Schweizer Franken und der Euro Der Mühlstein um Sissis Hals

Die Kaiserin, sie würde weinen: Die Entkopplung des Schweizer Franken vom Euro würfelt die Devisenkurse durcheinander und trifft Österreich hart. Zehntausende Privathaushalte sind mit Milliarden in Franken verschuldet.
Update: 16.01.2015 - 13:34 Uhr 15 Kommentare

WienFür Zehntausende Österreicher drohen die Fremdwährungskredite in Franken nach dem Kurswechsel der Schweizer Nationalbank zum ernsten Problem zu werden. Allein 150.000 Privathaushalte sind in der Alpenrepublik mit knapp 30 Milliarden Euro in Franken-Darlehen verschuldet. Vor allem in den westlichen Bundesländern Vorarlberg und Tirol waren die Fremdwährungskredite populär. Welche Auswirkungen die Freigabe des Franken-Wechselkurses hat, zeigt sich bereits. Die Schulden der österreichischen Privathaushalten stiegen schon jetzt um rund fünf Milliarden Euro.

Doch nicht nur die Bürger geraten arg in Bedrängnis, sondern auch der Staat. Das Bundesland Wien zum Beispiel hat ein Drittel seiner Kredite in Franken. Insgesamt belaufen sich die Darlehen der österreichischen Hauptstadt in Schweizer Währung nach eigenen Angaben auf umgerechnet knapp 1,7 Milliarden Euro. Der Absturz des Euro gegenüber dem aufgewerteten Franken erhöhte schon jetzt den Schuldenstand der zweitgrößten Stadt im deutschsprachigen Raum um mehrere Hundert Millionen.

Wien hat zwar nach Angaben der Vizebürgermeisterin Renate Brauner seit vier Jahren keine Darlehen mehr in Schweizer Franken aufgenommen. Nach Angaben der liberalen Partei „Neos“ habe die Hauptstadt ihren Schuldenstand durch Fehlspekulationen in Franken bereits 2013 um 280 Millionen Euro erhöht.
In der Finanzwirtschaft ist die ohnehin angeschlagene Raiffeisen Bank International (RBI) überproportional betroffen. Sie hat wie keine andere Bank Darlehen in Franken in den Büchern stehen. Für die RBI kommt der buchstäbliche Kurswechsel der Schweizer Notenbank zur Unzeit. Mit dem stark leidenden Russland-Geschäft liegt bereits der größte Gewinnbringer der Raiffeisen darnieder. Welche Auswirkungen die Aufwertung des Frankens für RBI haben wird, lässt die Wiener Bank im Ungewissen. „Über die genauen Auswirkungen der Frankenaufwertung auf die Asset-Qualität geben wir derzeit keine Einschätzung“, hieß es am Freitag von Raiffeisen auf eine Anfrage des Handelsblatts.

Populär waren Fremdwährungskredite in Schweizer Franken und Euro auch im Nachbarland Ungarn. Das EU-Land besitzt seine eigene Währung, den Forint. In Ungarn sind Privathaushalte allerdings geschützt. Die rechtspopulistische Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbán hatte die Banken, allen voran die österreichischen Geldinstitute, dazu genötigt, dass in Darlehensverträgen fixe Wechselkurse festgeschrieben werden. Damit wurde das Problem der variablen Wechselkurse vom Kunden weg zu den Finanzinstituten verlagert. Die Fremdwährungskredite seien „weitgehend“, so ein Raiffeisen-Sprecher, durch das Abkommen mit der Budapester Regierung abgedeckt. In Ungarn gebe es nur noch ausstehende Franken-Kredite von 220 Millionen Franken.

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15 Kommentare zu "Schweizer Franken und der Euro : Der Mühlstein um Sissis Hals"

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  • Gott sei Dank kann das uns nicht passieren,da müßten wir ja eine gute Bonität haben.

  • So überraschend kam das doch eigentlich nicht, schonmdie ungewöhnliche Aktion der Volksbefragung mitnder Intention, umfassend Gold aufzukaufen um die inakzeptablen Devisenreserven, die durch die Stützungskäufe aufgehäuft wurden, deuteten arauf hin,
    dass die Situation nicht mehr haltbar ist.
    Bedauerlicherweise war den Schweizern der Grund für die beabsichtigten Goldkäufe nicht klar und sie sagten nein, so blieb nur übrig, den Stopp der Devisenkäufe zu verkünden.
    Schon als die Schweiz seinerzeit damit begann fragte man sich, wie lange werde siemdas durchhalten können, deswegen verstehe ich die grosse Überraschung der Akteure nicht.
    Ebensowenig wird es eine überraschung sein, dass nunmehr die Neubewertung der schweizer Unternehmen in Gang kommt, da mag es so manche Pleite geben, da die meisten Unternehmen sich darauf wohl nicht vorbereitet hatten, wird es wohl so manche Pleite geben und die Arbeitslosigkeit dürfte auch et was noch oben gehen, vor allem, aber nicht nur, im Toursmussektor.
    Die ganze Situation der letzten 20 Jahre, erinnert an diverse Prophezeiungen, seien sie von Jakob Lorbehr, von Swedenbourg oder Anderen, wo sinngemäß von der Umkehrung der Verhältnisse gesprochen wird, z.B., das Gute wird nach unten gedrückt, das Böse triumphiert usw. usw.. Dieser Vergleich viel mir ein, als ich manche Kommentare von Dirk Müller über das Börsengeschehen las da, und in seinem Buch steht schon Bemerkenswertes und das von einem Praktiker.
    Es schadet nichts, sich so etwas mal anzuschauen.

  • Sorry, aber Dummheit gehört bestraft. Da starren die Leute auf die um ein paar Nachkommastellen niedrigeren Zinsen, und lassen das Währungsrisiko, was vom Trend her absehbar war, völlig aus dem Auge.

  • Es wundert schon, wenn institutionelle Kreditnehmer die Fremdwährungskredit nicht mit entsprechenden Zertifikaten schützen!

  • Man kann die Schweizer nur beglückwünschen.

    Spät, aber nicht zu spät, wurde die richtige Entscheidung getroffen, sich von der Schrott- und Katastrophenwährung € gelöst um nicht mit in den Untergang gezogen zu werden.

    Einziger Schönheitsfehler: die Devisenreserven der Schweizer Nationalbank, i.w. angehäufte Euros, verlieren schlagartig an Wert. Das ist die Kröte, die man aufgrund der fatalen Euro-Bindung jetzt nachträglich schlucken muss.

  • Sorry, aber die Leute haben einen Kredit in Franken aufgenommen weil sie davon profitieren wollten und in den letzten 3 Jahren auch profitiert haben. Nun zahlen sie drauf. Thats Life. Wer ein Risiko eingeht muss es auch tragen.

    Da tut mir niemand leid!

  • @ Herr Thomas Behrends

    >> Aber es ist doch immer so, dass die Einen Vorteile aus Währungsdifferenzen genießen und die Anderen eben halt Nachteile. >>

    Die Schweizer haben die 2 Möglichkeiten auf die Waagschale geworfen :

    - Untergang mit der virtuellen Währung €

    - Abkopplung von dem €

    und haben ausgerechnet, dass die Abkopplung weniger schmerzhaft sei.

    So einfach ist das ganze zu verstehen.

  • Der mit der schwachen Währung verliert immer, total bekloppt die Typen.

  • >> Zehntausende Privathaushalte sind mit Milliarden in Franken verschuldet. >>

    Und was ist erst in Polen und anderen Ostblockstaaten los, die ihre Hypotheken mit dem Schweizer Franken finanziert haben....!

    Die Immo-Blase in diesen Ländern wird demnächst platzen und die EU wird diesen Ländern mit dem Holz-€ kräftig unter die Armen greifen müssen.....was den virtuellen € wiederum weiter abstürzen läßt.

    Das Endspiel um den bescheuerten € begonnen....und diese Währung wird demnächst explodieren !

  • Tja, das ist immer eine Betrachtung des ROE (Wechselkurses). Natürlich war es beispielsweise von den Ungarn nicht sonderlich clever ihre Kredite auf USD-Basis aufzunehmen, da das Vetrauen in den Forint (HUF) sukzessive in den Keller ging ...

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