Türkei Die Lira steigt, doch die Euphorie dürfte nicht lange anhalten

Nach dem Wahlsieg von Präsident Erdogan startet die türkische Währung mit einem Plus in den Tag. Doch schon bald könnte die Ernüchterung folgen.
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Türkei: Die Lira-Euphorie dürfte nicht lange anhalten Quelle: dpa
Nach den Wahlen in der Türkei

Die Lira legt zu, doch das dürfte nicht von langer Dauer sein, meinen Experten.

(Foto: dpa)

IstanbulDer deutliche Wahlsieg von Amtsinhaber Erdogan bei den türkischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am Sonntag gab der Währung des Landes zu Beginn der Handelswoche Auftrieb. In der Wahlnacht legte die Lira zum US-Dollar und Euro zwischenzeitlich um bis zu drei Prozent zu.

Am Montagvormittag (Ortszeit) blieb ein Plus von einem Prozent: Für einen US-Dollar verbesserte sich der Wert der Landeswährung auf 4,64 Lira, zum Euro auf 5,41 Lira.

Am Markt wurde als Grund der eindeutige Ausgang der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen vom Wochenende genannt. Nach Angaben der Wahlkommission hat Präsident Recep Tayyip Erdogan die Präsidentenwahl mit rund 53 Prozent der Stimmen gewonnen, seine Partei AKP bekam im Zusammenschluss mit der rechtsextremen MHP eine absolute Mehrheit der Mandate im Parlament.

Doch die Freudensprünge der Anleger dürften nicht von langer Dauer sein. Denn Erdogan, der der Türkei in den vergangenen 16 Jahren einen Wirtschaftsboom verschafft hatte, fiel Investoren zuletzt immer häufiger in den Rücken.

Das Wirtschaftswachstum der vergangenen zwei Jahre war vor allem durch Kredite finanziert und hat die Inflation auf ein Rekordniveau von 12 Prozent getrieben. Gleichzeitig verlor die Währung alleine in diesem Jahr 18 Prozent an Wert.

Am schlimmsten wirkten sich aber Äußerungen Erdogans im Wahlkampf aus, im Falle eines Wahlsieges die Zentralbank des Landes stärker kontrollieren zu wollen. Die Währungshüter hatten im Zuge der schwächelnden Lira die Leitzinsen kontinuierlich angehoben. Aus Sicht Erdogans würgten sie damit das Wachstum des Landes ab – ein Szenario, das bislang nicht eingetreten ist.

Nach seinem Wahlsieg zeichnet sich jetzt ein Machtkampf zwischen dem Präsidenten, der „Wachstum um jeden Preis“ forciert, und den geldökonomischen Falken in der Führung des Landes – darunter der Notenbankchef, Regierungschef Yildirim und Vizepremier Simsek – ab.

Analysten sind daher trotz des Lira-Auftriebs nicht wirklich optimistisch. Mitul Kotecha, Schwellenländerexperte von TD Securities, glaubt zwar, dass Investoren politische Stabilität gegenüber einem Wechsel an der Macht bevorzugen. Doch er geht davon aus, dass die Lira an Stärke verliert, sobald Erdogan seine Macht über die Wirtschaftspolitik des Landes ausbaut. „Die Lira wird wahrscheinlich wieder einen negativen Pfad einschlagen.“

Das glauben auch die Experten in anderen Geldhäusern. So schreibt die Commerzbank in einem Kommentar an ihre Kunden: „Erdogan wird sich mit seinem erneuerten Mandat ermutigt fühlen und wahrscheinlich einen stärkeren und direkteren Einfluss auf die Wirtschaftspolitik ausüben. Wir sollten von einer Kombination aus expansionistischer Geld- und Fiskalpolitik ausgehen, die das Wirtschaftswachstum weiter anfeuern soll.“

Die Experten des Frankfurter Geldhauses gehen weiter davon aus, dass Erdogan die Leitzinsen senken könnte. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Erdogan sich für niedrigere Kreditzinsen von Staatsbanken für kleine und mittlere Firmen einsetzen wird.“

Die Zentralbank würde demnach in Zukunft zögern, wenn es darum ginge, die Leitzinsen unter makroökonomischen Gesichtspunkten anheben zu wollen. „Der Devisenmarkt wird wieder in ein unsicheres Stadium eintreten, was die Fähigkeit der Zentralbank angeht, die Zinsen anheben zu können – und das ist ein Desaster.“

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1 Kommentar zu "Türkei: Die Lira steigt, doch die Euphorie dürfte nicht lange anhalten"

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  • Ich glaube, die Lira ist unterbewertet, aber in jedem Fall kommt das Land auf Stabilitaets-
    kurs und die Wirtschaft brummt. Also ist eine steigende Waehrung die logische Folge.

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