Rohstoffe: Wie Saudi-Arabien aus den Sanktionen gegen Russland ein Geschäft macht
Saudi-Arabien will sich als verlässlicher Öl-Lieferant positionieren. Jetzt sorgt das Königreich mit einem heiklen Schnäppchen-Kauf für Aufsehen.
Foto: ImagoZürich. Das Treffen zwischen US-Präsident Joe Biden und dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman hatte noch nicht begonnen, da war schon klar: Die Vorzeichen sind schwierig. Denn am Freitag wurde bekannt, dass das saudische Königreich im großen Stil Öl aus Russland importiert. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Refinitiv-Daten meldete, erreichten von April bis Juni 647.000 Tonnen Öl das Königreich über russische und estländische Häfen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres betrug die Menge 320.000 Tonnen.
Saudi-Arabien ist selbst der zweitgrößte Ölproduzent nach den USA sowie der weltgrößte Ölexporteur. Kein Land der Welt kann zu geringeren Kosten fördern. Dennoch ergibt es ökonomisch Sinn für die Saudis, Öl zu importieren. Das Importöl wird im Inland im Sommer zur Stromgewinnung verbraucht - insbesondere für den Betrieb zahlloser Klimaanlagen.
In normalen Zeiten greift Saudi-Arabien unter anderem deshalb auf Importe zurück, um über den Sommer die eigenen Exporte konstant halten zu können. Damit positioniert sich das Königreich als verlässlicher Lieferant. Derzeit ist das Königreich jedoch auch als Schnäppchenjäger am Markt aktiv. Auch andere große Importeure wie China und Indien sowie zahlreiche Länder in Afrika und Nahost haben ihre Importe erhöht.