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Türkei Investoren sind verunsichert: Bleibt der türkische Markt volatil?

Nach den Kommunalwahlen in der Türkei warten Anleger auf eine Ansage von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Zudem kommt neuer Druck aus den USA.
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Die hohen Leitzinsen dürften die Währung vorerst stützen. Quelle: Reuters
Türkische Lira

Die hohen Leitzinsen dürften die Währung vorerst stützen.

(Foto: Reuters)

IstanbulDie Ergebnisse der Kommunalwahlen und neuer politischer Streit bringen die Märkte in der Türkei erneut unter Druck. Am Dienstag verlor die türkische Lira bis zu 2,1 Prozent zum US-Dollar. Zuvor hatte die US-Regierung geplante Lieferungen von Kampfjet-Ausrüstung an die Türkei gestoppt.

Für die türkischen Märkte geht die seit knapp zwei Wochen andauernde Hängepartie damit in die nächste Runde. Am Sonntag war die Regierungspartei AKP bei den Kommunalwahlen zwar landesweit als stärkste Kraft hervorgegangen, verlor aber gerade in den Großstädten viele Stimmen. Das nährt bei Investoren die Sorge, dass der türkische Markt weiter volatil bleibt. „Die Lira bleibt verwundbar“, meint Commerzbank-Analyst Tatha Ghose.

Doch anstatt ein konkretes Reformprogramm vorzulegen, belässt es die Regierung in Ankara bei Ankündigungen. „Vor uns liegt eine Reformagenda“, ließ Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Wahlsonntag zwar wissen, doch so manchem reicht das nicht. „Erdogan improvisiert von Tag zu Tag und hat keinen Spielplan, also könnten die Probleme in der Türkei eskalieren“, sagt etwa Nihat Bülent Gültekin, ein ehemaliger Gouverneur der türkischen Zentralbank.

Niedrige Reserven

Das Investorenvertrauen werde zudem nicht über Nacht wiederhergestellt, ist Lucas Irisik von Nikko Asset Management überzeugt. „Daher wird in der Zwischenzeit weiterer Druck auf mit Lira denominierten Assets unvermeidlich und Zurückhaltung bei der Investition in inländische Assets gerechtfertigt sein.“

Der Stimmenverlust gerade in den wichtigen Großstädten könne Erdogan dazu drängen, gar eine populistischere Agenda zu übernehmen. „Dies würde die Wirtschaft davon abhalten, nachhaltige Wachstumsdynamiken zu erreichen.“ Auch bei der Ratingagentur Moody’s ist die Skepsis groß: „Die politischen Entscheidungen der Regierung werden die Entwicklungen an den Märkten in den kommenden Tagen und Wochen stark beeinflussen.“

Doch während Moody’s etwa die niedrigen Reserven der türkischen Zentralbank als Problem ansieht, hält Commerzbank-Analyst Ghose die mangelnde Unabhängigkeit der Geldwächter für die größere Gefahr: „Der Reservenbestand kann so hoch sein, wie er will: Wenn die Geldpolitik der türkischen Zentralbank nicht über hinreichende Glaubwürdigkeit verfügt, ändert das an den Ausschlägen der Lira-Wechselkurse kaum etwas.“

Die hohen Leitzinsen dürften die türkische Lira vorerst stützen, meint Magdalena Polan von Legal & General Investment Management. „Langfristig aber würden Fortschritte bei den Reformen zur Stabilisierung der Währung beitragen und es der Zentralbank ermöglichen, die Zinsen zu senken, um den nötigen Schuldenabbau verträglicher zu gestalten und den Aufschwung zu beschleunigen.“

Dies würde auch türkische Vermögenswerte stützen, die im Vorfeld der Kommunalwahlen gelitten hatten. Dass es in absehbarer Zeit erneut zu einem Absturz kommen könnte, machen Experten dabei auch an der Rhetorik des türkischen Präsidenten fest. Der Streit mit den USA über militärische Geschäfte mit Russland könnte in neue Sanktionen gegen Ankara münden.

Das Vorgehen gegen Spekulanten, die auf eine fallende Lira gewettet hatten, könnte auch andere Investoren abschrecken, wie türkische Banker, mit denen das Handelsblatt anonym gesprochen hat, befürchten. Experten von Citi glauben hingegen, der landesweite Sieg von Erdogans Koalition verringere das Risiko von Neuwahlen. Erdogan werde demnach konzilianter und hätte Zeit, wichtige Reformen anzugehen.

Seit zwei Quartalen befindet sich die türkische Wirtschaft in einer Rezession. Laut dem Kreditversicherer Euler Hermes gehört die Türkei zu den derzeit anfälligsten Volkswirtschaften weltweit. „Insbesondere die Abhängigkeit von externer Finanzierung oder vom Export stellt ein Risiko dar“, sagt Euler-Hermes-Experte Manfred Stamer.

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