Rohstoffe US-Ölpreis rutscht in Bärenmarkt – Sorgen vor globalem Überschuss steigen

Die Rohölpreise in den USA fallen auf ein Achtmonatstief. Sorgen um eine rasant steigende Weltproduktion und Anzeichen einer abflauenden Nachfrage nehmen zu.
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Die Ölpreise haben deutlich nachgegeben, unter anderem wegen Ausnahmeregeln für Länder, die iranisches Öl einführen. Quelle: Reuters
Bohrinsel

Die Ölpreise haben deutlich nachgegeben, unter anderem wegen Ausnahmeregeln für Länder, die iranisches Öl einführen.

(Foto: Reuters)

New YorkDer Ölmarkt befindet sich im Abwärtstaumel. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel am Donnerstag um 1,6 Prozent auf 60,67 Dollar pro Barrel (circa 159 Liter) und ist damit in einen Bärenmarkt gerutscht.

Die US-Benchmark war am 3. Oktober auf ein Vierjahreshoch von 76,41 Dollar pro Barrel gestiegen. Damit ist der Preis für Rohöl innerhalb rund eines Monats um 21 Prozent gesunken. Bärenmärkte werden im Allgemeinen als ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber einem Markthöhepunkt definiert.

Es ist eine beachtliche Trendwende, da nur vor wenigen Monaten einige Analysten prognostizierten, dass ein Preis von 100 Dollar pro Barrel Öl in Reichweite sei, insbesondere angesichts des harten Vorgehens der Trump-Regierung gegen den Iran.

Der Öleinbruch wurde durch eine Kombination von Faktoren ausgelöst. Eine angekurbelte US-Produktion, Aufweichung der US-Ölsanktionen gegen den Iran und Handelsspannungen schickten den Ölpreis auf Talfahrt. Die Sorgen um ein abflauendes globales Wirtschaftswachstum haben nicht nur den Aktienmarkt ergriffen, sondern sich auch auf Rohstoffe ausgewirkt. Investoren befürchten, dass eine Konjunkturflaute die Energienachfrage in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Trotz der jüngsten Erholung an der Wall Street ist der Preis von Rohöl weiter eingebrochen. Das liegt auch an der Entscheidung der Trump-Regierung, eine Reihe wichtiger Abnehmer iranischen Rohöls temporär von dem US-Embargo auszunehmen. Indien, China, Südkorea, Japan, der Türkei, Taiwan, Italien und Griechenland ist es vorerst gestattet, weiterhin Öl vom Iran zu kaufen. Der Iran ist der fünftgrößte Ölproduzent der Welt. Dies hat die Furcht vor Angebotsengpässen stark vermindert.

„Wir werden einen Teil des Öls in diese Länder gehen lassen, die es wirklich brauchen, weil ich die Ölpreise nicht auf 100 Dollar oder 150 Dollar pro Barrel anheben will, was sehr leicht passieren könnte“, sagte US-Präsident Donald Trump während einer Pressekonferenz am Mittwoch. Trump argumentierte, dass die Preise in letzter Zeit dank ihm „sehr stark gefallen sind“.

Doch der Ölpreissturz ist auch auf Saudi-Arabien und eine erhöhte US-Produktion, hauptsächlich in Schieferregionen wie West Texas und North Dakota, zurückzuführen. Die US-Ölförderung überstieg im August erstmals elf Millionen Barrel pro Tag. Die Vereinigten Staaten haben kürzlich Russland und Saudi-Arabien als größten Rohölproduzenten der Welt überholt.

Der Produktionsschub hat zu einem erhöhten Lagerbestand beigetragen. Die kommerziellen Öllagerbestände in den Vereinigten Staaten stiegen letzte Woche um 5,8 Millionen Barrel und liegen laut US-Regierung nun drei Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Saudi-Arabien pumpt bereits in der Nähe von Rekordhochs und die Förderung im Perm-Becken in Texas wächst so rasant an, dass dort die Kapazitäten der Pipelines nicht mehr ausreichen. Engpässe in Texas werden möglicherweise erst in der zweiten Jahreshälfte 2019 behoben.

Der Bärenmarkt für Öl verunsicherte Energieinvestoren an der Wall Street. Der Energiesektor des S&P 500 ging am Donnerstag um zwei Prozent zurück.

Am Sonntag treffen wichtige Rohölförderer in Abu Dhabi zusammen. Das Erdölkomitee JMMC prüft regelmäßig den Kurs des Opec-Plus-Verbunds, der aus den Mitgliedern des Ölkartells Opec und weiteren großen Produzenten wie Russland besteht.

Experten erwarten, dass die Delegierten Förderkürzungen als Mittel zur Ankurbelung der globalen Ölpreise in Betracht ziehen. „Angesichts des jüngsten Preisverfalls und des Überangebots, das sich im nächsten Jahr einstellen dürfte, denkt die Opec darüber nach, die Ölförderung zu reduzieren“, teilten Commerzbank-Analysten mit.

Unterdessen berichtete das „Wall Street Journal“ am Donnerstag, dass eine ranghohe Expertenkommission Saudi-Arabiens die möglichen Auswirkungen einer Auflösung der Opec auf die Ölmärkte untersucht. Das Forschungsprojekt spiegele allerdings nicht eine aktive Debatte innerhalb der Regierung wider, ob das Königreich die Organisation kurzfristig verlassen solle, berichtet die US-Zeitung weiter. Saudi-Arabien dominiert das Ölkartell seit fast 60 Jahren.

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