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Treffen des Öl-Kartells Opec über Verlängerung der Förderkürzung um neun Monate einig

Die Opec will auch künftig weniger Öl fördern. Trotzdem herrscht hinter den Kulissen Anspannung. Denn das Kartell erkauft sich die Stabilität am Ölmarkt teuer.
Update: 01.07.2019 - 22:14 Uhr Kommentieren
Opec: Das Ölkartell Opec vor einer Zerreißprobe Quelle: AFP
Opec-Zentrale in Wien

Das Ölkartell ist intern zerstritten.

(Foto: AFP)

Wien Die letzten Worte waren dem „Zentralbanker des Öls“ vorbehalten. Nach stundenlangen Verhandlungen bestätigte der saudische Ölminister Khalid Al-Falih am Montagabend, was sich bereits den gesamten Tag über abgezeichnet hatte: Die Opec verlängert ihre Produktionskürzungen um neun Monate. Zudem will das Ölkartell in einer Charta die Kooperation mit zehn weiteren Exportländern festschreiben, eine Formalie, die das Opec-Mitglied Iran bis zuletzt blockiert hatte. Der Iran hatte zuletzt Bedenken geäußert, dass der Einfluss Russlands auf das Öl-Bündnis dadurch noch stärker wird.

Die 14 Opec-Staaten und zehn weitere Ölexporteure, darunter Russland und Mexiko, werden ihre Produktion der Entscheidung zufolge um 1,2 Millionen Barrel (159 Barrel) täglich kappen. Die 24 Staaten der sogenannten Opec+-Allianz hatten diese Vereinbarung bereits im Dezember 2018 getroffen, die nun um ein Dreiviertel Jahr verlängert wird.

Die Produktionskürzung war Ende Juni ausgelaufen. Eine endgültige Entscheidung der Opec- und Nicht-Opec-Staaten soll am Dienstag in Wien fallen. Am Montag legte der Ölpreis bereits deutlich zu. Am Morgen kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 66,46 US-Dollar. Das waren 1,66 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 1,49 Dollar auf 59,96 Dollar zu.

Schwindende Marktanteile

Im Markt wurde die nun bestätigte Entscheidung positiv aufgenommen. Hannes Loacker, Rohstoffexperte bei Raiffeisen Capital Management, sagte dem Handelsblatt: „Das hilft dem Ölmarkt über ein aus Nachfragesicht schwaches Quartal hinweg zu kommen.“ Zudem gebe es nicht dass Problem, dass zwischen alten und neuen Deal eine zu große Zeitspanne liegt. Das habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Unsicherheit am Ölmarkt hoch und die Disziplin der Opec-Mitglieder, sich an die Absprachen zu halten, gering war.

„Die Verlängerung des Abkommens sieht nach einer grundsätzlichen Notwendigkeit aus einem fundamentalen Gesichtspunkt aus“, heißt es auch bei dem unabhängigen Ölmarktanalysehaus JBC Energy in Wien. Das Ziel von 1,2 Millionen Fass pro Tag lasse genügend Raum zu reagieren, wenn sich Marktbedingungen in eine andere Richtung als erwartet verändern sollten.

Allerdings erkauft sich das Kartell die Stabilität am Ölmarkt teuer: Denn durch die Förderkürzungen reduziert sich der Marktanteil der Opec immer weiter. Schon jetzt iest er auf dem tiefsten Stand seit 1991. Und eine Trendumkehr ist nicht in Sicht: Die Internationale Engergie-Agentur (IEA) schätzt die Nachfrage nach Opec-Öl auf lediglich 29,9 Millionen Barrel pro Tag bis zum Ende des Jahres. Das entspricht einer Million Fass weniger als derzeit.

Zum Auftakt des Opec-Treffens am Montag bemühten sich die Ölminister, ein geschlossenes Bild abzugeben. Angolas Ölminister, Diamantino Azevedo, sagte dem Handelsblatt: „Wir werden die Ziele umsetzen, die die Opec beschließt.“ Sein Land bevorzuge einen neuen Deal für eine Dauer von neun Monaten, sei jedoch auch mit sechs Monaten einverstanden. „Der Zeitraum von neun Monaten gibt dem Markt künftig eine größere Stabilität“, so Azevedos Begründung.

„Die Opec wird sterben“

Bereits am Samstag am Rande des G20-Treffens im japanischen Osaka hatten sich die zwei mächtigsten Opec+-Staaten, Saudi-Arabien und Russland, auf die Verlängerung des Dezember-Deals um neun Monate verständigt. Den übrigen Opec-Mitgliedern bleibt nun kaum etwas anderes übrig, als den beiden Öl-Supermächten zu folgen.

An der Art und Weise, wie Russlands Präsident Putin und der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Opec vor vollendete Tatsachen gestellt hat, rief insbesondere beim Iran Kritik hervor. So warnte der iranische Ölminister Bijan Namdar Zanganeh: „Der Iran wird die Opec nicht verlassen, aber die Opec wird sterben.“ Grund sei der „Unilateralismus“, der von zwei Ländern diktiert werde.

Andere Opec-Delegierte wollten jedoch nichts von einem Zwist innerhalb der Opec wissen. So sagte der algerische Ölminister Mohamed Arkab dem Handelsblatt: „Die Atmosphäre der Gespräche heute morgen war sehr gut.“ Die Opec-Mitglieder hätten die vereinbarten Produktionskürzungen übererfüllt. Das unterstreiche den Zusammenhalt des Bündnis, so Arkab weiter. Sein angolanischer Amtskollege Azevedo sagte auf die Frage, ob Russland zu dominant innerhalb der Opec+ sei: „Wenn das der Fall wäre, wäre ich nicht gekommen.“

Doch aus Sicht von Agnes Horvarth, Chefökonomin des Ölkonzerns Mol, werden die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Russland immer wichtiger für das Ölkartell. Das Opec+-Bündnis werde „in der nahen Zukunft wichtiger, als die Opec.“ Der Iran drohe dagegen, international vollends isoliert zu werden.

Noch bevor das Opec-Treffen begonnen hatte, sagte die nigerianische Opec-Delegationschefin und Staatssekretärin Folasade Yemi-Esan, dass ihr Land eine solche Beschränkung auch für die nächsten neun Monate befürwortet: „Wir glauben, dass eine Verlängerung der Limits um neun Monate einer um sechs Monate zu bevorzugen ist, denn das bietet größere Sicherheit und reduziert dabei die Volatilität des Marktes.“

Mehr: Russland und Saudi-Arabien nehmen das Ergebnis des Opec-Treffens vorweg und einigen sich auf eine Öl-Förderquote. Lesen Sie hier, was das für den Einfluss Moskaus bedeutet.

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