Teurer Franken Wie meine Laune mit dem Wechselkurs sinkt

Seit heute ist Holger Alich neuer Korrespondent für das Handelsblatt in Zürich. Was ein Neuankömmling aus der Eurozone im Reich des teuren Franken erlebt: ein Erfahrungsbericht.
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Holger Alich macht sich auf den Weg nach Zürich - und macht erste Erfahrungen mit dem teuren Franken. Quelle: MEIGNEUX/ SIPA PRESS für Handelsblatt

Holger Alich macht sich auf den Weg nach Zürich - und macht erste Erfahrungen mit dem teuren Franken.

(Foto: MEIGNEUX/ SIPA PRESS für Handelsblatt)

ZürichWälder und Wiesen direkt vor der Haustür, der schöne Zürichsee nur ein paar Gehminuten entfernt – meine Chefs mussten mich nicht lange bitten, nach sieben Jahren aus dem hektischen Paris in den Großraum Zürich zu ziehen. So gewinne ich für die Kinder an Lebensqualität und ich lerne ein neues Land und seine Themen kennen, dachte ich. Und tatsächlich: Gleich vom ersten Tag an fesselte mich ein Thema wie meine neuen Nachbarn: Der Franken-Kurs. 

Natürlich hatte ich den Auszug aus der Eurozone bei meinen Gehaltsverhandlungen thematisiert, und ausgemacht, dass meine Zulagen direkt in Franken ausbezahlt werden und zwar zu einem vorab festgelegten Wechselkurs. Dennoch bekomme ich den Großteil meines Salärs nach wie vor in Euro. „Mach dir keine Sorgen, der Euro ist eine starke Währung“, tönte mein Chef. Als er das sagte, bekam ich für einen Euro noch 1,20 Franken.

Währungsentwicklung des Schweizer Franken von Januar 2010 bis August 2011 (im Verhältnis zum Euro)

Kaum in der Schweiz Anfang August angekommen, war der Kurs schon auf 1,10 Franken abgerutscht. Und seitdem ist meine Laune und die meiner Frau stark vom Wechselkurs abhängig. Denn die August-Miete für unsere neue Wohnung hatte mich bereits umgerechnet 400 Euro mehr als die Juli-Miete gekostet. Da fängt man dann an, sich ein Lesezeichen im iPhone-Browser für den Franken-Kurs anzulegen.

Zumal sich auf einmal ungeahnte Kostenblöcke auftun. Für den Müll zum Beispiel. Mein neuer Nachbar wies mich höflich darauf hin, dass ich alte Packfolien und sonstigen Müll nicht einfach so in den Container schmeißen dürfte. „Da brauchen Sie schon eine Müllmarke“, klärte mich der gute Mann auf. Auch die Säcke sind normiert, die Liter-Zahl muss draufstehen. Und ein 35-Liter-Sack muss mit einer Müllmarke à 1,80 Franken versehen werden – sonst nimmt ihn die Müllabfuhr nicht mit.

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12 Kommentare zu "Teurer Franken: Wie meine Laune mit dem Wechselkurs sinkt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Trottellumme:
    Allerdings haben Sie recht, wenn es Grenzpendler der unteren und mittleren Einkommenssegmente betrifft: da gibt es diesen Käs mit der EUR Bezahlung.

  • @Trottellumme: Wenn Sie sich zu 80% Bezahlung oder mit EUR Bezahlung hier in der Schweiz anwerben lassen: selber schuld. Sie hätten besser verhandeln sollen. Weder mir noch meinen Nicht-Schweizer Kollegen ist sowas begegnet....

  • Lebe seit 3 Jahren in der Schweiz. Gute Wohnungen sind teuer, aber am teuersten halt in Zürich. Ich habe 130 qm Designerwohnung in Basel City, 3200 CHF kalt. Normal. Aber dafür verdien ich hier auch eben besser (ca 40% mehr als mit deutsche Unternehmen für ähnliche Positionen zur Zeit bieten; nein: ich bin NICHT in der Finanzbrache :-). Und zum billig Einkaufen: 10 min zum Supermarkt in Frankreich, 15 min zum Einkaufszentrum in Deutschland. Bess'r gaht's net...

  • Ich schließe mich dem Schreiber bezügl. der Mitkosten an.
    Das ist Jammern auf hohem Niveau, wenn der Frankenverlust bei der Miete gleich 400 Fr/Monat ausmacht! Solche Luxuswohungen können sich die Schweizer Normalverdiener gar nicht leisten!

  • habe lange genug in der Schweiz studiert und gelebt, und dann dieses kleine Paradies eingetauscht gegen mehr Geld in NY. Bereue das heute immer noch, wenn ich zurück blicke. Lebensqualität und Kultur sollte Mann nie gegen einen noch besseren und höher dotierten Job eintauschen, schon gar nicht in den USA!

  • Ich beneide Sie. Schon so ist die Schweiz schön aber vor dem Hintergrund der EU-Politik erscheint sie als Paradies... :-(

  • Wenn man im Grossraum Zürich lebt, dann ist es halt teuer. Ich selbst wohne im Aargau, nur 22 Bahnminuten von Zürich entfernt, da sind viele Lebenshaltungskosten (insbes. Mieten) schon viel zivilisierter, und nach Zürich kann ich jederzeit fahren (mit Halbtax-Abo ist Bahnfahren nicht mehr wirklich teuer).

    Ich bin jedenfalls heilfroh, in der Schweiz zu leben und zu arbeiten. Meine Kaufkraft ist immer noch höher als in Deutschland, das Arbeitsklima angenehm, und die Berge liegen gleich vor der Haustür - Deutschland zum Einkaufen übrigens auch. Ausserdem gehört die Schweiz nicht zur EU, muss nicht für die Misswirtschaft von Pleitestaaten gerade stehen, und ich muss mir nicht immer das Lobbyisten-Lügenmärchen vom Fachkräftemangel anhören (nach zuvor einem Jahr Arbeitslosigkeit als Ingenieur im doch so händeringend nach Fachkräften suchenden Deutschland). Daher verzichte ich dankend auf mein zur Lobbyisten-Bananenrepublik verkommenes Heimatland - taugt höchstens für einen günstigen Einkauf.

  • Ich orientiere mich gerne am Bier-Index ;-)

    Frankreich ist da schon recht teuer, aber was ich letztens in der Schweiz gesehen habe, verschlug mir die Sprache:
    0,5 l Dose Beck's 1,10 Franken
    0,5 l Dose Schweizer Bier zwischen 1,80 und 2,10 Franken

    Normalerweise wäre es doch andersrum.

  • Leider stehen die Dinge nicht so einfach. Es ist tatsàchlich so, dass EU Bürger idR in der Schweiz bezahlungstechnisch gegenüber Schweizern diskriminiert werden: Das heisst, entweder werden sie in EUR bezahlt, obwohl sie in der SChweiz wohnen und mit den dortigen hohen Lebenskosten zurechtkommen müssen. Oder aber, die Stelle wird als 80 % Stelle oder dergleichen ausgeschrieben , ist aber de facto eine hundert prozent Stelle. Das letztere wird im Uni Bereich gerne getan.
    Und wenn man dagegen ist....wird eben einfach der Mitbewerber genommen, der ja sagt.
    Zu den Mieten:
    Eine 65 qm Wohung (3 Zimmer) in Genf im Rotlichtviertel kostet 2000 CHF im Monat. Das ist unteres Mietniveau. Die Monatsmiete für eine einfache, ordinäre Doppelhaushäélfte (nichts besonderes) kann leicht mit 6000 CHF und mehr veranschlagt werden.
    Ein einfaches Studio (vielleicht 25 qm ) ist nicht unter 1400 CHF zu haben, und ein einfaches Zimmer zur Untermiete nicht unter 800 CHF.
    Dass EU Bürger auf einmal in EUR bezahlt werden, ist eine REaktion der SChweizer auf den starken CHF und eine kleine verkappte "Neidaktion", nach dem Motto, wir können ja nicht mehr exportieren, und wem es nciht passt, soll zu Hause bleiben; die Bewerber können sich das leider nicht heraussuchen. Auch werden Grenzpendler regelmässig in EUR bezahlt, das ist durchaus üblich. Natürlich hätten die lieber CHF...Das ganze ist eine grosse Sauerei, wird in Zukunft a^ber noch zunehmen.

  • Wer in Meilen an der "Gold-Küste", dem nicht gerade billigsten Wohngebiet in Zürich lebt, darf sich nicht wirklich über Mietpreisschwankungen in Höhe von 400€ wundern ... sage da nur ... Seeseite wechslen ;-) ... Und hier über Mülltourismus zu schreiben ... da geben wir Deutschen nicht wirklich ein super Bild ab ... ob man sich lieber in Franken oder Euro bezahlen lassen will, dass muss jeder selber entscheiden ...

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