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Türkei droht Stagflation Die türkischen Devisen- und Anleihe-Märkte kollabieren

Die türkische Lira rauscht in die Tiefe, die Renditen der Staatsanleihen erreichen unerwartete Höhen. Experten glauben, dass sich die Lage noch weiter verschärft.
Update: 03.08.2018 - 07:43 Uhr 1 Kommentar
Türkei: Die Devisen- und Anleihen-Märkte kollabieren Quelle: Bloomberg
Türkische Lira

Der Kursverfall der Lira im Vergleich zum Euro und US-Dollar hat sich am heutigen Donnerstag deutlich beschleunigt.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfDie türkische Lira ist am Donnerstag auf ein Rekordtief abgesackt. Für einen Dollar musste man am Freitagmorgen mehr als fünf Lira bezahlen. Damit hat die türkische Währung in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

Ähnlich ist der Kursverlust der Lira gegenüber dem Euro – ein Euro kostete 5,91 Lira. Ein neuer Rekordwert.

Die Sanktionen der US-Regierung gegen zwei türkische Minister haben Ängste am Markt geschürt, dass noch weitere Maßnahmen und entsprechende Gegenmaßnahmen folgen könnten“, schreiben die Devisen-Analysten der Commerzbank. Investoren mögen die politische Eskalation nicht.

Zudem werden am Freitag die türkischen Juli-Inflationsdaten veröffentlicht. Erwartet wird ein weiterer Anstieg, der nach der jüngsten Entscheidung der Notenbank, den Leitzins nicht anzuheben, sicherlich auch nichts Positives für die Lira bringt. „Wir rechnen mit weiterer Lira-Schwäche“, lautet die Commerzbank-Prognose.

Auch am Bondmarkt crashten die Kurse, und die Renditen stiegen dementsprechend deutlich. Anleger können mit türkischen Staatsanleihen bei Laufzeiten von zwei bis einschließlich fünf Jahren Renditen von mehr als 20 Prozent erzielen.

Die Rendite zehnjähriger Anleihen stieg um 86 Basispunkte auf ein Allzeithoch von 18,64 Prozent. Noch deutlicher war der Rendite-Anstieg bei den Fünfjährigen, die allein am heutigen Handelstag um 121 Basispunkte zulegten.

Zum Vergleich: Die Rendite griechischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren liegt bei knapp über vier Prozent. Einen Wert von mehr als 20 Prozent hatten diese Bonds lediglich kurzzeitig 2011 und 2012 erreicht, als das türkische Nachbarland kurz vor dem Austritt aus der EU und damit quasi vor der Insolvenz stand.

Entsprechend den hohen Renditen hat sich auch die Bonität der Türkei deutlich verschlechtert. Ein Indikator ist der Anstieg der Kreditausfallversicherungen, der Credit Default Swaps (CDS). Mit ihnen sichert sich der Kreditnehmer gegen den Zahlungsausfall der Anleihe eines Schuldners ab.

Je höher das Risiko des Zahlungsausfalls, desto höher muss die Prämienzahlung sein. Denn ein höheres Risiko heißt, dass der Markt eher erwartet, dass ein Schuldner seine Anleihe nicht bedienen kann.

Diese Risikoprämie ist aktuell auf ein neues Sechseinhalbjahreshoch gestiegen. Mittlerweile müssen Investoren für eine fünfjährige türkische Staatsanleihe jährlich 3,48 Prozent für eine Absicherung zahlen.

Allein am heutigen Donnerstag stieg die Prämie um 16 Basispunkte. Noch Anfang dieses Jahres hatte dieser Wert bei 1,89 Prozent pro Jahr gelegen. Zum Vergleich: Der CDS-Wert für die entsprechenden Anleihen der Bundesrepublik Deutschland liegt bei 0,108 Prozent.

Der Grund für den Crash an den Anleihe- und Devisenmärkten: Das US-Finanzministerium hat am Mittwoch Sanktionen gegen zwei türkische Minister verhängt. Grund ist der anhaltende Hausarrest für den US-amerikanischen Pastor Andrew Brunson. Auch das zeigt, wie sehr sich Washington und Ankara entfremdet haben, wie stark die Beziehungen belastet sind und dies die Märkte des Landes erschüttert hat.

„Es ist ein seltener Fall von Sanktionen unter Nato-Mitgliedern“, sagte Cristian Maggio, Leiter Schwellenländer-Strategie bei TD Securities in London, dem Wirtschaftsdienst Bloomberg. Das sei keine Entscheidung, die leichtfertig getroffen werde. „Ich denke, es besteht nicht nur das Risiko, dass es sich auf die Stimmung auswirkt, sondern es wird sichtbare und messbare wirtschaftliche und finanzielle Folgen haben.“

Sollten die US-Strafmaßnahmen gegen die Türkei ausgeweitet werden, droht der Wirtschaft des Landes ein böses Erwachen. Denn der türkische Wirtschaftsboom hat ein Ablaufdatum. Die Konjunkturprogramme der vergangenen Jahre, mit viel Kreditgeld finanziert, laufen in Kürze aus.

Dementsprechend droht der Wirtschaft schon bald ein Dämpfer – mit verheerenden Folgen. Lässt die Wirtschaftskraft nach, während die Preise im Land weiter steigen, könnte es schnell zur sogenannten Stagflation kommen. Eine Mischung aus wirtschaftlicher Stagnation und Inflation. Die Inflation ist bereits hoch und steigt weiter: Sie erreichte im Juni mit 15,4 Prozent den höchsten Wert seit 14 Jahren.

Bereits vor einer Woche hatte Sam Finkelstein, Leiter für Emerging Marktes bei der US-Bank Goldman Sachs, eine klare Meinung zu Investments in der Türkei: „Nein, danke“, sagte er in einem Bloomberg-Interview. Bereits damals war für ihn klar, dass Inhaber von türkischen Vermögenswerten nervös werden dürften. Denn die dortige Regierung „mache alles falsch“.

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1 Kommentar zu "Türkei droht Stagflation: Die türkischen Devisen- und Anleihe-Märkte kollabieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • So,so. Die türkischen Anleihen- und Devisenmärkte kollabieren. Anscheinend ganz überraschend. Dabei haben wir in Deutschland und Europa für jeden Grashalm einen sogenannten "Experten", der jedes zittern eines Halmes schon Monate im voraus verspüren sollte. Tun die Kerle aber nicht. Wahrscheinlich weil sie mit ihrer Selbstdarstellung beschäftigt sind.

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