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Rohstoffe unter der Lupe Platin bietet mehr Aufwärtspotenzial als Palladium

Knappes Angebot und hohe Nachfrage haben den Palladiumpreis zu Höchstständen geführt. Das könnte ein anderes Edelmetall wieder ins Spiel bringen.
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Rohstoffe: Platin bietet mehr Aufwärtspotenzial als Palladium Quelle: Reuters
Palladium-Produktion in Russland

Der Rohstoff ist wichtig für die Autoindustrie.

(Foto: Reuters)

FrankfurtWie es ist, wenn eine Spekulationsblase platzt, haben zuletzt Edelmetall-Investoren zu spüren bekommen. Ende März war der Palladiumpreis binnen einer Woche von 1600 Dollar pro Feinunze (rund 31 Gramm) auf unter 1350 Dollar abgestürzt. Ein Rückgang von mehr als 15 Prozent.

Dass vor allem Spekulanten hinter den extremen Marktbewegungen stecken, legen Daten der US-Regulierungsbehörde CFTC nahe: Demnach hatten Hedgefonds und andere Finanzinvestoren zwischen Ende Februar und Mitte März an den Terminbörsen massive Wetten auf einen steigenden Palladiumpreis platziert. Als sich das Edelmetall verbilligte, lösten die Finanzmanager im großen Stil diese Wetten auf und brachten den Preis weiter unter Druck.

Mittlerweile hat sich Palladium auf dem Niveau von 1400 Dollar pro Unze eingependelt. Doch auch das erscheint Experten noch extrem teuer – schließlich hatte sich der Preis des Metalls zwischen August 2018 und März 2019 fast verdoppelt. „Es sind nicht allein die Fundamentalkräfte, die das hohe Preisniveau erklären können“, sagt etwa Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

Zwar übersteige die Nachfrage das Angebot von Palladium auf dem Weltmarkt seit Jahren. Doch: „Wir halten den Preisanstieg nur teilweise für gerechtfertigt“, sagt Weinberg.

Das liegt auch an dem hohen Preisaufschlag gegenüber Platin. Beide Metalle haben ähnliche chemische Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten in der Industrie. Doch derzeit scheinen sich die Preise voneinander entkoppelt zu haben: Der Aufschlag für Palladium liegt mit rund 600 Dollar pro Feinunze auf einem historisch hohen Niveau. Daher sehen Rohstoffexperten aktuell vor allem bei Platin Aufwärtspotenzial.

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Ein wichtiger Abnehmer für beide Metalle ist die Autoindustrie: Palladium und Platin werden vor allem bei der Abgasreinigung in Katalysatoren verwendet. Palladium kommt derzeit überwiegend in Benzinmotoren zum Einsatz, während Platin in Dieselmotoren verbaut wird. Der Schwenk weg vom Diesel sowie verschärfte Umweltstandards insbesondere in China haben die Preisrally bei Palladium unterstützt, sagt Weinberg.

Doch eigentlich sei Platin effizienter, meint Weinberg. „Die Autoindustrie ist beim Bau von Katalysatoren von Platin auf Palladium umgestiegen, weil das Metall so günstig war“, erklärt er. Damals habe Palladium 200 Dollar pro Feinunze gekostet, Platin 1000 Dollar.

Der Dieselskandal stützt die Palladium-Nachfrage

Mittlerweile hat sich das Verhältnis ins Gegenteil verkehrt: „Der Preisunterschied zu Platin ist immer noch gigantisch. Wenn das länger anhält, werden die Autobauer wieder stärker zu Platin greifen“, ist Weinberg überzeugt. Bislang hätten sich die großen Autobauer jedoch mit Bekenntnissen zu Platin zurückgehalten.

„Nichts passiert über Nacht“, sagt auch Warren Patterson, Rohstoffstratege bei der ING Bank. Um in Benzin-Katalysatoren wieder Platin statt Palladium zu verbauen, müssten die Autobauer in neue Produktionsprozesse investieren. Dafür müsste die Palladium-Hausse anhalten, so Patterson. Eine Rolle dürfte auch der Dieselskandal gespielt haben: Die Prozesse in der Abgasreinigung umzustellen gilt in der Branche derzeit als heikel.

Doch selbst wenn der Nachfrageschub aus der Autoindustrie kurzfristig ausbleibt, sieht Torsten Dennin, Rohstoffexperte und Leiter der Vermögensverwaltung Asset Management Switzerland, bei Platin mehr Aufwärtspotenzial.

Grund dafür ist eine Energiekrise im wichtigsten Förderland Südafrika. Der mit Abstand größte Energieversorger des Landes, Eskom, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Er könnte gezwungen sein, von den Minenkonzernen höhere Preise zu verlangen oder Strom zu rationieren. „Als das 2008 zuletzt der Fall war, ist der Platin-Preis auf über 2000 Dollar pro Unze gestiegen“, sagt Dennin.

Schon jetzt habe Platin relativ zu Palladium und Gold zugelegt: „Das ist für mich ein Zeichen, dass die Schwächephase bei Platin vorbei ist.“ Noch in diesem Jahr könne das Metall die Marke von 1000 Dollar knacken. „In den nächsten Jahren wird der Platinpreis wieder dorthin zurückkehren, wo er historisch hingehört: über den Goldpreis“, ist er überzeugt.

Anleger, die auf steigende Edelmetallpreise setzen wollen, haben die Wahl zwischen physisch hinterlegten Finanzprodukten, sogenannten Exchange Traded Commodities (ETCs), und Münzen oder Barren. So bietet der größte US-Anbieter ETFS ein Platin-ETC an (WKN: A0N62D). Bei Xtrackers, dem Produkt der DWS, ist zudem ein Platin-ETC auf Euro-Basis erhältlich (WKN: A1EK0H). Beide Produkte gibt es auch für Palladium.

Die gängigen Anlegermünzen wie den Krügerrand oder den Maple Leaf gibt es ebenfalls in Platin oder Palladium. Doch die sind aus Sicht von Dennin weniger attraktiv: Denn beim Kauf von ETCs fällt keine Mehrwertsteuer an. Anders als Goldmünzen sind bei Platin und Palladium die Aufschläge zum reinen Materialwert extrem hoch – gut 20 Prozent macht diese Prämie fürs Prägen aus.

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