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Sinkendes Ausfallrisiko Türkische Lira auf Rekordtief zum Euro

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Ausfallrisiko der Türkei-Anleihen sinkt

Auch die Inflation, die für 2017 auf rund zehn Prozent geschätzt wird, sollte in dem islamischen Land laut Hettler bereits den Höhepunkt hinter sich gelassen haben. Denn obwohl Präsident Recep Tayyip Erdogan sich selbst als „Feind“ von Zinsen bezeichnet und die Kreditkosten in der Türkei als zu hoch gebrandmarkt hat, verschärfte die Notenbank ihre geldpolitische Ausrichtung „durch die Hintertür“. So wurden der Satz für die sogenannte Notfallliquidität deutlich angehoben und damit die Finanzierungsbedingungen am Interbankenmarkt spürbar verteuert. Der offizielle Leitzins ist hingegen seit Ende 2016 konstant geblieben.

Ein Indiz für die Bonität eines Landes sind Credit Default Swaps (CDS), sogenannte Kreditausfallversicherungen. Mit ihnen sichert sich der Kreditnehmer gegen den Zahlungsausfall der Anleihe eines Schuldners ab. Je höher das Risiko des Zahlungsausfalls, desto höher muss die Prämienzahlung sein. Denn desto eher erwartet der Markt, dass ein Schuldner seine Anleihe nicht bedienen kann.

Das Negativbeispiel ist Venezuela. Bei einer fünfjährigen Anleihe des südamerikanischen Landes müssen Anleger 42 Prozent der Anlagesumme jährlich zahlen, um sich vor einer Pleite abzusichern. Auf der anderen Seite der Liste stehen Deutschland und Norwegen. Um sich vor einem Ausfall einer fünfjährigen Bundesanleihe zu schützen, muss 0,15 Prozent jährlich bezahlt werden, für norwegische Bonds gar nur 0,14 Prozent.

Wer angesichts der zunehmenden politischen Konflikte glaubt, dass das Ausfallrisiko für türkische Staatsanleihen in der Vergangenheit gestiegen ist, irrt. Lediglich 1,89 Prozent sind derzeit bei fünf Jahren Laufzeit jährlich zu zahlen. Der Wert liegt deutlich unterhalb des Durchschnitts der vergangenen sechs Monate in Höhe von 2,2 Prozent. Auf einem ähnlichen Niveau wie das Land am Bosporus liegen Portugal (1,75 Prozent) und Russland (1,68 Prozent).

Entsprechend sind auch die Renditen der türkischen Staatsanleihen seit knapp einem Jahr stabil geblieben. Für einen Staatsbond mit zehnjähriger Laufzeit erhalten Anleger aktuell eine Rendite von 10,35 Prozent. Im vergangenen Zwölf-Monats-Zeitraum war 9,26 Prozent der niedrigste und 11,62 Prozent der höchste Wert. Anders sah die Lage im Januar 2015 aus: Damals lag die Rendite noch bei rund sieben Prozent jährlich.

„Es ist fraglich, ob und inwieweit sich die vorhandenen politischen Spannungen der Türkei mit Deutschland und der Europäischen Union mittelfristig auf die Wirtschaft am Bosporus auswirken werden“, lautet das Fazit von DZ-Bank-Analyst Hettler. Derzeit rechne das Gros der Marktteilnehmer und Analysten offenbar nicht damit, dass es zu nachhaltigen oder gravierenden Bremswirkungen kommt.

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1 Kommentar zu "Sinkendes Ausfallrisiko: Türkische Lira auf Rekordtief zum Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese neuen populistischen Maulhelden begreifen einfach nicht, dass Rechtsstaatlichkeit die zentrale Vorbedingung für jeden Wirtschaftsstandort ist. Da hilft es wenig, wenn tausende aufgeregte Gemüsehändler im eigenen Land rumschreinen: "Sperr alle Feinde unseres Volkes ein, großer Führer!"

    Ausländische Firmen haben es nicht so gerne, wenn ihre Mitarbeiter im Gefängnis verschwinden. Diese Lektion werden Erdogan und Kazcynski nur lernen, wenn sie richtig harte Sanktionen bekommen.

    Unfassbar, dass soagr in Deutschland immer noch viele diesen Rechtspopulistischen Bullshit wählen wollen.

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