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Rohstoffmarkt Gold profitiert von Turbulenzen an den Märkten, Preisrally hält an

Der volatile Anlagemarkt weckt das Bedürfnis nach Sicherheit. Gold feiert ein Comeback als Rettungsanker – das liegt vor allem an zwei Faktoren.
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Goldwerbung eines Brokers: Das Edelmetall ist wieder attraktiv für vorsichtige Anleger. Quelle: Reuters
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Goldwerbung eines Brokers: Das Edelmetall ist wieder attraktiv für vorsichtige Anleger.

(Foto: Reuters)

FrankfurtViacheslav Ryzhkov macht Schlagzeilen in seiner Heimat. Der russische Historiker glaubt das Rätsel gelüftet zu haben, wo Napoleon nach seinem gescheiterten Feldzug beim Rückzug aus Moskau 80 Tonnen geraubtes Gold versteckt hat. Der Schatz soll im Bolshaya-See im Westen des Landes liegen.

Die Nachricht sorgte zur Jahreswende in russischen Medien für viel Aufruhr. Sie lebt nicht nur vom reinen Gegenwartswert des Edelmetalls von über drei Milliarden Dollar. Die heiße Spekulation belegt: Der Mythos Gold lebt.

Neben Schatzsuchern schöpfen jetzt auch Anleger neue Hoffnung. Nach Jahren wenig aufregender Preisschwankungen wird das Edelmetall stetig teurer. Durch die anhaltenden Turbulenzen am Finanzmarkt übernimmt Gold wieder seine klassische Rolle als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Anleger trieben den Preis während der vergangenen fünf Monate mit ihren Käufen bereits um 200 auf knapp 1300 Dollar je Feinunze. „Wir erwarten, dass er jetzt erst einmal die Marke von 1365 Dollar überspringt. An der Hürde ist er fünf Jahre lang bei Anstiegen mehrere Male gescheitert“, meint Joe Foster, Goldexperte beim US-Vermögensverwalter Van Eck in New York. Ronald-Peter Stöferle vom liechtensteinischen Asset-Manager Incrementum wagt sich noch weiter vor: „Bis Jahresende kann es schnell Richtung 1500 Dollar gehen.“

Derart offensive Prognosen sind vom historischen Top bei 1900 Dollar vor etwa neun Jahren zwar noch weit entfernt. Doch relativ unauffällig haben sich viele Akteure an den Finanzmärkten optimistisch über die Goldentwicklung geäußert. Dazu zählen etwa der größte Vermögensverwalter Blackrock und das renommierte US-Analysehaus Ned Davis Research.

Am Donnerstag legte die Minenlobby World Gold Council ihren Ausblick für das Jahr 2019 vor. Auch Council-Stratege Alistair Hewitt zeigt sich optimistisch: „Die Anleger werden auch in diesem Jahr Gold kaufen, zur Risikostreuung und Absicherung gegen systemische Risken – und die Risiken steigen.“

Die Einschätzung von Mark Burridge vom britischen Fondshaus Baker Steel bekräftigt diese Sicht der Dinge. „Die Anleger sind wieder ängstlich geworden. So hat sich die Lage geändert, denn viele Jahre waren sie bei geringen Marktbewegungen und geringen Schwankungen an den Finanzmärkten optimistisch und selbstzufrieden“, analysiert er.

Ähnlich sieht es aus deutscher Sicht aus. Die Citigroup fragt hiesige Anleger seit fast acht Jahren nach ihren Markteinschätzungen. Und noch nie war die Meinung zu Aktien so mies wie im vierten Quartal vergangenen Jahres. „Dass gleichzeitig die Goldstimmung so stark ins Positive gedreht hat, ist eine brisante Mischung“, urteilt Dirk Heß von Citigroup Global Markets Europe. „Anleger scheinen stürmische Zeiten an den Finanzmärkten zu erwarten.“ Jeder Zweite rechnet inzwischen mit steigenden Goldpreisen.

Konjunktursorgen werden immer größer

Es gibt einen Grund für die massive Stimmungswende und die Aktienturbulenzen. Immer mehr Anleger zweifeln am scheinbar zementierten wirtschaftlichen Konsens. Und der sah bis zum vergangenen Herbst so aus: Die wichtige US-Konjunktur bleibt stark, die Weltwirtschaft robust, die US-Notenbank versucht ihre Geldpolitik zu normalisieren und erhöht weiter stetig die Zinsen.

Diese Mehrheitsmeinung ist ins Wanken geraten. Zweifel am künftigen Wachstum kamen auf, auch getrieben von Sorgen vor unvermeidlichen Belastungen bei einem eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China.

Das neue Denken drehte zwei wichtige Stellgrößen für Gold in die richtige Richtung. Inzwischen rechnen immer weniger Investoren mit weiter steigenden US-Leitzinsen. Schon machen erste Spekulationen über Senkungen die Runde. Der Präsident der regionalen Notenbank von Atlanta, Raphael Bostic, hatte dies nicht ausschließen wollen.

„Die US-Realzinsen, also Zinsen abzüglich Inflation, scheinen auf absehbare Zeit zu fallen oder zumindest niedrig zu bleiben“, kommentiert Burridge von Baker Steel. Das ist ein Plus für Gold, weil Anleihen als potenzielle Alternativanlage weniger attraktiv werden. Tatsächlich sind die Bondrenditen in den vergangenen Monaten bereits deutlich gefallen, sowohl in Übersee als auch in Deutschland.

Der Trend wirkt sich auf den Dollar aus. Die Währung war lange gestiegen. Doch mit der Aussicht auf eine Ende der Zinssteigerungen büßen auch Dollar-Anlagen für Ausländer an Attraktivität ein. So tritt der Greenback den Rückzug an.

Auch das stützt Gold, gilt das Edelmetall doch als klassische Alternativwährung. Eine schwächelnde Welt-Leitwährung macht spiegelbildlich den Konkurrenten attraktiver. Stratege Tim Hayes vom renommierten US-Analysehaus Ned Davis Research sieht deshalb weiteres Kurspotenzial für den Goldpreis.

Der Einfluss Trumps

Unfreiwillige Unterstützung liefert der US-Präsident – mit seiner Handelspolitik und den Folgen seiner Steuersenkungen. „Die Amerikaner machen extreme Defizite, die nächsten Jahre jedes Jahr über eine Billion Dollar, und das bei Hochkonjunktur. Das ist verrückt“, urteilt Fondsmanager Stöferle. Das schwäche den Dollar. Die Verschuldungsprobleme seien auch weltweit seit der Finanzkrise vor zehn Jahren nicht gelöst.

Burridge von Baker Steel bezieht die Verschuldung anderer Staaten und der Unternehmen mit ein. Das spreche zusätzlich für einen Stop bei den Zinserhöhungen, sonst würden exzessive Schuldenlasten das Finanzsystem gefährden.

Die Anleger kaufen nicht unbedingt Barren oder Goldmünzen. Manche wollen den Aufwand für Order, Lieferung, Lagerung und Versicherung vermeiden. Sie kaufen Goldfonds, die ihrerseits das Metall hinterlegen. Solche Fonds können komfortabel wie eine Aktie gehandelt werden. Hier haben Anleger in den vergangenen Monaten kräftig zugegriffen und den Bestand auf rund 2440 Tonnen Gold im Gegenwert von über 100 Milliarden Dollar getrieben.

Auch die Notenbanken spielen als Käufer wieder stärker mit. Im vergangenen Jahr gingen fast 480 Tonnen auf ihr Konto. Das sind die höchsten Nettokäufe seit 2015. Auch Russland spielt hier eine Schlüsselrolle – doch in dem Fall geht es um Anlagegold, nicht um einen vermuteten Schatz aus napoleonischer Zeit. Und die Barren in den Tresoren sind echt. Die Suche im Bolshaya-See dagegen blieb bis heute erfolglos.

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