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Türkei Lira verliert bis zu sechs Prozent – Die Unsicherheit am türkischen Markt kehrt zurück

Der Wertverlust der türkischen Währung am Freitag erinnert an den Sommer 2018. Das könnte nur der Vorbote für eine weitere Abwertung gewesen sein.
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Experten sind der Meinung, die türkische Lira sei seit Ende des letzten Jahres zu stark gewesen. Quelle: dpa
Türkische Lira

Experten sind der Meinung, die türkische Lira sei seit Ende des letzten Jahres zu stark gewesen.

(Foto: dpa)

Istanbul Es schien, als hätte sich die türkische Lira in den vergangenen Monaten erholt. Nachdem sie im vergangenen Sommer und Herbst im Verhältnis zum Dollar mehr als 25 Prozent verloren hatte, zeigte sich die türkische Landeswährung zuletzt stabil bei etwas mehr als fünf Lira pro US-Dollar.

Dann aber setzte am Freitag eine Gegenbewegung ein. Die Lira verlor massiv an Wert, zeitweise sechs Prozent auf bis zu 5,62 Lira pro US-Dollar. Am Abend notierte der Kurs bei etwa 5,50 Lira. Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe – und manche Erklärungsansätze sind gleichzeitig ein schlechtes Omen für die weitere Entwicklung der Währung. 

1. Die Lira war seit Dezember zu stark

Währungsanalysten hatten häufiger angedeutet, dass der faire Wechselkurs zum US-Dollar bei 5,50 Lira liegt. Ein Grund für die Stärke der Lira in den vergangenen Monaten war das Verhalten türkischer Sparer: Sie sollen Beobachtern zufolge seit Dezember vermehrt Dollarbestände verkauft haben, um sich im Gegenzug mit der Heimatwährung einzudecken.

Das stärkte die Lira mehrere Monate lang auf unnatürliche Weise – obwohl die Wirtschaft des Landes seit Oktober schrumpft. Jetzt fehlten besonders den staatlichen Banken Dollarbestände, meint Roger Hallam, Investmentvorstand für Währungen bei JP Morgan Asset Management. 

2. Die Notenbank in der Zwickmühle

Die Währungshüter aus Ankara haben Experten zufolge nicht schnell genug auf die hohe Inflation im Land von derzeit über 20 Prozent reagiert. Sie hätten die Leitzinsen früher anheben müssen, sind Experten wie der Ökonom Timothy Ash überzeugt. Mit hohen Zinsen hätten türkische Sparer einen Anreiz, ihre Heimatwährung zu behalten, statt ihre Lirabestände in Dollar zu tauschen.

Doch alleine in der Woche zwischen dem 8. und dem 15. März wechselten türkische Sparer vier Milliarden US-Dollar in harter ausländischer Währung und gaben der schwachen Lira noch einen Stoß nach unten. Gleichzeitig machen hohe Leitzinsen Unternehmern das Leben schwer, die für Investitionen Kredite brauchen. Die Zentralbank ist daher in der Zwickmühle.

Eine weitere Erklärung: Die Notenbank verkauft dem staatlichen Energiedienstleister Botas regelmäßig Dollar, damit die Firma russisches Gas am Weltmarkt kaufen kann. Im März des vergangenen Jahres waren das über eine Milliarde Dollar. Doch wenn der jüngste Währungssturz nicht mit einem Botas-Deal zusammenhängt, muss der Staat schnell mit einer anderen Erklärung kommen. 

Die Währungshüter haben, als Notmaßnahme, den aktuellen einwöchigen Zinssatz von 24 Prozent kurzfristig ausgesetzt. Türkische Banken können sich daher nur über Nacht für bis zu 27 Prozent Zinsen verschulden. „Die Frage ist, ob das reicht?“, meint Ash. 

3. Die Entscheidung der US-Notenbank hat die Märkte verunsichert

Die US-Notenbank Fed hat hat in ungewohnt deutlicher Weise klargemacht, dass es im laufenden Jahr 2019 keine Zinserhöhungen mehr von ihrer Seite geben wird – obwohl alle damit gerechnet hatten. Seit 2015 hat die Fed ihren Leitzins inzwischen neunmal angehoben.

Robin Brooks, Chefökonom beim Institute of International Finance IIF, glaubt, dass die Anleger daraufhin aus Unsicherheit aus riskanten Werten wie der Lira ausgestiegen seien. Die Währung hätte demnach deswegen ihre monatelang stabile Position verlassen.

4. Die USA könnten Sanktionen gegen die Türkei verhängen 

Der Streit zwischen Washington und Ankara um einen inhaftierten US-Pastor war einer der Hauptgründe für die massiven Kursverluste der Lira im vergangenen Jahr. Jetzt kritisiert US-Präsident Trump, dass der Nato-Partner Türkei ein russisches Raketenabwehrsystem kaufen möchte.

Das wäre ein Novum in der Geschichte des Nordatlantikpakts, und gleichzeitig ein Affront. Die Lira blieb länger unbeeindruckt von dem erneuten diplomatischen Disput. Doch jetzt, wo die Spannungen zum offenen Streit geführt haben, könnten einige Anleger die Nerven verlieren. Viele fürchten, die USA könnten Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängen. Die würden das Land mitten in einer Rezession treffen und diese noch verschärfen. Klar, dass die Zweifel der Anleger daher wachsen. 

5. Wahlversprechen vor den anstehenden Kommunalwahlen

Es ist Wahlkampf in der Türkei, und das heißt: Die Regierung macht Versprechen in Milliardenhöhe. So profitieren die Bürger derzeit von reduzierten Steuersätzen, sie kommen günstiger an Kredite staatlicher Banken und hören ständig von den Spitzenkandidaten der Regierungspartei AKP, dass hier und da investiert wird, um die Wähler am 31. März überzeugen zu können, für sie zu stimmen.

Dabei braucht die Türkei, mit einer grassierenden Inflation und einer gleichzeitigen Rezession, eigentlich ein Sparprogramm. Die Wahlkampfzeit ist daher aus zwei Gründen gefährlich: Die Wahlversprechen tun der Wirtschaft nur kurzfristig gut. Und sollte die AKP Stimmen verlieren, würde dies internationale Anleger einmal mehr verunsichern. 

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