Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Soziales Netzwerk Facebook startet offiziell Digitalwährung Libra

Die Libra Association hat mit 21 Mitgliedern am Montag in Genf die Gründungsurkunde unterzeichnet – trotz der Kritik von Regulierern und Politikern weltweit.
Update: 15.10.2019 - 05:23 Uhr Kommentieren
Facebook startet offiziell Digitalwährung Libra Quelle: dpa
Libra

Mit der Libra sollen grenzübergreifende Zahlungen einfacher werden.

(Foto: dpa)

New York Facebook ist mit Plänen für eine neue digitale Währung trotz Kritik offiziell vorangeschritten. Die Libra Association, die nicht-profitorientierte Organisation, die die Libra steuern soll, unterzeichnete mit 21 Mitgliedern am Montag in Genf die Gründungsurkunde.

In den Vorstand wurden fünf Personen gewählt, darunter David Marcus, der das Projekt bei Facebook leitet sowie Vertreter von dem Zahlungsunternehmen PayU, der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, der Blockchain-Firma Xapo Holdings und der gemeinnützigen Organisation Kiva Microfunds. Kommissarischer Leiter der Association ist der ehemalige Paypal-Manager Bertrand Perez, der früher eng mit Marcus zusammenarbeitete. Marcus war 2014 von Paypal zu Facebook gewechselt.

Regulierer und Politiker in den USA und Europa hatten das Projekt scharf kritisiert. Sie fürchten, dass die Libra Association in die globale Geldpolitik eingreifen könnte und sensible Daten seiner Nutzer nicht ausreichend schützt. Sollte Facebook seinen Nutzern ermöglichen, künftig auch Zahlungen über das Soziale Netzwerk abzuwickeln, könnte das den Umsatz des Konzerns mit seinen 2,3 Milliarden Nutzern deutlich steigern.

Facebook steht jedoch seit Monaten in der Kritik, auch wegen der Rolle des Konzerns im Präsidentschaftswahlkampf und wegen Datenschutzproblemen. Zudem laufen wie gegen anderen Technologieunternehmen kartellrechtliche Untersuchungen in den USA. Kongressabgeordnete hatten zuletzt kritisiert, dass die Association die Fragen der Politiker nicht ausreichend beantwortet hätte.

Bei der Vorstellung des Projekts im Juni hatte die Libra Association 28 potenzielle Mitglieder, die damals nur eine Absichtserklärung unterschrieben haben. In den vergangenen Tagen sprangen jedoch insgesamt sieben Unternehmen ab, darunter globale Finanzdienstleister wie Visa, Mastercard und Paypal.

Bis zum kommenden Jahr sollte die Association eigentlich mindestens 100 Mitglieder haben. Ein Sprecher zeigte sich durchaus optimistisch, dass das gelingen könnte. Mehr als 1500 Interessenten gäbe es, heißt es in einer Pressemitteilung, davon würden 180 die vorgegebenen Kriterien erfüllen. Zu den bestehenden Mitgliedern gehören Risikokapitalgesellschaften wie Andreessen Horowitz und Union Square Ventures, aber auch Uber, Lyft, Spotify und Vodafone.

Facebook sah sich nach der Ankündigung einer privaten Währung Kritik ausgesetzt. Mit der Libra sollen grenzübergreifende Zahlungen einfacher werden. Einige Politiker befürchten jedoch, Facebooks Schwierigkeiten, die Privatsphäre von Nutzern zu schützen, werde sich auch bei der Libra zeigen, auch wenn es sich um verschiedene Organisatoren handele.

Pünktlich zum Libra-Treffen in Genf meldete sich auch der Finanzstabilitätsrats FSB zu Wort. In einem Brief an die Finanzminister der G20-Staaten und -Zentralbanker warnte FSB-Chef Randal Quarles noch einmal vor den Risiken von digitalen Währungen wie Libra. Anders als Kryptowährungen wie der Bitcoin gilt Libra als sogenannter „Stable Coin“, der im Wert so gut wie nicht schwankt.

Libra soll jedoch an einen Korb an Währungen gekoppelt sein, darunter der Dollar und der Euro. Daher sind internationale Aufseher und Währungshüter alarmiert. Der Finanzstabilitätsrat will im Frühjahr einen umfassenden Bericht zu dem Thema vorlegen, mahnte jedoch jetzt schon zur Wachsamkeit. Globalen Stable-Coins „könnten die „Stabilität des Finanzsystems gefährden“, so Quarles, der auch Vize-Präsident der US-Notenbank ist. Ähnlich hatte sich in der Vergangenheit auch die Bank of England und der US-Finanzminister Stephen Mnuchin geäußert.

David Marcus versicherte bereits im Juli bei Anhörungen vor dem US-Kongress, dass keine Zahlungen mit der Libra möglich sein werden, bevor die Sorgen der US-Regulierungsbehörden nicht ausgeräumt seien. Ursprünglich war geplant, dass Zahlungen schon im ersten Halbjahr 2020 möglich sein sollen.

Ein Sprecher der Libra-Association räumte am Montag jedoch ein, dass dies wegen der Kritik der Regulierungsbehörden nicht garantiert werden könne. Vorstandsmitglied Kathrin Haun gab sich kämpferisch. „US-Politiker riskieren, dass Amerika die Führung über eine der wichtigsten neuen Technologien abgibt“, falls Libra verboten werden sollte, bevor das System wirklich gestartet ist, schrieb sie auf Twitter. Sie ist Partnerin beim Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz und leitet dort die Krypto-Investments. Facebook-Chef Mark Zuckerberg wird kommende Woche vor dem Repräsentantenhaus aussagen.

Mit Agenturmaterial

Mehr: Facebooks digitale Währung kann nicht starten, wenn der Druck der Regulierer anhält – immerhin sind die jetzt bei Kryptowährungen aufmerksamer.

Startseite

Mehr zu: Soziales Netzwerk - Facebook startet offiziell Digitalwährung Libra

0 Kommentare zu "Soziales Netzwerk: Facebook startet offiziell Digitalwährung Libra"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.