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Rohstoffe „Wir sind in einem Wirtschaftskrieg“ – Iran kämpft mit allen Tricks um sein Öl-Geschäft

Die neuen US-Sanktionen haben Folgen: Der Rückgang der iranischen Exporte setzt den Ölpreis unter Druck.
Update: 05.11.2018 - 16:22 Uhr Kommentieren
Der Streit mit dem Iran belastet die Märkte. Quelle: dpa
Erdölförderung

Der Streit mit dem Iran belastet die Märkte.

(Foto: dpa)

Berlin „Amerika wollte Irans Öl-Verkäufe auf Null kürzen. Aber wir werden unser Öl weiter verkaufen und die Sanktionen brechen“, schleuderte Irans Präsident Hassan Rouhani am Montagmorgen den USA entgegen.

Minuten, nachdem die neuen US-Sanktionen gegen sein Land in Kraft getreten waren, die Donald Trump als „die härtesten Strafmaßnahmen aller Zeiten“ bezeichnete, trat er im Fernsehen auf. Und der reformorientierte Teheraner Regierungschef fügte hinzu: „Wir sind in einem Wirtschaftskrieg.“

Diese Aussage gilt für beide Seiten. Denn beim Streit mit dem Iran geht es um das ökonomische und politische Überleben: US-Präsident Trump, der das Regime in Teheran stürzen und den Atomdeal neu verhandeln will, braucht billiges Öl als Schmiermittel der US-Wirtschaft.

Da kommen Prognosen wie die von UBS-Analyst Giovanni Staunovo völlig ungelegen. Der Ölpreis könne wegen des Wegfalls iranischer Exporte auf 100 Dollar steigen, glaubt Staunovo.

Die Großbank J.P. Morgan rechnet in ihrer jüngsten Prognose bis Jahresende mit einem Preis von 90 Dollar – und für 2019 mit im Schnitt 83,50 Dollar pro Barrel wegen „erheblicher Versorgungs-Risiken“.

Leicht ist es nicht, einen weiteren Rückgang der iranischen Ölexporte durch Fördersteigerungen andernorts zu kompensieren. Mehrkosten von 20 Dollar pro Fass müssen Kunden aufgrund Trumps Sanktionspolitik bezahlen, schätzt die US-Bank JP Morgan. Fielen die Sanktionen weg, läge laut der der Ölpreis bis Jahresende nur bei rund 70 Dollar, so die Schätzung.

Nach Inkrafttreten der neuen US-Sanktionen ist der Preis für ein Barrel Öl (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent zunächst jedoch sogar gefallen – um 0,2 Prozent auf 72,65 Dollar. „Der Effekt der Sanktionen wird durch die Ausnahmen abgemildert“, sagte Rohstoff-Experte Sukrit Vijayakar von der Beratungsfirma Trifecta.

Die USA hatten acht Ländern Ausnahmegenehmigungen erteilt, darunter auch die zwei EU-Staaten Italien und Griechenland. China inklusive Taiwan, Indien, Japan, Südkorea und die Türkei können ebenfalls zunächst weiter ungestraft iranisches Öl aufkaufen. Sie müssen nicht, wie etwa die restlichen EU-Staaten, ihre iranischen Ölkäufe auf Null reduzieren.

Einige könnten dies auch gar nicht: Afghanistan bezieht sein gesamtes Öl aus dem Nachbarstaat. Auch Indien und China haben als bisher größte Kunden Teherans keine Bereitschaft gezeigt, vollständig auf den Rohstoff aus Persien zu verzichten.

Teheran verschleiert seine Exporte

Iran hatte nach dem Abschluss des Atomabkommens 2015 seine Produktion und seine Rohölausfuhren wieder deutlich gesteigert. Mitte 2018 wurden gut 3,7 Millionen Fass täglich gefördert – und damit über eine Million Barrel mehr als vor dem Nukleardeal. Davon konnten im April 2,5 Millionen Barrel exportiert werden. Zuletzt ist diese Größe unter dem Eindruck des Streits mit den USA um 1,1 Millionen Fass geschrumpft.

Allerdings sind die Zahlen von Informationsdiensten wie Refinitiv Eikon wenig aussagekräftig: Der Iran schickt seit Monaten Supertanker mit ausgeschalteten Respondern über die Weltmeere – ihre Routen können nicht verfolgt werden. In der südchinesischen Xingang-Provinz lässt Irans Staatsölkonzern NIOC ebenfalls Millionen Fässer Rohöl bunkern, um sie jetzt zu verkaufen.

Ein anderer Weg der Umgehung des US-Embargos läuft über Russland. Das Land, das selbst unter immer neuen amerikanischen Sanktionen leidet, will iranisches Rohöl kaufen und in seinem Riesenreich raffinieren. Ölprodukte können dann aus Russland exportiert werden, ihre iranische Herkunft wird verschleiert.

„Irans Ölexporte können nicht gestoppt werden“, zitierte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim Ölminister Bidschan Sanganeh. Und Vize-Präsident Eschak Dschahangiri zeigte sich überzeugt: „Trotz der Sanktionen wird Iran nicht weniger als eine Million Barrel pro Tag exportieren.“ Das allerdings wäre ein Wegfall von 1,5 Millionen Fass Rohöl täglich auf den Weltmärkten seit dem Exportrekord im April.

Für Iran ist die Lage wirtschaftlich dramatisch: Im Geschäftsjahr 2016/17 konnte Teheran seine Öleinnahmen noch auf 49,8 Milliarden Dollar steigern gegenüber 2015/16, als das Atomabkommen in Kraft trat (damals lag der Wert bei 26,9 Milliarden Dollar). Jetzt droht ein empfindlicher Rückgang.

Dabei hat die Landeswährung Rial bereits heute drei Viertel ihres Werts eingebüßt. Die Ratingagentur Fitch rechnet mit einer Inflation von 33,2 Prozent gegenüber 9,6 Prozent im vorigen Jahr und der bisherigen Prognose von 17 Prozent.

Der Iran versucht nun mit Preisabschlägen – den höchsten Discounts seit 2013 – Kunden bei der Stange zu halten. Aber der Erzrivale Saudi-Arabien hält dagegen und hat die Preise für seine für den Asien-Export bestimmten Sorten auf denselben Preis reduziert wie Teheran. Riad soll nach dem Willen Trumps durch massive Ausweitung seiner Ölförderung Angebots-Engpässe verhindern.

Der größte Anbieter des Ölkartells Opec fördert gut zehn Millionen Fass täglich, kann aber bis zu zwölf Millionen Barrel am Tag produzieren. Saudi Aramco, der weltgrößte Ölkonzern, will Milliarden investieren in die Ausweitung seiner Förderkapazitäten, kündigte Aramco-Boss Amin Nasser im Vorfeld des Inkrafttretens der Sanktionen in Riad an.

Unklare US-Haltung

Unklar ist bisher, wie groß die Ausnahmen sind, die Trump asiatischen Ölimporteuren einräumt. „Einige können nicht auf Null herunter“, hatte sein Sicherheitsberater John Bolton eingeräumt. „Und wir wollen Druck auf Iran machen – nicht auf unsere Freunde und Alliierten.“

Neben Afghanistan, an dessen weiterer Destabilisierung durch ein Streichen iranischer Ölimporte die USA kein Interesse haben können, sind sieben weitere Länder von der US-Vorgabe befreit, kein iranisches Öl mehr kaufen zu dürfen.

Südkorea offenbarte sich bislang als einziger Staat als Mitglied des exklusiven Kreises. Allerdings hatten Südkorea und Japan schon im Vorfeld des Sanktionsbeginn am 5. November angekündigt, kein iranisches Öl mehr zu beziehen.

Darüber hinaus wird damit gerechnet, dass unter anderem auch China, Indien und die Türkei von den Sanktionen befreit sein dürften. Sie alle zählen zu den größten Abnehmern iranischen Öls.

Der Nachbar Irak hat bereits mitgeteilt, dass er weiter Erdgas und Lebensmittel aus dem Iran beziehen darf. Die US-Bedingung dafür sei, dass die Lieferungen nicht in Dollar bezahlt würden.

Auch die Europäer suchen nach einem Schlupfloch, bislang aber offenbar erfolglos. EU-Staaten, die Iran-Geschäfte unter Umgehung des Dollars machen wollen, sollen nicht unter den acht Ländern sein, die laut Trump weiter iranisches Öl importieren dürfen. Dies trifft vor allem die großen Abnehmer Spanien, Italien, Griechenland, Rumänien und Frankreich.

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs

„Für die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen steht es fünf vor zwölf“

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