Türkische Lira Lira fällt Richtung Rekordtief

Die Inflation in der Türkei ist im Oktober so hoch wie seit neun Jahren nicht. Warum der Lira-Kurs weiter fallen dürfte und wieso Währungsspekulanten dabei auch eine wichtige Rolle spielen.
Update: 03.11.2017 - 14:25 Uhr 1 Kommentar
Türkei: Lira unter Druck – höchste Inflation seit 2008 Quelle: Reuters
10-Lira-Banknoten

Türkische Banknoten: Die Währung des Lande dürfte weiter unter Druck stehen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Kurs der türkischen Währung ist am Freitag nach neuen Inflationsdaten unter Druck geraten. Am Mittag mussten für einen Euro zeitweise 4,4947 Lira gezahlt werden und damit fast so viel wie Mitte September, als die Lira auf ein Rekordtief gefallen war. Damals mussten bis zu 4,5211 Lira für einen Euro aufgewendet werden. Der Wechselkurs für einen Dollar betrugt zuletzt 3,865 Lira.

Als Ursache für die Kursverluste zum Wochenschluss gelten neue Daten zur Preisentwicklung in der Türkei. Im Oktober lag die Inflation bei 11,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Juli 2008. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten nur mit einer Teuerung von 11,5 Prozent gerechnet.

„Das Problem ist, dass die Lira dazu neigt, in eine Spirale zu geraten. Wobei Währung und Inflation sich wechselseitig beeinflussen“, schreibt Thatha Ghose, Devisen-Analystin bei der Commerzbank. Sofern der globale Risikoappetit nicht im großen Stil zurückkehre, sieht sie Aufwärtspotenzial für den US-Dollar gegenüber der türkischen Lira, was die türkische Zentralbank letztlich zu Zinserhöhungen zwingen dürfte. Ghose sieht den Dollar gegenüber Lira Ende 2017 bei 3,85 und Ende 2018 bei 4,10.

Diese Währungen schwanken am meisten
Platz 10: Neuseeland-Dollar
1 von 11

2011 zerstörte ein Erdbeben mehrere Teile der Stadt Christchurch und bremste dadurch Neuseelands Wirtschaftswachstum stark aus. Der Inselstaat konnte sich 2013 erholen und seitdem geht es wieder bergauf, wenn auch nur langsam. Auch 2016 war der Kiwi-Dollar gefragt. Rund 8,8 Prozent legte er gegenüber dem US-Dollar zu. Allerdings ist die Währung schwankungsanfällig.

Volatilität*: 12,33 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Quelle: Bloomberg

Platz 9: Japanischer Yen
2 von 11

Seit 2016 hält Japan amerikanische Staatsanleihen im Wert von 1,13 Milliarden Dollar und ist damit der größte Gläubiger der USA. Wirtschaftlich geht es dem Land allerdings aber nicht allzu gut: Die Kosten für den Fukushima-GAU sind im letzten Jahr dramatisch gestiegen, außerdem brachen die Exporte um rund zehn Prozent ein. Der Yen gehörte deshalb zu den am stärksten schwankenden Währungen im vergangenen Jahr.

Volatilität*: 12,57 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 8: Türkische Lira
3 von 11

Die angespannte politische Lage in der Türkei sorgt dafür, dass die türkische Währung immer stärker fällt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Türkei ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist und allen voran Öl importiert. Öl wird allerdings in Dollar bezahlt und die Preise steigen aktuell – und mit ihr die Inflation.

Volatilität*: 12,75 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 7: Argentinischer Peso
4 von 11

Auch im vergangenen Jahr konnte Argentinien seinen wirtschaftlichen Fall nicht stoppen. Die neue Regierung leitete allerdings schon die ersten Schritte ein, um dem Land wieder auf die Beine zu helfen. So entschied man sich zum Beispiel, künftig stärker auf erneuerbare Energien umzusteigen. Ob die neue Strategie sich auch auf die Währungsstabilität auswirkt? Noch gehört der Peso zu den wackeligsten Währungen weltweit.

Volatilität*: 13,43 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 6: Britisches Pfund
5 von 11

Großbritannien wurde nach dem Brexit zum Sinnbild wirtschaftlicher Unklarheit. Im derzeitigen Zustand wird sich das auch nicht allzu schnell ändern. Hinzu kam der Sterling-Flash-Crash im Oktober 2016. Dabei stürzte der Kurs auf einigen Handelsplattformen um bis zu zehn Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren gegenüber dem Dollar. Inzwischen gehen Währungsexperten davon aus, dass menschliches Versagen im Zusammenhang mit Devisen-Hochfrequenzhandel den Sturz beschleunigten.

Volatilität*: 14,12 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 5: Mexikanischer Peso
6 von 11

Rund 80 Prozent der Exporte gehen derzeitig in die Vereinigten Staaten, doch das könnte sich nach Trumps Wahlsieg ändern. Dementsprechend plant Präsident Pena Nieto, sich von Amerika als Handelspartner zu lösen. Der Peso fungiert als Seismograph für die Handelsbeziehungen – und schwankt.

Volatilität*: 17,05 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 4: Kolumbianischer Peso
7 von 11

Die kolumbianische Währung zeigte sich im Vergleich zum US-Dollar äußerst volatil. Platz vier im Ranking.

Volatilität*: 18 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Die Analystin sieht mehrere Gründe, warum die türkische Währung weiterhin unter Druck stehen dürfte. Zum einen habe sich die Handelsbilanz der Türkei in den letzten Monaten merklich verschlechtert. Zwar habe sich das Exportwachstum erholt, doch dies vollzog sich im Rahmen eines globalen und auch regionalen Aufschwungs. Eben dieser Aufschwung hat den Energiebedarf der Türkei erhöht, und weltweit begann auch der Preis für
Rohöl zu steigen. Zusammen führten diese Faktoren dazu, dass die Importe schneller wuchsen als die Exporte. Das schlug eine erhebliche Delle in die Handelsbilanz.

In Zeiten weltweit steigender Zinsen sehen sich die Schwellenländer stets mit der Frage konfrontiert, ob sie die Finanzierung ihres Leistungsbilanzdefizits auf dem aktuellen Zinsniveau sicherstellen können. Zudem ist für Commerzbankerin die Phase der moderaten Inflation vorbei, auch weil die Energiepreise wieder klettern.

Weiterhin würden sogenannte Carry-Trader bei starken Bewegungen des Wechselkurses schnell den Rückzug aus der türkischen Währung antreten und damit den Abwärtstrend. Bei Carry Trades nehmen Anleger einen Kredit in einer niedrig verzinsten Währung wie dem Euro auf und legen es in Währungen mit einem höheren Zinsniveau wie beispielsweise dem US-Dollar oder der türkischen Lira an. Eine solche Transaktion ist so lange gewinnbringend, wie die Zinsgewinne nicht durch Währungsverluste aufgefressen werden.

Das Problem: Da fundamental gesehen niemand von der Stabilität der Währung je sonderlich überzeugt war – denn hier handelte es sich lediglich um eine
taktische Wette – verleitet eine starke Bewegung des Wechselkurses die Investoren dazu, auch ungeordnet den Rückzug anzutreten. Was in diesem Fall eine erneute Belastung für die Lira bedeuten würde.

  • dpa
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1 Kommentar zu "Türkische Lira: Lira fällt Richtung Rekordtief"

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  • Die Türkei rauscht somit auf einen Staatsbankrott zu. In einer verflochtenen Welt funktionieren autokratische Bemühungen nicht. Das sollten sich auch die "bitte ausfüllen" vor Augen halten, die meinen sie können alles besser und alleine besser als andere. (Bayern, Katalonier, Wallonen, etc.) Ausgleich und Integration ist billiger und kostet weniger Wohlstand als Segregation. Das weiß man spätestens sit. J. Nash. Also: Hirn einschalten!

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