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Erdölförderung

Brent ist die für Europa wichtigste Ölsorte. Die Sorte WTI stammt aus den USA.

(Foto: dpa)

Saudi-Arabien Angriffe auf Förderanlage sorgen für größten Ölpreisanstieg seit fast 30 Jahren

Die Ölproduktion in Saudi-Arabien ist eingebrochen. Am Montag verteuerte sich Öl um bis zu 20 Prozent. Das dürften auch Verbraucher in Deutschland zu spüren bekommen.
Update: 16.09.2019 - 13:00 Uhr 2 Kommentare

Dubai Es war der größte Ölpreisanstieg seit dem Golfkrieg in den 1990er-Jahren: Nach den Drohnenangriffen auf Förderanlagen in Saudi-Arabien sind die Ölpreise am Montag zwischenzeitlich um bis zu 20 Prozent in die Höhe geschossen, bevor sie einen Teil des Anstiegs wieder abgaben. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg auf ein Viermonatshoch von 71,95 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI verteuerte sich auf 63,34 Dollar.

„Die geopolitische Risikoprämie kehrt zurück“, kommentiert Alan Gelder vom Analysehaus Wood Mackenzie die Lage. Helima Croft, Opec-Expertin bei der Investmentbank RBC Capital Markets, sieht den Persischen Golf bereits am Rande eines militärischen Konflikts: „Die Attacke ist eine extrem dramatische Eskalation der Irankrise.“

Die Angriffe drohen die globalen Lieferketten für Rohöl durcheinanderzuwirbeln. Sie trafen eine Rohöl-Verarbeitungsanlage und das Ölfeld Churais in Saudi-Arabien. Dort waren am Samstagmorgen mehrere Feuer ausgebrochen, die saudische Ölproduktion war in der Folge um die Hälfte eingebrochen. Das tägliche Produktionsvolumen fiel um geschätzt 5,7 Millionen Barrel Rohöl, was mehr als fünf Prozent der weltweiten Versorgung entspricht.

Noch nie sind den Aufzeichnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris zufolge auf einen Schlag so große Produktionskapazitäten weggefallen. Trotzdem sieht die IEA zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Wochenende auf die Probleme am Ölmarkt reagiert und die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen genehmigt. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, „der sich auf die Ölpreise auswirken könnte“, habe er – falls erforderlich – die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, „um die Märkte gut zu versorgen“.

Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und die Autofahrer hierzulande dürften sich nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) in Grenzen halten. „Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland – 2018 war es ein Prozent“, sagte ein Verbandssprecher. „Eine Engpassgefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht.“

Das Wirtschaftsministerium schätzt die Situation für Deutschland nicht als alarmierend ein. Eine Freigabe der Ölreserven sei nicht notwendig. „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell nicht berührt“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.. Die Lage werde aber genau beobachtet.

„Nach den Informationen, die uns vorliegen und die Saudi-Arabien ja auch inzwischen bekanntgegeben hat, dürfte der Ausfall der Raffinerien einige Tage bis vielleicht so zwei Wochen dauern“, sagte die Sprecherin. „Damit gehen wir aktuell nicht davon aus, dass es nachhaltige Auswirkungen auf die weltweite Versorgung mit Erdöl gibt.“

Folgen für Verbraucher

Allerdings hängen auch die Spritpreise in Deutschland zu einem erheblichen Teil von den Referenzpreisen des Weltmarktes ab. Die gestiegenen Preise für Brent dürften daher auch deutsche Autofahrer zu spüren kommen. Auch Heizöl dürfte sich deutlich verteuern, ausgerechnet zum Beginn des Herbstes, wenn viele Besitzer von Ölheizungen nachtanken.

Wie gravierend die Auswirkungen der Attacke auf den weltweiten Ölmarkt seien, hänge davon ab, wie lange Saudi Aramco brauche, um die Produktion wieder hochzufahren, sagt Warren Patterson, Rohstoffexperte bei der niederländischen Bank ING.

„Sollten wie eine Störung von mehreren Tagen sehen, dürfte das der Markt relativ leicht absorbieren.“ Bei einem Ausfall von mehreren Wochen könnte es kritischer werden. Aramco hatte Medienberichten zufolge angekündigt, einen Teil der Produktion bereits im Laufe des Montags wieder hochzufahren.

Die Produktionsausfälle will Saudi Aramco mit dem Abbau von Rohöl-Lagerbeständen kompensieren. Doch die Lagerbestände sind seit 2015 stetig gesunken, so Patterson. Grund dafür seien die Produktionskürzungen, die sich Saudi-Arabien im Rahmen eines Opec-Deals auferlegt hat. Ziel der Förderkürzungen war es, den Ölpreisverfall zum Jahresbeginn zu stoppen. Die Attacke trifft das Land ausgerechnet in einer Phase, in dem es sich mit freiwilligen Produktionskürzungen finanziell geschwächt hat.

Die Drohnenattacke hat jedoch noch eine psychologische Dimension: „Sie zeigt die Verwundbarkeit der saudischen Ölinfrastruktur“, so Patterson. Lange Zeit sei eine Schließung der Meerenge von Hormus durch den Iran von den Märkten als größtes Risiko für den Ölmarkt angesehen worden. Doch nun sei ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzugekommen, der sich in höheren Risikoprämien für den Ölpreis niederschlagen werde.

Wie reagiert Trump?

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet aber damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. „Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird“, sagte Fuest der Deutschen Presse-Agentur.

Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: „Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt“, so Fuest.

Allerdings sind die USA nach den Worten von Präsident Donald Trump zu einer Vergeltungsaktion für die Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen bereit. Es gebe „Grund zur Annahme, dass wir wissen, wer der Urheber“ sei, schrieb Trump auf Twitter.

Das Weiße Haus macht den Iran für die Angriffe verantwortlich und legte am Sonntagabend Satellitenfotos vor, die dessen Täterschaft nahelegen sollen. Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Die USA stünden Gewehr bei Fuß, warteten indes noch auf Bestätigung sowie Angaben aus dem Königreich zur Ursache der Attacken – und „unter was für Bedingungen wir vorgehen“ sollten. Ein Regierungsvertreter betonte, alle Optionen – auch eine militärische Reaktion – lägen auf dem Tisch.

Störung des Ölkreislaufs

Wie ernst der Schaden sei und wie lange es dauere, bis die Produktionskapazität in Saudi-Arabien wieder voll hergestellt werden könne, sei ungewiss, schrieb Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen in London. Die Störung des Ölkreislaufs sei ziemlich bedeutend, urteilte Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, im Interview des Finanzsenders Bloomberg TV. „Wenn sie anhält, könnte sie eine große Herausforderung für den Ölmarkt sein.“

Sollten die USA ihre strategische Ölreserve anzapfen, sagte Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management, könnte das insbesondere bei einer koordinierten Aktion mit der IEA einen rasanten Anstieg der Ölpreise dämpfen.

Experten sehen ein Eingreifen der USA denn auch nicht als ausgemachte Sache. Bis eine Schadensfeststellung verfügbar sei, könne er nicht abschätzen, wie wahrscheinlich das Anzapfen der nationalen US-Reserven ist, sagte der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war und heute als Experte für die in Washington ansässige Energieberatungsfirma Rapidan Energy arbeitet. „Ich vermute, das ist nur eine verbale Beruhigungsmaßnahme“, sagte er. „Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden.“

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

Mit Agenturmaterial.

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2 Kommentare zu "Saudi-Arabien: Angriffe auf Förderanlage sorgen für größten Ölpreisanstieg seit fast 30 Jahren "

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  • Ist das Werbung für irgendwas - aber keine Problemlösung?

  • Ich wünsche mir, dass wir endlich begreifen, wir müssen mit dem Raubbau an unserem Planeten Erde, mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe und mit der Abhängigkeit von den Golfstaaten endlich Schluss machen. Es gibt revolutionäre Alternativen, die weltweit und unabhängig vom Standort zur Energienutzung bereitstehen. Es wäre jetzt so wichtig sich neu zu orientieren und in eine bessere Zukunft zu investieren. Dazu erfuhr ich, die Berliner NEUTRINO ENERGY Group testet ein Gerät zur Gewinnung von sauberem Strom aus kosmischer Strahlung. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen NEUTRINO ENERGY Group hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Neutrinos, hochenergetische Teilchen, die als Teil der kosmischen Strahlung des unsichtbaren Spektrums kontinuierlich auf die Erde treffen, sind nach jüngsten Untersuchungen eine unerschöpfliche Energiequelle. "Der Energieerhaltungssatz funktioniert. ", sagt der Physiker Professor Strauss, ein ehemaliger Forscher am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Mitglied des wissenschaftlichen Rates der NEUTRINO ENERGY Group. Die Möglichkeit, Energie durch Wechselwirkung von Neutrinos mit Materie zu gewinnen, wurde am 18. Februar 2018 vom US-Energieministerium bestätigt. Wir müssen Jetzt diese Neuheiten anwenden - dafür muss unsere Politik Steuern, damit die Wirtschaft Rudern kann und Abhängigkeiten von Öl, Golf, Kohle beendet werden.

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