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Schmerzhaftes Embargo Irans Ölexporte verlassen das Land auf Geistertankern

Iranische Öltanker sind per Satellit nicht zu orten – so soll verschleiert werden, wer noch Öl aus dem Land kauft. Viele Kunden gibt es nicht mehr.
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Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Embargo den Iran deutlich härter treffen dürfte als erwartet. Quelle: ddp images/abaca press
Öltanker vor der iranischen Küste

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Embargo den Iran deutlich härter treffen dürfte als erwartet.

(Foto: ddp images/abaca press)

Berlin, FrankfurtKaum verlassen iranische Öltanker die Straße von Hormus, die Meerenge im Persischen Golf, schalten die Kapitäne die Transponder ihrer Schiffe aus. Damit soll verhindert werden, dass von Satelliten aus verfolgt werden kann, wer noch iranisches Öl kauft.

Diese Geistertanker verschleiern so Irans Kundschaft. Schließlich hat US-Präsident Donald Trump für den 5. November die „härtesten Sanktionen aller Zeiten“ gegen den Iran angekündigt. Bis zu diesem Tag sollen alle bisherigen Ölkunden des Irans ihre Lieferverträge gekündigt haben.

Hatten China, Indien und die Türkei bislang noch angekündigt, sich aus Washington nicht unter Druck setzen zu lassen, so dreht sich nun das Blatt zu Trumps Gunsten: Inzwischen haben der chinesische Ölriese Sinopec und die allermeisten indischen Raffineriekonzerne – darunter sogar die teilweise im iranischen Besitz befindliche Chennai Petroleum – bekanntgegeben, auf den Kauf iranischen Rohöls zu verzichten.

Frankreich, Südkorea, Japan und andere Großkunden hatten iranische Ölkäufe schon zuvor eingestellt. Ebenso die Großreedereien AP Moller-Maersk Tankers, Torm und Hapag-Lloyd ihre Iran-Routen.

Sie alle eint die Angst, vom 5. November an keine Schiffsversicherungen mehr zu bekommen oder ein Verbot von Geschäften mit den USA. Washingtons langer Arm hat den Ölmarkt voll erreicht. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Embargo den Iran deutlich härter treffen dürfte als erwartet. Seit der Ankündigung der Sanktionen im April sind die iranischen Ausfuhren bereits um mehr als 750.000 Barrel täglich eingebrochen.

Doch das sei nur der Anfang, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank: „Die iranischen Ölexporte drohen um zwei Millionen Barrel pro Tag zurückzugehen.“ Der Ölpreis kennt deshalb aktuell nur eine Richtung: aufwärts. Am Montag kostete die Nordseesorte Brent knapp 83 Dollar pro Barrel (159 Liter). Das ist der höchste Stand seit vier Jahren. Die Commerzbank stockte daher ihre Jahresendprognose für den Ölpreis auf 85 Dollar auf.

Hinzu kommt: Ölförderer wie Saudi-Arabien und Russland produzieren schon jetzt beinahe am Limit. In dem angespannten Marktumfeld sorgen selbst kleinere Meldungen für Preissprünge: So sank in den USA zuletzt die Zahl der Ölplattformen, die in Betrieb sind. Für Marktteilnehmer ist das ein Signal, dass auch die Ölproduktion in den USA schwächelt.

Das Versiegen einer Lebensader

Das Defizit beim Ölangebot könnte noch bis Mitte kommenden Jahres anhalten, sagt Wayne Gordon, Rohstoffexperte bei der Vermögensverwaltungstochter der UBS. „Alle geopolitischen Spannungen, die wir nicht vorhersehen, können den Preis auf 100 Dollar pro Barrel treiben.“ Auch Jan Edelmann, Rohstoffanalyst bei der HSH Nordbank, sagt: „Die Risiken für die Ölpreisentwicklung sind kurzfristig klar nach oben gerichtet.“

Ein Ölpreis von 100 Dollar pro Fass hätte weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft. Zwar haben viele Volkswirtschaften nach Einschätzung von Bloomberg Economics alternative Energiequellen erschlossen. Zudem sind die USA wegen der in den vergangenen Jahren aufgebauten Schieferölförderung weniger abhängig vom Weltmarkt.

„Der Fass-Preis muss deutlich höher steigen, bevor das globale Wachstum auf dem Ölpreis ausrutscht“, schreiben die Bloomberg-Analysten in einer Studie. Dennoch reduzieren hohe Ölpreise das verfügbare Haushaltseinkommen der Konsumenten, weil sie beispielsweise mehr Geld für Heizöl oder Benzin aufwenden müssen. Das trifft besonders Haushalte in Importländern.

Für den Iran bedeutet das Embargo jedoch das Versiegen einer Lebensader. Der Löwenanteil der Staatseinnahmen entstammt Ölquellen. Wie wichtig sie für das Land sind, zeigen auch Äußerungen von Irans reformorientiertem Präsidenten Hassan Rohani.

Er hatte zwei Bedingungen für den Erhalt des Atomdeals nach Trumps einseitigem Aussteigen Anfang Mai formuliert: erstens die Aufrechterhaltung der Handelsbeziehungen mit Europa und zweitens, das hatte Rohani mehrfach ultimativ formuliert: „dass unser Ölexport uneingeschränkt funktionieren kann“. Das aber scheint vorbei zu sein, und Teheran droht nun immer offener mit seinem Ausstieg aus dem Nuklearabkommen.

Ölhandel wird teilweise privatisiert

Inzwischen ist die wirtschaftliche Lage im Iran extrem angespannt. Die Landeswährung Rial hat seit Jahresbeginn gut 70 Prozent an Wert eingebüßt. Die Regierung hat ein „Supreme Council“ für ökonomische Koordinierung eingerichtet. Dies soll das wirtschaftliche Leben des Landes unter den Sanktionen sichern.

Erste Maßnahme: Der bisher staatliche Ölhandel wird teilweise privatisiert. Iranische Geschäftsleute können künftig ihre Kontakte nutzen, um iranisches Rohöl international gegen Provision zu vermarkten. Dazu werden dann auch schon einmal Geistertanker eingesetzt.

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