Türkei Lira-Verfall treibt Inflation in der Türkei auf über 25 Prozent

Der Lira-Verfall hat die Inflation in der Türkei in die Höhe getrieben. Die Nachricht schickt wiederum den Lira-Kurs nach unten. Doch die Daten geben auch Grund zur Hoffnung.
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Der Verfall der türkischen Landeswährung treibt die Inflation. Quelle: Reuters
Lira-Banknoten

Der Verfall der türkischen Landeswährung treibt die Inflation.

(Foto: Reuters)

Ankara, DüsseldorfDer Absturz der türkischen Landeswährung Lira hat die Inflation in der Türkei weiter steigen lassen. Wie das nationale Statistikamt am Montag mitteilte, lagen die Verbraucherpreise im Oktober 25,24 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Im Vormonat hatte die Teuerungsrate 24,52 Prozent betragen. Der Preisanstieg im Oktober ist der stärkste seit Mitte 2003, also seit gut 15 Jahren.

Die hohe Inflation ist vor allem eine Folge der starken Kursverluste der türkischen Lira. Die Entwicklung verteuert Einfuhren in die Türkei, auf die das Land angewiesen ist. Die Türkei weist ein chronisches Leistungsbilanzdefizit auf, importiert also mehr Waren als es ausführt.

Analysten können den jüngsten Daten allerdings auch Positives abgewinnen: „Es ist nicht so schlimm wie es hätte kommen können“, kommentiert etwa Tim Ash, Analyst des Vermögensverwalters Bluebay gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Die Leute könnten beginnen, die Daten als einen möglichen Wendepunkt zu sehen“.

Bay spielt auch auf folgenden Umstand an: Obwohl die Inflation auf den Monat bezogen hoch anmutet, sind die Inflationserwartungen für das gesamte Jahr mit 23,5 Prozent gleich geblieben. Im 12-Monats-Mittel sind es 14,9 Prozent.

Die türkische Landeswährung hat auf die Nachricht von der steigenden Inflation mit Kursverlusten reagiert. Am Montagmorgen verlor die Lira 0,3 Prozent gegenüber dem Dollar. Ein Dollar kostete demnach 5,4 Lira.

Dabei konnte sich die türkische Bevölkerung zuletzt über eine – wenn auch kurze – Pause vom Verfall der Währung freuen. Am vergangenen Freitag hatten die USA bekanntgegeben, dass die Türkei als eines von acht Ländern trotz Sanktionen weiterhin Öl aus dem Iran importieren darf. Das hatte die Lira auf den bis dahin höchsten Stand seit drei Monaten getrieben.

Neben dem Verfall der Lira war auch der Anstieg der Energie- und Immobilienpreise für den Anstieg der Inflation mitverantwortlich. So erhöhten sich die Immobilienpreise im Oktober um 25,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Im September betrug die Teuerung noch 21,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Energiepreise stiegen im Jahresvergleich um 29,4 Prozent. Im Vormonat waren es 27 Prozent.

Für die türkische Wirtschaft hat eine hohe Inflation viele negative Folgen: Zum einen macht sie das Land weniger attraktiv für ausländische Investoren. Diese scheuen die Entwertung ihrer Anlagen und neigen dazu, Geld aus dem Land abzuziehen. Zum anderen zwingt sie die türkische Zentralbank, ihren Leitzins hoch zu halten. Dieser liegt momentan bei 24 Prozent. Das wiederum macht es für Unternehmen weniger attraktiv, Kredite aufzunehmen – was wiederum negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft hat.

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