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Rohstoffe Silber startet Aufholjagd

Seit Juni steigt der Goldpreis rasant, doch Silber konnte bisher davon nicht profitieren. Nun zeichnet sich eine Trendwende ab.
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Der Preis für das Edelmetall liegt derzeit bei rund 16 Dollar pro Feinunze. Quelle: action press
Silbermünze

Der Preis für das Edelmetall liegt derzeit bei rund 16 Dollar pro Feinunze.

(Foto: action press)

Frankfurt Bisher sind es nur Indizien, aber sie mehren sich: Die Phase, in der sich Silber vom Goldpreis abgekoppelt hat, scheint vorüber. Vergangene Woche hat der Silberpreis rund acht Prozent zugelegt. Mittlerweile notiert das Edelmetall bei deutlich über 16 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm). Gold hat sich im gleichen Zeitraum lediglich um 1,5 Prozent verteuert - und kostet aktuell rund 1430 Dollar pro Unze.

Lange hat sich Silber im Einklang mit Gold auf und ab bewegt, mit dem Unterschied einer deutlich höheren Volatilität. Die Ausschläge in beide Richtungen waren beim Silberpreis stärker. Doch zuletzt schien dieser Zusammenhang außer Kraft gesetzt. Während Gold seit Anfang Juni von 1200 auf 1400 Dollar pro Unze gestiegen war, dümpelte der Silberpreis weiter vor sich hin.

Eine ungewöhnliche Marktphase, sagt Nitesh Shah, Rohstoffexperte beim Vermögensverwalter Wisdom Tree: „Der Silberpreis ist historisch zu 80 Prozent an den Goldpreis gekoppelt. Wenn der Goldpreis einen klaren Trend zeigt, tendiert auch Silber in eine ähnliche Richtung.“

Besonderes Augenmerk legen Marktbeobachter in diesem Zusammenhang auf das Verhältnis von Gold- und Silberpreis. Aktuell kostet eine Unze Gold etwa 87 Mal so viel wie die entsprechende Menge Silber.

Das ist zwar weniger als vor einer Woche, als Gold noch 93 Mal so teuer wie Silber war. Doch in den vergangen fünf Jahren lag die Preisdifferenz meist zwischen 1:50 und 1:70. „Das Gold-Silber-Verhältnis liegt historisch gesehen auf einem absoluten Extrem-Niveau“, bestätigt Stefan Breintner, Edelmetallexperte vom Vermögensverwalter DJE Kapital.

Starke ETF-Zuflüsse

Aus Sicht von Experten gilt Silber daher als eindeutig unterbewertet. Jetzt mehren sich die Anzeichen einer Aufholjagd des Silberpreises. Zuletzt setzten die Investoren verstärkt mit physisch gedeckten Indexfonds auf das Edelmetall, sagt Carsten Fritsch, Rohstoffexperte der Commerzbank. „Der Silberpreis wird weiterhin von starken ETF-Zuflüssen unterstützt“, so Fritsch. Die Silber-ETF-Bestände lägen mittlerweile auf einem Zweijahreshoch. Sie seien zudem stärker gefragt, als Gold-ETFs.

Für jeden verkauften Anteil dieser Rohstoff-Indexfonds lagert der Indexanbieter eine entsprechende Menge des Edelmetalls ein. Daher steigert die Nachfrage nach Silber-ETFs auch die Nachfrage nach dem physischen Metall.

Experten rechnen mit einem anhaltenden Aufwärtstrend des Silberpreises. So erwartet der Hanauer Edelmetallspezialist Heraeus, dass das Angebot aus den Silberminen stabil bleibt. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage anziehen, insbesondere durch die Photovoltaik-Industrie in China. „Trotz anhaltender Bemühungen, den Silberbedarf in Solarmodulen zu reduzieren, ist dank eines zu erwartenden Ausbaus der Solarkapazitäten der Ausblick positiv“, schreiben die Heraeus-Experten in einer Analyse.

Silber-Industrie im Wandel

Im Gegensatz zu Gold findet Silber in der Industrie breite Anwendung. Diese Eigenschaft als halbes Industriemetall hat dem Preisauftrieb lange Grenzen gesetzt, sagt Edelmetall-Experte Breintner. „Ein Teil der schlechteren Performance dürfte dem Industriemetall-Charakter des Silbers geschuldet sein. Klassische Silberbranchen, etwa die Fotoindustrie, befinden sich in einem strukturellen Wandel.“

Auch die Sorgen vor einer Eskalation des Handelskonfliktes zwischen den USA und China half dem Silberpreis lange Zeit nicht. Sie drückten die Preise für klassische Industriemetalle wie Kupfer und Zink, zogen aber auch das Edelmetall mit nach unten.

Hinzu kommt: Als klassische Krisenversicherung dominiert nach wie vor Gold. Das zeigt sich auch an den Gold-Käufen einiger Notenbanken, etwa Russland und China. 2018 kauften sie dem World Gold Council (WGC) zufolge rund 650 Tonnen, der höchste Wert seit den 70er Jahren. Treiber seien die „gestiegenen ökonomischen Risiken in der Währungsreserve”, so das WGC. Doch Silber kann von dieser wichtigen Käufergruppe nicht profitieren: Es gibt keine Zentralbanken, die in nennenswertem Umfang Silber kaufen“, sagt DJE-Experte Breintner.

Ob sich der Silberpreis weiter verteuert und gegenüber Gold aufholt, hängt daher vor allem von den Zentralbanken ab: Wenn die Notenbanken in den USA und Europa die Zinsen weiter niedrig halten und die Märkte weiter mit Geld fluten, dürfte Gold als Schutz vor Inflation gefragt sein. Diesen Zweck erfüllt im Prinzip auch Silber, der Preis des Edelmetalls dürfte in diesem Szenario ebenfalls profitieren.

Doch schlägt an den Märkten die Krisenstimmung durch, werden die Investoren auf Gold als sicheren Hafen setzen. Silber erfüllt diese Funktion weit weniger. In diesem Szenario dürften Gold- und Silberpreis wieder weiter auseinanderdriften.

Mehr: Der Preis für das Edelmetall Platin könnte in naher Zukunft kräftig ansteigen. Grund dafür sind auch Umweltauflagen für Schwerlaster in China und Indien.

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