar. Die US-Sorte WTI ist sogar bereits auf circa 47 Dollar pro Barrel gefallen. Ein Ende dieser Talfahrt ist der Internationalen Energieagentur zufolge nicht in Sicht. Sie geht davon aus, dass sich das Überangebot in der ersten Jahreshälfte 2015 auf zwei Millionen Barrel täglich vergrößern wird. Gleichzeitig senkten die Experten ihre Prognose für das Nachfragewachstum um 230.000 auf 900.000 Barrel pro Tag. Wegen des Ölpreis-Verfalls schraubten die Förderfirmen zwar ihre Investitionen bereits zurück, fügt die IEA hinzu. Eine baldige deutliche Kürzung der Fördermengen sei dennoch nicht zu erwarten. Nachfolgend finden Sie die Gewinner und Verlierer des niedrigen Ölpreises.

File photo of an employee walking up the stairs at the Gazprom Neft oil refinery in Moscow
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Zu den Leidtragenden des fallenden Ölpreises zählen die Förderländer, deren Haupteinnahme-Quelle der Export des Rohstoffs ist. Besonders hart trifft es Russland, dessen Wirtschaft zusätzlich unter den westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise leidet. Der Moskauer Aktienindex RTS brach aus diesem Grund binnen weniger Monate um rund ein Drittel ein. Gleichzeitig taumelt der Rubel zum Dollar und Euro von Rekordtief zu Rekordtief.

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Das Gleiche wie für Russland und den Rubel gilt für die Währung Nigerias. Obwohl die Notenbank des Landes binnen Jahresfrist etwa 20 Prozent ihrer Devisenreserven für Stützungskäufe aufgewendet hat, fallen die Naira-Kurse. Öl und Erdgas machen nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) fast die kompletten Exporte des Landes aus und 80 Prozent der Staatseinnahmen. Sogar eine Staatspleite ist nicht mehr auszuschließen.

To match Special Report VENEZUELA/PDVSA
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Finanzielle Schlagseite hat auch Venezuela, dessen Deviseneinnahmen zu 96 Prozent aus dem Ölexport stammen. Daher werfen Anleger die Staatsanleihen des südamerikanischen Landes in hohem Bogen aus ihren Depots. Dies treibt die Rendite der Papiere mit einer Laufzeit bis 2027 auf 23,4 Prozent - im Sommer lag sie nur halb so hoch. Gleichzeitig stürzt die venezolanische Währung ab. Auf dem Schwarzmarkt müssen für einen Dollar 175 Bolivar gezahlt werden. Der offizielle Kurs liegt dagegen bei 6,30 Bolivar.

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Die Aktienbörsen der Opec-Staaten Saudi-Arabien und Kuwait stehen zwar ebenfalls unter Druck. Da diese beiden Staaten Rohöl aber relativ günstig fördern und immer noch Gewinn machen, halten sich die Kursverluste hier in Grenzen. Außerdem können die Regierungen in Riad und Kuwait City Einnahme-Ausfälle mit ihren dicken Finanzpolstern abfedern, betonen die Experten der DekaBank. Die Studie von Oxford Economics sieht Saudi-Arabien als größten Verlierer sollte der Preis 40 Dollar pro Barrel erreichen. Das BIP des Landes würde 3.5 Prozentpunkte einbüßen.

Exxon gas station is pictured in Arlington in this file photo
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Auf Unternehmensseite macht die Talfahrt des Ölpreises vor allem Förderfirmen wie Exxon, BP & Co. zu schaffen. Die im europäischen Branchenindex gelisteten Firmen haben seit Jahresmitte zusammengerechnet etwa 300 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Das entspricht in etwa der jährlichen Wirtschaftsleistung Dänemarks.

The logo of Russia's top crude producer Rosneft is seen on a gasoline station near a church in Stavropol
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Bei den russischen Konzernen Gazprom und Rosneft seien sogar die Dividenden für das laufende Jahr in Gefahr, warnt Analyst Pawel Sorokin vom Bankhaus Morgan Stanley. Außerdem müsse für 2015 mit deutlichen Gewinneinbußen gerechnet werden.

Demnach betrug im Januar der verarbeitete Anteil Rohöl aus den USA, aus Kanada und aus Mexiko 85 Prozent der Gesamtmenge. Zugleich hat die weiter steigende Ölproduktion in Kanada und den USA die Lagerbestände auf 471,4 Millionen Barrel und damit den höchsten Wert seit 1930 getrieben. Die Sorte West Texas Intermediate kostete im Durchschnitt des ersten Quartals 6,26 Dollar je Barrel weniger als Brent.

„Viel unabhängige Raffinereibetreiber nutzen das nordamerikanische Öl und senken damit die Kosten”, sagte Carl Larry von Frost & Sullivan in Houston. „Darauf haben die USA doch lange gewartet: Ölverorgungssicherheit. Alleine das Öl von uns und aus Mexiko und Kanada kann die Raffinerien mittlerweile am Laufen halten”, sagte er. Die Schieferölförderung hat die USA bereits im Jahr 2013 zum drittgrößten Ölproduzenten der Welt gemacht, wie aus Daten von BP hervorgeht.

  • dpa
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