Türkische Lira Währung bröckelt vor Notenbanksitzung

Analysten erwarten höchstens eine geringe Zinserhöhung, wenn die türkische Notenbank an diesem Dienstag tagt. Der Euro gewann 0,8 Prozent gegenüber der Lira und stieg auf 4,0597 Lira.
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Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im Sommer verliert die Währung stetig an Wert. Quelle: dpa
Wechselstube in Istanbul

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im Sommer verliert die Währung stetig an Wert.

(Foto: dpa)

FrankfurtAm Tag vor einer mit Spannung erwarteten Sitzung der türkischen Notenbank haben Anleger die Währung des Landes verkauft. Ein Dollar verteuerte sich um bis zu 0,4 Prozent auf 3,78 Lira. Der Euro gewann sogar 0,8 Prozent auf 4,0597 Lira.

„Wir erwarten keine oder nur eine kleine Zinserhöhung“, schrieben die Analysten der Odeabank in einem Kommentar. In einer Reuters-Umfrage tippte die Hälfte der 18 befragten Börsianer auf eine Anhebung um 50 Basispunkte. Der UBS zufolge sei aber ein Schritt von 200 Basispunkten notwendig, um die Talfahrt der Lira zu stoppen.

Die Türkei leidet unter einer anziehenden Inflation. Gleichzeitig schwächelt die Wirtschaft, weil nach zahlreichen Anschlägen und wegen der politischen Turbulenzen nach dem Putschversuch vom vergangenen Sommer die wichtige Einnahmequelle Tourismus verebbt.

Diese Währungen schwanken am meisten
Platz 10: Neuseeland-Dollar
1 von 11

2011 zerstörte ein Erdbeben mehrere Teile der Stadt Christchurch und bremste dadurch Neuseelands Wirtschaftswachstum stark aus. Der Inselstaat konnte sich 2013 erholen und seitdem geht es wieder bergauf, wenn auch nur langsam. Auch 2016 war der Kiwi-Dollar gefragt. Rund 8,8 Prozent legte er gegenüber dem US-Dollar zu. Allerdings ist die Währung schwankungsanfällig.

Volatilität*: 12,33 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Quelle: Bloomberg

Platz 9: Japanischer Yen
2 von 11

Seit 2016 hält Japan amerikanische Staatsanleihen im Wert von 1,13 Milliarden Dollar und ist damit der größte Gläubiger der USA. Wirtschaftlich geht es dem Land allerdings aber nicht allzu gut: Die Kosten für den Fukushima-GAU sind im letzten Jahr dramatisch gestiegen, außerdem brachen die Exporte um rund zehn Prozent ein. Der Yen gehörte deshalb zu den am stärksten schwankenden Währungen im vergangenen Jahr.

Volatilität*: 12,57 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 8: Türkische Lira
3 von 11

Die angespannte politische Lage in der Türkei sorgt dafür, dass die türkische Währung immer stärker fällt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Türkei ein hohes Leistungsbilanzdefizit aufweist und allen voran Öl importiert. Öl wird allerdings in Dollar bezahlt und die Preise steigen aktuell – und mit ihr die Inflation.

Volatilität*: 12,75 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 7: Argentinischer Peso
4 von 11

Auch im vergangenen Jahr konnte Argentinien seinen wirtschaftlichen Fall nicht stoppen. Die neue Regierung leitete allerdings schon die ersten Schritte ein, um dem Land wieder auf die Beine zu helfen. So entschied man sich zum Beispiel, künftig stärker auf erneuerbare Energien umzusteigen. Ob die neue Strategie sich auch auf die Währungsstabilität auswirkt? Noch gehört der Peso zu den wackeligsten Währungen weltweit.

Volatilität*: 13,43 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 6: Britisches Pfund
5 von 11

Großbritannien wurde nach dem Brexit zum Sinnbild wirtschaftlicher Unklarheit. Im derzeitigen Zustand wird sich das auch nicht allzu schnell ändern. Hinzu kam der Sterling-Flash-Crash im Oktober 2016. Dabei stürzte der Kurs auf einigen Handelsplattformen um bis zu zehn Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren gegenüber dem Dollar. Inzwischen gehen Währungsexperten davon aus, dass menschliches Versagen im Zusammenhang mit Devisen-Hochfrequenzhandel den Sturz beschleunigten.

Volatilität*: 14,12 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 5: Mexikanischer Peso
6 von 11

Rund 80 Prozent der Exporte gehen derzeitig in die Vereinigten Staaten, doch das könnte sich nach Trumps Wahlsieg ändern. Dementsprechend plant Präsident Pena Nieto, sich von Amerika als Handelspartner zu lösen. Der Peso fungiert als Seismograph für die Handelsbeziehungen – und schwankt.

Volatilität*: 17,05 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Platz 4: Kolumbianischer Peso
7 von 11

Die kolumbianische Währung zeigte sich im Vergleich zum US-Dollar äußerst volatil. Platz vier im Ranking.

Volatilität*: 18 Prozent

*Historische Volatilität gegenüber dem US-Dollar (zwölf Monate)

Um die Konjunktur nicht vollends abzuwürgen, hat die Notenbank bislang nur mit im Analysten-Jargon „versteckten Zinserhöhungen“ genannten Maßnahmen reagiert. So lockerte sie die Anforderungen für die Mindest-Devisenreserven der Geschäftsbanken, um den Kurs der Währung zu stützen.

„Die Zentralbank wird die Zinsen langsamer anheben als der Markt es erwartet“, urteilten die Experten der US-Bank Goldman Sachs. „Sie hat signalisiert, dass sie Liquiditätsmanagement Not-Zinserhöhungen vorzieht.“ Die Notenbank werte den aktuellen Abwertungsdruck als vorübergehend.

  • rtr
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