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RohstoffmarktDie neue Edelmetall-Rally: Warum Gold, Silber und Palladium aktuell gefragt sind

Der Krieg in der Ukraine lässt auch die Edelmetallpreise steigen: Investoren setzen verstärkt auf sichere Häfen – und sinkende Importe. Anleger können von der hohen Nachfrage profitieren.Jakob Blume 08.03.2022 - 17:02 Uhr Artikel anhören

Die Herkunft eines Goldbarrens soll in Zukunft in einem öffentlichen Register nachprüfbar werden.

Foto: AFP

Zürich. Der Sanktionsstreit mit Russland löst immer neue Versorgungsengpässe an den Rohstoffmärkten aus. Aktuell dazugekommen ist der Goldmarkt: Die London Bullion Market Association (LBMA) will sechs russischen Goldraffinerien die Akkreditierung entziehen.

Damit sind die Goldbarrenhersteller de facto vom weltweiten Großhandel mit dem Edelmetall ausgeschlossen. In London, dem Zentrum des weltweiten Goldhandels, dürfen Banken nun keine Barren russischer Prägung mehr akzeptieren.

Das meiste Investmentgold wird zwar in der Schweiz hergestellt: Trotzdem könnte der Schritt kurzfristig für ein verknapptes Angebot am Handelsplatz London führen, befürchten Experten. Der Goldpreis hat am Dienstag um 0,5 Prozent zugelegt und die Marke von 2000 Dollar pro Unze (rund 31,1 Gramm) überschritten.

Hinzu kommt: Seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine setzen immer mehr Investoren auf Gold als sicheren Hafen. Innerhalb von vier Wochen hat sich das Edelmetall um knapp zehn Prozent verteuert. Silber wurde zuletzt ebenfalls vom Goldpreis nach oben gezogen und hat um 13Prozent zugelegt.

Bei den industriell genutzten Edelmetallen hat Palladium einen extremen Anstieg hinter sich. Das Metall, das vor allem in der Autoindustrie verwendet wird, verteuerte sich allein seit Anfang der Woche um 16 Prozent und hat ein neues Rekordhoch bei 3224 Dollar pro Unze markiert.

Goldpreis-Anstieg auf neues Allzeithoch wahrscheinlich

Craig Erlam, Marktstratege beim Brokerhaus Oanda, sagt mit Blick auf den Krieg in der Ukraine: „Die Situation bleibt unsicher und der Markt ist extrem volatil.“ Gold sei bei Investoren deshalb sehr gefragt. „Das Allzeithoch ist nicht weit entfernt und in diesem Umfeld gibt es gute Chancen, dass es übertroffen wird“, meint der Experte. Der Goldpreis hatte im August 2020 einen Höchststand bei 2063 Dollar pro Feinunze markiert.

Das World Gold Council beobachtete im Februar dieses Jahres den zweiten Monaten in Folge milliardenschwere Zuflüsse in physisch gedeckte Gold-Indexfonds, die den Edelmetallpreis eins zu eins abbilden. Netto investierten Anleger im vergangenen Monat 2,1 Milliarden Dollar in die Produkte, die vor allem von professionellen Investoren genutzt werden.

Adam Perlaky, Marktanalyst beim World Gold Council, beobachtet: „Die Bedeutung von Gold als strategischer Anlagewert rückte Ende Februar inmitten erheblicher Marktvolatilität wieder ins Blickfeld der Anleger.“ Der Goldpreis habe die stärkste Performance seit Mai 2021 hingelegt. „Die Preise stiegen dramatisch an, da die Anleger auf der Suche nach einer etablierten, liquiden Absicherung gegen systemische Risiken inmitten der großen Marktvolatilität zugriffen“, sagt Perlaky.

Graham Smith vom Vermögensverwalter Fidelity International riet Anlegern bereits Mitte Februar zu Gold, für den Fall, dass Russland entgegen den Erwartungen der meisten Beobachter doch in die Ukraine einmarschiert. „Gold hat eine lange Historie, unvorhergesehene Schocks für Anleger abzufedern.“ Schon im Frühjahr 2020, beim Ausbruch der Coronapandemie in Europa, habe es sich ausgezahlt, etwas Gold im Portfolio zu halten.

Versicherung fürs Portfolio

Der Goldpreis fiel zwar im Zuge der Marktpanik im März 2020 kurzzeitig, erholte sich jedoch schneller als der Aktienmarkt und markierte rund fünf Monate später sein Allzeithoch. Fidelity-Experte Smith ist überzeugt: „Die Ukraine wird nicht die letzte geopolitische Krise sein, die die Märkte bewegt.“

Anleger könnten sich darauf vorbereiten, indem sie Gold als Teil eines diversifizierten Portfolios halten, sagt Smith. Fünf Prozent sei als Daumenregel sinnvoll.

Auch Dominic Schnider, Rohstoffexperte der Schweizer Großbank UBS bestätigt, dass Gold als Krisenwährung gefragt ist: „Das gelbe Metall hat seinen Wert als Versicherung im Portfoliokontext demonstriert.“ Der jüngste Preissprung als Reaktion auf den Krieg in der Ukraine habe das einmal mehr unterstrichen. Zudem investierten Finanzinvestoren verstärkt in Absicherungsgeschäfte mithilfe von Gold, beobachtet Schnider.

Zusätzlichen Schub bekommt Gold von der wachsenden Inflationsgefahr, ausgelöst durch die steigenden Preise bei Energierohstoffen, Industriemetallen und Nahrungsmitteln. Nach Schniders Erwartung dürfte das die Realzinsen in den USA, also das Zinsniveau abzüglich der Inflationsrate, weiter drücken. Dieses Umfeld dürfte Gold stützen, da das Edelmetall im Vergleich zu Zinspapieren attraktiver wird.

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Dennoch erwartet die UBS bislang nicht, dass der Goldpreis auf ein neues Rekordhoch steigt: „Um wirklich bullish für Gold zu werden, müssten wir ein Stagflationsszenario sehen.“ Doch eine Rezession bei gleichzeitig stark erhöhter Inflationsrate erwarten die UBS-Ökonomen bislang nicht.

Doch selbst wenn sich der Goldpreis wie von der UBS erwartet zwischen 1900 Dollar und 2000 Dollar einpendelt: Ein Gewinner der jüngsten Preisentwicklung sind die Goldminen.

Goldminen-Betreiber zahlen stabile Dividenden

Sie sind beim aktuellen Preisniveau profitabel, erläutert Martin Siegel vom auf Goldminen-Aktien spezialisierten Vermögensverwalter Stabilitas. „Den Goldminengesellschaften geht es weiterhin wirtschaftlich sehr gut, sie zahlen ordentliche Dividenden.“ Der Branchenindex NYSE Arca Gold BUGS hat in den vergangenen vier Wochen rund 20 Prozent zugelegt.

Allerdings leiden viele Minenkonzerne unter den hohen Energiepreisen: „Die Produktionskosten steigen, das wird zunehmend zur Belastung“, sagt Siegel. Er schätzt die durchschnittlichen Förderkosten in der Branche aktuell auf rund 1200 Dollar pro Unze. „Die Gewinne sind erst mal gesichert.“

Zudem hätten die Minenkonzerne „genügend Luft, um die Dividenden zu halten“. Nun müssten Anleger abwarten, ob die Förderkosten schneller steigen als der Goldpreis. „Bisher konnte der gestiegene Goldpreis die höheren Kosten kompensieren.“ Doch wenn sich das Verhältnis umdrehe, könnte den Aktien der Goldminenkonzerne der Schwung ausgehen.

Allerdings ist das Risiko für scharfe Korrekturen bei Goldminen-Aktien aktuell weniger stark ausgeprägt als beispielsweise bei Tech-Aktien. Denn der Minensektor gilt nach wie vor als unterbewertet.

„Die Goldminengesellschaften sind von Investoren stark vernachlässigt worden“, sagt Siegel. Daher gebe es keinen Verkaufsdruck. Zumal Minenaktien dazu neigten, dem Goldpreis hinterherzulaufen.

Häufig sei ein längerer Bullenmarkt bei Gold nötig, bevor sich Anleger den Minenaktien zuwendeten. „Ich erwarte, dass erst ab einem Goldpreis von 2100 Dollar großes Interesse an dem Sektor am Gesamtmarkt entsteht“, sagt Siegel.

Palladium-Engpässe im Fokus

Während der Goldmarkt ein neues Allzeithoch benötigt, um Euphorie bei den Investoren auszulösen, hat der Palladiummarkt bereits einen neuen Rekord markiert. Dabei stehen mögliche Versorgungsengpässe im Fokus: In Branchenkreisen heißt es, der Markt habe sich bereits vor der Eskalation der Ukrainekrise deutlich im Defizit befunden.

Russland ist mit einem Marktanteil von fast 40 Prozent neben Südafrika der wichtigste Produzent des Metalls. Die Sanktionen gegen russische Finanzinstitute und mögliche Gegenreaktionen der Russen schüren zunehmend die Sorge, dass auf dem Weltmarkt nicht genügend Palladium ankommt, um die Nachfrage der Autoindustrie zu bedienen.

Der größte russische Palladium-Produzent, Nornickel, ist zwar noch nicht Ziel westlicher Sanktionen. Trotzdem herrscht am Markt große Unsicherheit, ob und wie in Zukunft noch Geschäfte mit dem Konzern abgewickelt werden können.

Henrik Marx, Händler beim Edelmetallspezialisten Heraeus, sagt: „Die Preise für die Metalle der Platingruppe, zu denen Palladium gehört, sind volatiler geworden, da die Versorgung mit russischen Rohstoffen an einem kritischen Punkt ist.“

Palladium wird für Abgaskatalysatoren in Benzin- und Dieselautos benötigt. Brancheninsider gehen davon aus, dass russisches Palladium vornehmlich nach China geliefert werden könnte, während den westlichen Autokonzernen künftig nur noch das Metall aus Südafrika zur Verfügung stehen könnte.

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Alternativ könnten die Autobauer auf das günstigere Platin umschwenken. Chemisch ist Platin ohnehin der effizientere Katalysator, allerdings lassen sich die Produktionsprozesse der Autozulieferer nicht beliebig umstellen. Die Anpassungen laufen daher deutlich langsamer ab, als die kurzfristigen Marktbewegungen.

Heraeus-Experte Marx sagt: „Die hohen Palladiumpreise in den vergangenen Jahren haben bereits dazu geführt, dass teilweise Platin zur Substitution verwendet wurde – diese Entwicklung könnte sich nun beschleunigen.“ Dann hätte der Platinpreis Aufholpotenzial gegenüber dem heiß gelaufenen Palladiumpreis.

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