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Türkei Erdoğan fordert niedrigere Leitzinsen – Lira gibt nach

Die türkische Wirtschaft leidet unter einer hohen Inflation, einem niedrigen Wachstum – und dem türkischen Präsidenten zufolge unter zu hohen Zinsen.
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Der türkische Präsident erhöht den politischen Druck auf die Geldwächter des Landes. Quelle: AP
Recep Tayyip Erdoğan

Der türkische Präsident erhöht den politischen Druck auf die Geldwächter des Landes.

(Foto: AP)

Istanbul Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan fordert eine Zinswende von der Zentralbank des Landes. „Die Zinsen sind zu hoch“, sagte Erdoğan auf Anfrage des Handelsblatts am Donnerstag. Damit steigt der politische Druck auf die Geldwächter des Landes, den bisherigen Leitzins von 24 Prozent zu senken. Anfang Juni hatte das geldpolitische Komitee des Landes entschieden, den Leitzins unverändert zu lassen.

Nach Erdoğans Äußerung gab die Lira einen Teil der Gewinne zum Dollar wieder ab. Die US-Währung kostete 5,7675 Lira, nachdem sie zeitweise auf bis zu 5,7220 Lira gefallen war.

Erdoğan hingegen steht unter Druck. Die schlechte Wirtschaftslage drückt seine Beliebtheitswerte. Ende März verlor seine AKP bei den landesweiten Kommunalwahlen mehrere Großstädte, darunter die Hauptstadt Ankara sowie die Ferienhochburg Antalya. 

An diesem Sonntag wird in Istanbul zum zweiten Mal gewählt. In Umfragen sieht es denkbar knapp aus. Viele Wähler beschweren sich über hohe Preise und fehlende Jobs. Die Wahl könnte zur Abrechnung mit Erdoğans Wirtschaftspolitik werden.

Vor allem die hohe Inflation von teils über 20 Prozent pro Jahr ist dem Präsidenten ein Dorn im Auge. Aus zwei Gründen: Ärmere Menschen, die zu den AKP-Stammwählern zählen, können sich immer weniger leisten. Und die Zentralbank musste den Leitzins auf ein ähnliches Niveau anheben, um die Inflation zu deckeln. In der Tat gehen die Preissteigerungen derzeit leicht zurück. 

Das reicht Erdoğan nicht. „Wenn die Zinsen nicht sinken, sinkt auch nicht die Inflation“, führte Erdogan an.

Zentralbank bereitet Märkte auf Zinssenkung vor

Was auf den ersten Blick entgegen der ökonomischen Theorie klingt, erhält erst beim zweiten Blick einen Sinn: Die hohen Zinsen hemmen nämlich Unternehmer daran, Kredite aufzunehmen, um die eigene Produktion anzukurbeln und Jobs zu schaffen. Erdoğan denkt daher vor allem an die Realwirtschaft, wenn er auf Nachfrage sagt: „Die Zinsen in unserem Land sind leider zu hoch.“ Ob mit mehr Jobs auch die Inflation sinkt, ist dabei jedoch nicht gesagt.

Der türkische Staatschef verwies außerdem auf die Situation in anderen Ländern. In Israel betrage der Leitzins 0,25 Prozent, in der Eurozone null und in Japan sogar minus ein Prozent. Auch die US-Notenbank hatte zuletzt nahegelegt, die eigenen Leitzinsen von derzeit 2,5 Prozent zu senken. „Auch US-Präsident Donald Trump sagt, die Zinsen müssen sinken“, sagte Erdoğan.

Die türkische Zentralbank bereitet die Märkte unterdessen längst auf eine Zinssenkung vor. Zuletzt blieb in den Veröffentlichungen der Zentralbank die Bemerkung aus, mit allen Mitteln gegen die Inflation im Land vorzugehen. Dafür wurde die wirtschaftliche Entwicklung betont – ein Zeichen für niedrigere Zinsen. 

Über eine spezielle Fazilität erlaubt die Zentralbank seit letzter Woche bestimmten türkischen Banken, zu einem Zins von 23 Prozent an frisches Geld zu kommen – ein Prozentpunkt unter dem derzeitigen Zinssatz. Analysten werteten dies als „Zinssenkung durch die Hintertür“.

Mehr: In der Türkei sind die „Feinde aus dem Ausland“ ein beliebtes Klischee. Lesen Sie hier, die die Exportvereinigung des Landes die Annahme befeuert – und viel Spott erntet.

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